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Mars-Isolationsexperiment in Moskau: 500 Tage im Raumschiff-Nachbau

Mars-Isolationsexperiment in Moskau : 500 Tage im Raumschiff-Nachbau

Moskau (RPO). Die europäische Raumfahrtbehörde ESA untersucht ab Anfang kommenden Monats in einem Isolationsexperiment in Moskau die Wirkungen eines anderthalb Jahre dauernden Fluges zum Mars auf den Menschen. "Die Mission wird am 3. Juni beginnen." Das sagte Projektleiter Boris Morukow am Dienstag vor Journalisten in der russischen Hauptstadt.

Für das Projekt lassen sich drei Russen, zwei Westeuropäer und ein Chinese 520 Tage lang in einen Raumschiff-Nachbau in einer Halle einsperren. Die ESA will gemeinsam mit dem russischen Institut für biomedizinische Probleme (IBMP) neben den körperlichen auch die psychischen Herausforderungen eines Langzeitflugs erforschen.

"Es wird für uns alle beschwerlich", sagte der chinesische Teilnehmer Wang Yue. "Wir können unsere Familie und Freunde nicht sehen." Die "Crew" lebt während des Mars500-Experiments in mehreren Modulen mit insgesamt 180 Quadratmetern Fläche, die in einer Halle aufgebaut sind. Dazu gehören neben dem "Raumschiff" auch eine Landefähre und eine nachempfundene Mars-Landschaft für Außenmissionen. Wie bei einem echten Flug dauert die Reise zum Roten Planeten 250 Tage, dann sind 30 Tage Aufenthalt geplant und schließlich 240 Tage für die Rückkehr.

Um wie bei einem echten Raumflug kein Wasser zu verschwenden, dürfen die Teilnehmer nur alle zehn Tage duschen. Ihre Kleidung wird nicht gewaschen. "Wenn die Kleider dreckig sind, werfen wir sie raus in den Weltraum", sagte der Franzose Romain Charles, neben seinem italienisch-kolumbianischen Kollegen Diego Urbina einer der beiden westeuropäischen Teilnehmer.

Die Kommunikation per Funk zur "Bodenstation" findet genauso wie im Weltraum mit wachsender Entfernung von der Erde zeitverzögert statt. Bei Krisen - seien sie technischer, medizinischer oder psychologischer Natur - sind die Crew-Mitglieder deshalb erst einmal auf sich selbst gestellt. Wie in der Fernsehserie "Big Brother" werden die "Versuchskaninchen" dabei aber ständig per Videokamera genauestens beobachtet.

Im vergangenen Jahr hatten ESA und IBMP in Moskau schon ein 105 Tage dauerndes Isolationsexperiment für eine Mars-Mission gemacht, an dem auch der deutsche Bundeswehr-Offizier Oliver Knickel teilnahm. Die ESA sieht das Experiment als wichtigen Schritt, um die Machbarkeit einer Mars-Mission zu belegen. Mit einem echten Flug rechnet die Raumfahrtbehörde nach eigenen Angaben aber insbesondere wegen der hohen Kosten nicht vor dem Jahr 2030.

Hier geht es zur Infostrecke: "Phoenix" bei der Arbeit auf dem Mars

(AFP/born)