Artemis I: Testflug zum Mond Orion stellt im All einen neuen Rekord auf

Washington · Die unbemannte Orion-Kapsel zeigt seit dem Start am 16. November bei ihrem Flug zum Mond bislang kaum Probleme. Die US-Weltraumbehörde Nasa will nun die technischen Grenzen der Kapsel ausloten.

 Orion hat den Mond und die Erde auf ihrem Flug im Blick.

Orion hat den Mond und die Erde auf ihrem Flug im Blick.

Foto: dpa/Uncredited

Auf ihrer Umlaufbahn um den Mond haben die Orion-Kapsel und das mit ihr verbundene „Europäische Service-Modul“ (ESM) einen neuen Rekord aufgestellt: Sie haben sich mehr als 432.000 Kilometer von der Erde und mehr als 69.000 Kilometer vom Mond entfernt. Bei einer Geschwindigkeit von 2694 km/h. Nun nähern sie sich unserem Heimatplaneten wieder an. Und noch nie zuvor ist ein Raumschiff, das für eine Besatzung konstruiert wurde, jemals weitergeflogen. Nur unbemannte Sonden haben sich bislang tiefer ins All gewagt. Das teilte Bill Nelson, Direktor der US-Weltraumbehörde Nasa, in der Nacht mit deutlich sichtbarem Stolz in einer Pressekonferenz mit. Bereits am Samstag hätte man die alte Bestmarke von Apollo 13 aus dem Jahre 1970 mit einer Entfernung von mehr als 402.000 Kilometer überboten, aber das war nur eine Momentaufnahme – weil klar war, dass sich die Kapsel auf ihrer Bahn noch weiter von der Erde entfernen würde.

Und was für Nelson nicht minder ein Grund für Stolz war: Bislang gebe es so gut wie keine Probleme und es laufe „alles sehr glatt“. Die Temperatur- und Druckwerte innerhalb der Kapsel bewegen sich in den erforderlichen und berechneten Grenzen. Die Triebwerke funktionieren einwandfrei, und die vier 7,3 Meter langen und zwei Meter breiten Solarmodule würden sogar 20 Prozent mehr Strom generieren als benötigt.

Was zunächst wie eine Erfolgsgeschichte klingt, hat dann aber doch kleinere Probleme. Die Computer der Navigationskameras, die sogenannten „Star Tracker“, haben kurzfristig seltsame Daten geliefert. Das System selbst aber habe funktioniert. Der Grund war die Strahlung im Weltraum, die einen Computerspeicher beeinträchtigt habe. Das sei auch bei einem der Flugcomputer passiert. Aber der habe sich wie vorgesehen quasi selbst repariert, als es seine Daten mit anderen Systemen verglichen hatte.

Daneben scheint eins der Elemente für die Energieverteilung nicht richtig zu arbeiten. Aber da alle kritischen Einheiten zur Sicherheit mehrfach vorhanden sind, ist eins der Ersatzsysteme eingesprungen. Der Fehler werde derzeit von Ingenieuren analysiert. Nichts davon sei indes bedrohlich für die Artemis-I-Mission gewesen. Vielmehr gewinne man jetzt echte Daten über die Orion-Kapsel und das Service-Modul sowie ihr Verhalten bei einem Raumflug, die wichtig für Artemis II (geplant für 2024) werden – wenn zum ersten Mal Astronauten den Mond umrunden werden. Bevor mit Artemis III (vermutlich 2026) dann Menschen wieder dort landen werden.

Der bisherige, eher problemlose Verlauf der Mission führt nun aber auch dazu, dass die Nasa einige der Grenzen aus den Modellen und Simulationen unter realen Bedingungen testen möchte: Zwar können sich die Solarmodule drehen, um sich immer optimal zur Sonne auszurichten. Doch dafür ist die Orientierung der Orionkapsel selbst auf ihrer Bahn limitiert. Und an eben diese Grenzen will man nun gehen. Zudem will man zusätzliche Tests mit dem Haupttriebwerk, den acht Hilfsantrieben und 24 „Steuerdüsen“ durchführen. Denn je besser die Ingenieure das Raumschiff verstehen, desto besser können sie die zukünftigen Missionen planen – oder auf eventuelle Probleme reagieren.

Noch sind nicht alle kritischen Phasen abgeschlossen. Jederzeit bestehe die Gefahr des Einschlags eines Mikrometeoriten. Und wenn man wieder zur Erde zurückkehre, könnte ein Stück Weltraumschrott Orion beschädigen. Zudem müssen Hitzeschild und die Fallschirmsysteme noch beweisen, dass die Kapsel sicher im Pazifik landen kann. Diese Wasserung ist für den 11. Dezember vorgesehen. Dann wird sich das Raumschiff mit 40.000 Kilometern pro Stunde der Erde nähern. 42 Minuten vor der Landung und 5.000 Kilometer entfernt wird das Service-Modul abgetrennt und verglühen. Die Kapsel selbst wird in die Atmosphäre eintauchen, Geschwindigkeit verlieren, quasi wieder abprallen und dann erst in den Landeanflug gehen. Die Außenhülle wird dabei durch Reibung auf 2.800 Grad Celsius erhitzt.

Erst wenn Orion das alles übersteht, kann man von einem Erfolg sprechen und alle Daten auswerten. Auch zur Strahlenbelastung einer Besatzung bei einem Flug zum Mond. Zudem sollen einige Teile für Artemis II geborgen und wiederverwendet werden. Dazu gehören einige Flugsysteme, aber auch der Sitz, in dem ein Crash-Test-Dummy mit dem Namen „Commander Moonikin Campos“ den Testflug mitgemacht hat. Zunächst ist aber am Donnerstag das Manöver vorgesehen, mit dem Orion die Mond-Umlaufbahn wieder verlassen und die Heimreise antreten wird.

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