Düsseldorf: Was die Menschen zusammenschweißt

Düsseldorf : Was die Menschen zusammenschweißt

Wenn es warm wird, dann fließt er wieder in Strömen, denn der Schweiß verdunstet und sorgt dadurch für Kühlung. Doch er kann offenbar, wie Forscher feststellen, noch weitaus mehr.

Es müffelt! Nach Essig, oder sogar dem berüchtigten Pumakäfig. Jeder hat schon mal an eigenem Leibe erfahren, wie stark der menschliche Schweiß riechen kann. Aber auch dann, wenn er nicht in die Nase sticht, übermittelt er seine Signale. So sitzen in den Achselhöhlen, an den Brustwarzen und rund um die Geschlechtsorgane die so genannten apokrinen Drüsen. Sie produzieren ein dickflüssiges Sekret, das zusammen mit den Talgdrüsen und diversen Bakterien ein Parfüm bildet, das jeden Einzelnen von uns einzigartig macht. Nichtsdestoweniger vermutete man lange Zeit, dass der im Riechen ziemlich abgestumpfte Homo sapiens es gar nicht mehr wahrnehmen könnte. Doch jüngere Studien zeigen: Er kann, und er zieht daraus sogar Informationen zur Familienplanung.

Forscher der Max-Planck-Institute in Plön und Freiburg konnten nachweisen, dass wir bestimmte Immungene im Schweiß eines Menschen erschnuppern können, die uns Aufschluss über seine Fähigkeit zur Infektabwehr geben. Für die Partnerwahl spielt das eine wichtige Rolle. Denn Mann und Frau finden sich, wie man in Schnupper-Tests herausfinden konnte, umso attraktiver, je mehr sich ihre Immungene voneinander unterscheiden. Denn diese Differenz bedeutet, dass der aus dieser Beziehung hervorgehende Nachwuchs nahezu optimal vor Infektionen geschützt wäre. "Kinder eines Paares, das über die Gerüche harmoniert, haben dann durch die Mischung der unterschiedlichen Gene ein besonders starkes Immunsystem", erklärt Studienleiter Manfred Milinski.

Für die Gesundheit des Nachwuchses es also wichtiger, dass zwei Menschen sich riechen können, als dass sie sich optisch attraktiv finden. Hundertprozentig verlassen kann man sich auf die Treffsicherheit der Nase jedoch nicht. Denn in einem entsprechenden Test versagten Frauen, die rauchten oder erkältet waren, geradezu kläglich.

Neben seinem Immunstatus verrät ein Mensch über seinen Schweiß aber auch Details zu seiner Stimmungslage. Wut, Stress, vor allem aber Angst stinken geradezu zum Himmel. Wer sich fürchtet, schwitzt nicht nur stärker, sein Schweiß hat auch eine besondere Zusammensetzung. Die amerikanische Forscherin Liliane Mujica-Parodi konfrontierte ihre Probanden mit den Schweißproben von Männern und Frauen, die das erste Mal in ihrem Leben einen Fallschirmabsprung absolviert hatten. Die Gehirne der Riechenden zeigten daraufhin im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die an gewöhnlichem Schweiß geschnuppert hatte, eine starke Erregung in neuronalen Angstzentren wie der Amygdala und dem Hypothalamus. Bewusst wahrgenommen hatten sie aber den Angstschweiß nicht, ihre Empfindungen wurden vielmehr unterschwellig ausgelöst, vermutlich durch stresstypische Pheromone. Mujica-Parodi sieht ihre Befunde als deutlichen Hinweis darauf, dass "Angst buchstäblich ansteckend ist".

(RP)
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