In der Großen Magellanschen Wolke: Astronomen entdecken kosmischen Zoo

In der Großen Magellanschen Wolke : Astronomen entdecken kosmischen Zoo

Düsseldorf (RPO). Die Große Magellansche Wolke, einer der nächsten Nachbarn unserer Heimatgalaxie, ist ein überaus beliebtes astronomisches Beobachtungsziel. Ein neues spektakuläres Bild zeigt eine wahre kosmische Menagerie unterschiedlicher Himmelsobjekte: Von riesengroßen Kugelsternhaufen bis hin zu den Überresten heller Supernova-Explosionen ist alles vertreten.

Das jetzt veröffentlichte Bild ist ein Mosaik, zusammengesetzt aus vier Teilaufnahmen, die mit einer astronomischen Kamera mit besonders großem Blickfeld am Teleskop am La Silla Observatorium in Chile gemacht wurden. Es deckt am Himmel einen Bereich ab, der mehr als viermal so groß ist wie der Vollmond.

Zu den abgebildeten Objekten gehören mehrere Dutzende von Sternhaufen mit jungen Sternen und eine Reihe von leuchtenden Gaswolken. Unmengen lichtschwacher Sterne füllen das ganze Bild, und im Hintergrund werden andere Galaxien sichtbar, die sich weit hinter der Großen Magellanschen Wolke befinden.

Oberhalb der Bildmitte ist ein Kugelsternhaufen zu erkennen, der im Bild wie ein etwas unscharfes, gelblich-weißes ovales Fleckchen erscheint. Kugelsternhaufen sind Ansammlungen von Hunderttausenden oder gar Millionen Sternen, die von der Schwerkraft nahezu kugelförmig auf einen Bereich mit nur wenigen Lichtjahren Durchmesser zusammengeballt werden. Viele solcher Haufen umkreisen die Milchstraße, die meisten von ihnen sind sehr alt (über zehn Milliarden Jahre) und bestehen hauptsächlich aus alten, roten Sternen.

Nur etwa dreieinhalb Milliarden Jahre alt

Der hier abgebildete Kugelsternhaufen ist ungewöhnlich massereich. Im Gegensatz zu den Kugelsternhaufen der Milchstraße ist er offenbar nur etwa dreieinhalb Milliarden Jahre alt. Seine Anwesenheit lässt die Astronomen schlussfolgern, dass in der Großen Magellanschen Wolke im Gegensatz zu den Verhältnissen in der Milchstraße zu dieser Zeit — vor rund dreieinhalb Milliarden Jahren - besonders viele Sterne entstanden sind.

Die Große Magellansche Wolke bietet auch viele Beispiele für sterbende Sterne. Genauer: die spektakulär als helle Supernova explodieren. Ein Beispiel für einen Überrest einer solchen Supernovaexplosion ist in der rechten oberen Bildecke zu sehen.

Diese große Wolke aus leuchtendem Gas ist der hellste Supernovaüberrest in der Großen Magellanschen Wolke und hat einen Durchmesser von etwa 30 Lichtjahren. In seinem Zentrum befindet sich der Überrest der Kernregionen des explodierten Sterns: ein sogenannter Magnetar, also ein Neutronenstern mit einem extrem starken Magnetfeld.

Ausbruch von Gammastrahlung

Im Jahre 1979 gelang es mithilfe von Satelliten in der Erdumlaufbahn, einen starken Ausbruch von Gammastrahlung nachzuweisen, der von diesem Objekt stammte. Damit war die Aufmerksamkeit der Astronomen auf die extremen Eigenschaften dieser neuen Klasse von exotischen Überbleibseln einer Supernovaexplosion gelenkt.

Der in der neuen Aufnahme abgebildete Teil der Großen Magellanschen Wolke ist so dicht mit Sternhaufen und anderen interessanten Objekten bevölkert, dass er Material für unzählige astronomische Forscherkarrieren bietet. Es ist nicht verwunderlich, dass in der Tat viele Astronomen eifrig dabei sind, die seltsamen Kreaturen in diesem Himmelszoo zu studieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schwarze Löcher, ferne Galaxien und explodierende Sonnen

(csr/csi)