Warum heißt das Martinshorn Martinshorn? Rätsel des Alltags

Rätsel des Alltags : Warum heißt das Martinshorn Martinshorn?

Martinshorn nennt man allerorten die auf- und abheulende Fanfare bei Polizei-, Feuerwehr und Rettungsfahrzeugen. Warum aber heißt das Martinshorn Martinshorn?

Trotz des Namens hat es nichts mit dem heiligen Martin zu tun. Benannt ist sie nach dem Familiennamen des Herstellers. Und das ist die Deutsche Signal-Instrumentenfabrik Max B. Martin. Die traditionsreiche Firma fertigte ab 1880 in Markneukirchen (Sachsen) Rufhörner, Jagdhörner, Kavallerie-Trompeten und Fanfaren-Trompeten für zwei- oder viertönige Signale.

Berühmt wurde die so genannte Kaiserfanfare, deren Signal "bald hier, bald dort" ein Fahrzeug der kaiserlichen Familie ankündigte. In der frühen Zeit der "Automobilisten" kamen Autohupen und Feuerwehrhörner hinzu. Das waren auch die Jahre, als viele Turn- und Radfahrvereine sowie freiwillige Feuerwehren so genannte Martin-Kapellen gründeten.

Diese konnten bereits um 1905 auf 8-tönigen Martin-Trompeten, hergestellt in verschiedenen Tonlagen, anspruchsvollere Musikstücke präsentieren. 1932 entwickelte das Unternehmen zusammen mit Feuerwehr- und Polizeidienststellen ein Horn, das als Sondersignal für bevorrechtigte Wegebenutzer gesetzlich vorgeschrieben wurde ("Warnvorrichtung mit einer Folge verschieden hoher Töne"). Seit dieser Zeit besteht die geschützte Wortmarke "Martin-Horn". Das "s" als bindender Konsonant hat sich im Laufe der Jahre dazwischengemogelt.

Bis zum 2. Weltkrieg wurden diese Signalhörner für Einsatzfahrzeuge ausschließlich von der Deutschen Signal-Instrumentenfabrik hergestellt. Nach der Enteignung 1950 in Folge der Zonenteilung stagnierte die Belieferung mit Martin-Hörnern. Zum Produktionsprogramm der Firma, die 1952 ihren Sitz nach Philippsburg (zwischen Heidelberg und Karlsruhe) verlegte, gehören - unter Fachleuten ein Begriff - die Martin-Hörner Nr. 2097 GM sowie Nr. 2297 GM als 2- und 4-Trichterausführung für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge mit dem durchdringenden "tatü tata" der Frequenzen 440 und 585 Hertz.

Martin-Hörner aus deutscher Produktion werden weltweit exportiert. Neben vielen europäischen Ländern werden auch die USA, Südamerika, Australien und sogar afrikanische Länder beliefert. Marktnischen für weitere Martin-Signale bilden unter anderem Krananlagen, Pausensignale und die Nebelhörner für Schiffe. ddt

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