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Weiterführende Schule: So macht man seinem Kind den Schulwechsel leichter

Zehn Fragen an den Schulpsychologen : Schulwechsel - so macht man es seinem Kind leichter

Nach den Sommerferien steht für viele Kinder der Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule an. Unter Vorfreude und Neugier mischen sich oft aber auch Angst und Unsicherheit. Wie können Eltern es ihren Kindern leichter machen?

Viele Kinder freuen sich auf die weiterführende Schule. Endlich gehören sie zu den Großen und lernen neue Unterrichtsfächer, Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrkräfte kennenlernen. Ein Neuanfang ist mit Hoffnungen verbunden, aber auch mit Sorgen. Christian Issmer, Psychologe am Zentrum für Schulpsychologie in Düsseldorf, erklärt warum das normal ist und wie man es dem Nachwuchs leichter macht.

 Christian Immer ist Diplom-Psychologe am Zentrum für Schulpsychologie in Düsseldorf.
Christian Immer ist Diplom-Psychologe am Zentrum für Schulpsychologie in Düsseldorf. Foto: Stadt Düsseldorf

Was macht Kindern beim Schulwechsel häufig Sorge?

Issmer Die Kinder verlassen den eher behüteten und begrenzten Rahmen der Grundschule. Oft wird nun der Schulweg länger und alles ist erstmal neu und fremd. Weiterführende Schulen sind oft sehr große Systeme in riesigen Schulkomplexen. Hinzu kommt: Die anderen Kinder und auch die vielen Lehr- und Fachkräfte sind erstmal fremd. Alleine der Altersunterschied zwischen den neuen Fünftklässlern und den ältesten Schülern ist ja viel größer als noch in der Grundschule. Und die Rolle ändert sich entsprechend: Man ist nicht mehr „der Größte“, sondern plötzlich „der Kleinste“ an der Schule.

Wie mache ich es meinem Kind leichter?

Issmer Nutzen Sie Möglichkeiten, um Ihrem Kind die neue Situation schon etwas vertrauter zu machen, etwa indem Sie den neuen Schulweg einüben, sich das neue Gebäude von außen anschauen, im Internet Bilder von Räumen und Lehrkräften recherchieren. Besonders gut sollten die ersten Tage in der neuen Schule geplant werden. Besprechen Sie mit Ihrem Kind vorher den morgendlichen Ablauf und sorgen Sie selber für genügend Zeit und Ruhe, um Ihr Kind gut zu begleiten. Sollten Grundschulfreunde und- freundinnen oder Nachbarskinder auf die gleiche Schule gehen, kann der morgendliche Schulweg gemeinsam zurückgelegt werden. Das gibt Sicherheit. Ihr Kind braucht Sie als Vertrauensperson und Sicherheitsanker. In Situationen mit viel Neuem und Fremdem hilft den Kindern darum Zuwendung, Transparenz und Verlässlichkeit.

Wie lange brauchen Kinder bis sie in der neuen Schule angekommen sind?

Issmer Kinder gehen sehr unterschiedlich mit neuen Situationen um. Die meisten Kinder werden sicher einige Wochen oder auch Monate brauchen. In dieser Phase ist durchaus mit einigem Auf und Ab zu rechnen. Eltern sollten nicht erstaunt sein, wenn das Kind den einen Tag freudestrahlend aus der Schule kommt und am nächsten Tag wieder unsicher mit anderen Kindern, den Lehrkräften oder den neuen Fächern erscheint.

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An der weiterführenden Schule – besonders an Gymnasien – wachsen Lerntempo und Notendruck. Wie fange ich mein Kind auf?

Issmer Höhere Anforderungen können sich durchaus motivierend und leistungsförderlich auswirken. Es ist wichtig, dass die Kinder gut begleitet und Ziele so gesetzt werden, dass sie für das einzelne Kind auch transparent und erreichbar sind. Den besonders in Sachen Noten entstehenden Leistungsdruck sollten Eltern nicht noch verstärken. Aus psychologischer Sicht ist es sinnvoll, nicht so sehr auf die Leistung zu fokussieren, sondern eher die Bemühung des Kindes wertzuschätzen.

Mit dem Start in die 5. Klasse wird mehr Selbstorganisation nötig: morgens checken, welche Stunden ausfallen, im Blick halten, wann in welchen Räumen welcher Unterricht stattfindet und entscheiden, welche AG man belegen möchte. Was tun, wenn sich mein Kind damit überfordert fühlt?

Issmer Für viele Kinder wird dies erstmal eine große Herausforderung darstellen. Auch hier braucht es Zeit, um Abläufe zu verinnerlichen. Fragen Sie Ihr Kind was ihm helfen könnte, wenn es sich überfordert fühlt. Überlegen Sie gemeinsam, wie das Kind sich gut strukturieren kann, erarbeiten Sie beispielsweise einen Ablaufplan oder eine Checkliste. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, schwierige Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel indem Sie pro und contra für unterschiedliche Alternativen gemeinsam abwägen.

Was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, dass mein Kind Startschwierigkeiten in der Klassengemeinschaft hat?

Issmer Gehen Sie ins Gespräch mit der Klassenlehrkraft. Diese kann Ihr Kind in der Schule am besten unterstützen. Auch Schulsozialarbeitende oder die Schulpsychologie stehen bei Fragen und Sorgen zur Verfügung.

Wie hilft man zurückhaltenden Kindern neue Kontakte zu knüpfen?

Issmer Überlegen Sie mit ihrem Kind gemeinsam, was ihm helfen könnte. Vielleicht hilft es, mögliche Themen für einen Gesprächseinstieg mit anderen Kindern zu sammeln. Oder zu überlegen, welche Spiele das Kind besonders mag und wie es andere Kinder für diese Spiele gewinnen kann. Eltern sollten gleichzeitig keinen Erwartungsdruck aufbauen: Kein Kind muss direkt mit der ganzen Klasse befreundet sein. Oftmals sind es erstmal ein oder zwei Kontakte, mit denen es in einer neuen Klasse beginnt. Wenn es unter den Eltern einer Klasse Kontakte gibt, spricht auch nichts dagegen, sich außerhalb der Schule mit den Kindern zu verabreden. Dies sollte aber mit dem Kind besprochen werden, damit es sich nicht übergangen fühlt. Manchmal gibt es erstmal Halt, alte Freundschaften aus der Grundschule oder außerhalb der Schule zu pflegen und aufrechtzuerhalten.

Welche Warnsignale zeigen, dass mein Kind mit dem Wechsel Probleme hat?

Issmer Besondere Aufmerksamkeit ist etwa gefragt, wenn das Kind sehr ängstlich oder betrübt wirkt, Schlafprobleme hat, sich vermehrt negativ über die Schule äußert, morgens nicht zur Schule gehen will oder über körperliche Beschwerden klagt. Besonders wenn eine deutliche Veränderung in Stimmung, Verhalten und Beschwerden im Vergleich zur Grundschulzeit zu beobachten ist, kann zusätzliche Unterstützung nötig sein.

Was kann ich dann tun?

Issmer Erst einmal sollten Eltern dem Kind mit Ruhe begegnen und nicht dramatisieren. Versuchen Sie herauszufinden, was ihr Kind bedrückt und ob Sie ihm helfen können. Suchen Sie den Kontakt zur Klassenlehrkraft, diese erlebt Ihr Kind täglich im Unterricht und kann im Schulalltag unterstützen. In jeder weiterführenden Schule stehen auch Beratungslehrkräfte und Schulsozialarbeitende zur Verfügung, die zu Rate gezogen werden können. Außerdem unterstützt das Zentrum für Schulpsychologie Familien bei Fragen rund um das schulische Wohlergehen ihres Kindes.

Das Kind geht zur Schule – nicht die Eltern. Welche Rolle spielt es da, dass ich zu Elternabenden und Klassenstammtischen gehe?

Issmer Eltern sind wichtige Partner der Schule, wenn es um Fragen der schulischen und auch sozial-emotionalen Entwicklung geht. Beide haben das gleiche Ziel, nämlich das Kind entsprechend seinen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten bestmöglich zu fördern. Gerade zu Beginn der weiterführenden Schule empfiehlt sich daher der regelmäßige Austausch mit den Lehrkräften. Wenn der Kontakt einmal aufgenommen ist, fällt es später bei Fragen und Sorgen umso leichter zusammenzuarbeiten. Für die Kinder kann es ein gutes Gefühl sein, wenn die Eltern die Menschen kennen, mit denen es an jedem Schultag in der Schule zu tun hat.