Astronaut Gerst twittert "Hallo Berlin, von hier oben sieht man keine Grenzen!"

Kurz vor seiner Rückkehr von der Internationalen Raumstation ISS twitterte der deutsche Astronaut Alexander Gerst ein beeindruckendes Weltall-Foto von Berlin, um des Mauerfalls zu gedenken. Nach 165 Tagen im All kehrt Astronaut Gerst am Montag zur Erde zurück. Er bezeichnet den Ausflug als "die eindrucksvollste Erfahrung seines Lebens."

Alexander Gerst spaziert durchs Weltall
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Foto: dpa, cdt jhe hpl

Bevor er am Montag auf die Erde zurückkehrt, haben Alexander Gerst und seine Kollegen dem Mauerfall von vor 25 Jahren gedacht. So twitterte er:

Hallo Berlin! Von hier oben sieht man keine Grenzen! #Mauerfall #fotw25 pic.twitter.com/r4BlbrE2eI

Außerdem haben die Astronauten ein Video gedreht, welches zum 09. November auf YouTube veröffentlicht worden ist. Das Motto laut Gerst: "Nur wenn wir gemeinsam handeln, können wir die Zukunft gestalten!"

165 Tage Abenteuer im All

Bei Pizza und Hamburger können auch abgebrühte Astronauten schwach werden. Wenn er beim Filmegucken auf der Internationalen Raumstation einen Schauspieler beim Fast-Food-Verspeisen sehe, "dann habe ich plötzlich Riesenlust auf sowas", bekannte Alexander Gerst erst vor wenigen Tagen auf der ISS. Bald wird er wieder herzhaft in eine Pizza beißen können: Am Montag kehrt der deutsche Astronaut nach 165 Tagen im All zur Erde zurück.

Wenn Gerst am frühen Montagmorgen mit zwei weiteren Raumfahrern an Bord einer russischen Sojus-Kapsel in der Steppe Kasachstans landet, liegen mehr als 2600 Erdumrundungen hinter ihm. Runde 120 Millionen Kilometer hat er dabei zurückgelegt, das entspricht 156 Flügen zum Mond und zurück.

In den vergangenen knapp sechs Monaten hat der Astronaut der Europäischen Weltraumagentur ESA in der Schwerelosigkeit eine Vielzahl von Experimenten vorgenommen. So testete der Geophysiker und Vulkanologe rund 400 Kilometer über der Erde unter anderem das Verhalten bestimmter Werkstoffe bei fehlender Gravitation.

Der twitternde Astronaut

Freilich dürfte Gerst den Raumfahrtinteressierten weniger durch sein anstrengendes Arbeitspensum auf der ISS in Erinnerung bleiben als durch seine ganz persönliche "Öffentlichkeitsarbeit": Während seines gesamten Aufenthalts auf der Raumstation ließ der in Künzelsau geborene Wissenschaftler zehntausende Menschen per Internet an seiner Weltraum-Reise und seinen Eindrücken teilhaben. Für eine große Fangemeinde in den sozialen Netzwerken postete Gerst unzählige Bilder, ergänzt durch viele Kurznachrichten aus seinem Raumfahrer-Alltag.

Raumfahrt: Alexander Gersts Blick von der ISS auf die Erde
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Der Blick von Alexander Gerst auf die Erde

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Foto: dpa, nasa mda kno

"Habe gestern frische Tomaten aus der Progress-Kapsel gegessen. Unglaublich köstlich, ich konnte die Erde förmlich schmecken!" lautete einer der Tweets von "@Astro_Alex". "Gerade eben 16.300 km auf dem Laufband gelaufen (35 Min mit 28.000 km/h)" schilderte der 38-Jährige in einer anderen Kurznachricht augenzwinkernd sein Fitnessprogramm.

Als Höhepunkt seiner ISS-Mission empfand Gerst seinen Außeneinsatz an der Raumstation am 7. Oktober. Gemeinsam mit seinem US-Kollegen Reid Wiseman verließ der ESA-Astronaut für gut sechs Stunden das fliegende Forschungslabor und schwebte im All. "Mit Abstand die eindrucksvollste Erfahrung meines Lebens", twitterte Gerst.

Astronaut Gerst gewinnt Glatzen-Wette gegen US-Kollegen
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Astronaut Gerst gewinnt Glatzen-Wette gegen US-Kollegen

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Rückflug dauert vier Stunden

Der Rückflug des Astronauten zur Erde am Montag wird rund vier Stunden dauern. Bereits um kurz vor fünf Uhr mitteleuropäischer Zeit soll die Sojus-Kapsel mit Gerst, Wiseman und dem russischen Kosmonauten Maxim Surajew in Kasachstan landen. Gerst und Wiseman besteigen anschließend ein Flugzeug der US-Weltraumbehörde Nasa, das der Deutsche bei einer Zwischenlandung in Schottland wieder verlassen wird. Mit einem deutschen Flugzeug reist Gerst dann weiter nach Köln, wo er bereits am Montagabend erwartet wird.

Alexander Gerst twittert vor seinem Start ins All
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Alexander Gerst twittert vor seinem Start ins All

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Foto: afp, kk/ski

Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unweit des Kölner Flughafens wird Gerst seine Regenerationsphase in einer brandneuen Forschungseinrichtung absolvieren: dem sogenannten "enivhab", einer erst im Sommer 2013 eingeweihten weltweit einzigartigen medizinischen Großanlage. Das "envihab" gilt als irdisches Schwester-Labor der ISS. In dem 3500 Quadratmeter großen Forschungszentrum können unter anderem Isolationsbedingungen während Langzeit-Raummissionen simuliert werden. Gerst wird der erste Astronaut sein, der dort unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem All untersucht und betreut wird.

Eine Langzeit-Mission zu fernen Planeten könnte sich Gerst auch für sich selbst vorstellen. Bei seiner letzten Live-Schaltung von der ISS zur Erde sagte der deutsche Astronaut, er würde gerne länger im Weltraum bleiben, "auf einer längeren Reise zum Mars, ja, zu weiter entfernten Zielen". Zugleich wollte er aber auch sein Heimweh nicht verhehlen. Beim Anblick eines Herbstwald-Fotos habe er das "riesige Verlangen gespürt, einfach wieder durch einen Wald zu laufen oder zu joggen - und diesen Geruch aufzusaugen".

(AFP)