Rätsel des Alltags: Warum kann man rückwärts besser einparken?

Rätsel des Alltags: Warum kann man rückwärts besser einparken?

Düsseldorf (RP). Die Innenstädte werden immer voller. Da muss jede Parklücke genutzt werden - auch wenn es manchmal schon recht eng wird. Dabei wird der Fahrer irgendwann feststellen, das Einparken geht rückwärts viel besser als vorwärts. Woran liegt das?

Geübte Fahrer kurbeln es aus den Handgelenken, weniger Geübten treibt es den Schweiß auf die Stirn: das Rückwärts-Einparken. Ob die Lücke für das Auto groß genug ist und der Einfahrtswinkel stimmt, weiß man oft erst nach jahrelanger Erfahrung.

"Dass rückwärts besser als vorwärts geht, liegt in der Lenkgeometrie", sagt Maximilian Maurer vom ADAC. "Bei Kurvenfahrten beschreiben die geschleppten Hinterräder immer einen engeren Kurvenradius als die gelenkten Vorderräder."

Auch das Einparken könne man sich als Folge von zwei gegenläufigen Kurven vorstellen. Parkt man vorwärts ein und berührt das rechte Vorderrad bereits den Bordstein, ist das hintere Rad noch weit davon entfernt.

Kleinerer Spurkreis

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Um parallel zu stehen, müsste man also noch eine Strecke geradeaus am Bordstein weiterfahren (so groß ist keine Parklücke) oder mit dem Vorderrad ausholen, sprich über den Bordstein fahren. "Das ist aber auch nicht zu empfehlen, weil Bordsteinkanten dem Reifen nicht gut tun."

Beim Rückwärtsfahren profitiert man vom kleineren Spurkreis der Hinterräder, die schneller am Bordstein sind als die gelenkten Vorderräder. Maximilian Maurer: "Durch einen Gegeneinschlag im richtigen Augenblick können die Vorderräder den größeren Abstand wieder aufholen und das Fahrzeug steht richtig, das heißt parallel in der Lücke."

Studieren geht über probieren, sagte sich der Mathematiker Norbert Herrmann vom Institut für Angewandte Mathematik der Uni Hannover und präsentierte eine "Formel zum perfekten Rückwärts-Einparken": Je kleiner der Einfahrtswinkel, desto kleiner kann die Parklücke sein - im optimalen Fall 34 Grad. Nach Anpassungen der Formel an realistische Gegebenheiten rechnete sie Hermann an den gängigen Automodellen durch.

Die Formel ist keine mathematische Spielerei. "Immerhin scheint es vorstellbar, dass ein Autokonstrukteur hier Ansätze findet, um einen Computer an Bord mit den entsprechenden Daten zu füttern und das Einparkmanöver vollautomatisch ablaufen zu lassen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Richtig einparken - so geht's!

(alfa)
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