Düsseldorf: Wegen Arznei ins Krankenhaus

Düsseldorf: Wegen Arznei ins Krankenhaus

Viele ältere Menschen müssen ins Krankenhaus, weil sie eine gefährliche Vielzahl von Medikamenten eingenommen haben. Dies geht aus einer Stellungnahme von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) auf eine Anfrage des CDU-Politikers Peter Preuß hervor. In der Antwort der Ministerin heißt es, deutschlandweit seien schätzungsweise bis zu fünf Prozent der Einweisungen in ein Krankenhaus "auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen, die teilweise durch Wechselwirkungen zustande kommen". Bei älteren Krankenhauspatienten könne die Quote sogar bei bis zu 15 Prozent liegen, wobei jedoch mehr als 60 Prozent dieser Fälle vermeidbar seien.

Nach Angaben der Ministerin nehmen in Deutschland sieben Millionen Menschen – vor allem ältere – pro Tag fünf oder mehr Medikamente dauerhaft ein. Im Alter zwischen 75 und 85 Jahren bekomme etwa ein Drittel sogar mehr als acht Arzneimittel. Steffens: "Nicht selten kommt es auch zu Verschreibungskaskaden, bei denen Nebenwirkungen, die nicht als solche erkannt wurden, zur Verordnung weiterer Medikamente führen." Je größer die Anzahl der Medikamente, desto höher sei das Risiko, dass es zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen komme. Medikamente könnten zum Beispiel die Aktivität arzneimittelabbauender Enzyme steigern oder hemmen. Dadurch könne sich der Blutspiegel von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten senken oder erhöhen. Auch wirkten bei Älteren Beruhigungs- oder Schlafmittel stärker als bei jüngeren Menschen. Die Folge sei ein erhöhtes Risiko zu stürzen. Zudem bestehe die Gefahr, abhängig zu werden.

Am 22. November befasst sich die Konferenz der Landesgesundheitsminister unter Federführung von NRW mit den Risiken der Mehrfachmedikation bei Älteren.

(RP)