Waldbrände: Der Regenwald ist die beste Klimaanlage

Waldbrände : Der Wald ist die beste Klimaanlage

Ein Drittel der Landfläche auf der Erde sind Wälder. Sie speichern unser Süßwasser, sind Lebensraum für Pflanzen, Tier und Mensch und regulieren das Klima. Warum wir allen Grund haben, mit Sorge nach Brasilien zu schauen.

Die grüne Lunge unseres Planeten stirbt jeden Tag ein Stück mehr. In diesen Tagen, wo Bilder lodernder Flammen aus dem brasilianischen Regenwald um die Welt gehen, noch ein wenig schneller als bisher ohnehin schon. Eine Katastrophe. Man darf es ruhig so deutlich formulieren. Denn wenn der Wald zugrunde geht, stirbt die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tier und Mensch. Wir erklären, wie und warum alles mit allem zusammenhängt.

Die Dimensionen

Jahr für Jahr brennen Wälder auf allen Kontintenten. Nach Angaben des WWF (World Wide Fund for Nature) schrumpft die weltweite Waldfläche – das sind über vier Milliarden Hektar – pro Jahr um rund 13 Millionen Hektar. Das entspricht 35 Fußballfeldern pro Minute. Mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten leben im Regenwald. Außerdem beinhaltet ein Großteil unserer Medikamente Bestandteile tropischer Pflanzen. Und Früchte wie Avocados, Bananen, Kaffee und Kakao kaufen wir zwar im Supermarkt um die Ecke, sie haben ihren Ursprung aber in tropischen Wäldern – über 3000 verschiedene Früchte wachsen dort.

Entstehung der Brände

73.000 Feuer zählten Beobachter im Amazonas, 85 Prozent mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Die allermeisten davon wurden bewusst gelegt, um Platz zu schaffen: Platz für neue Weideflächen und für den Sojaanbau. Die besondere Trockenheit in diesem Jahr verschlimmert die Lage dramatisch. Weil der Boden durch die massive Abholzung vergangener Jahre bereits vorgeschädigt ist, kann sich das Feuer besonders schnell ausbreiten.

Der Tropenwald als eigenes Ökosystem

Der Regenwald ist nicht vergleichbar mit den hiesigen Mischwäldern. Die Baumriesen bilden gemeinsam mit unzähligen Tier- und Pflanzenarten ein eigenes, geschlossenes Ökosystem. Durch das warm-feuchte Klima gibt es im Tropenwald das ganze Jahr über Wachstum. Permanent sterben Pflanzenteile ab und verwittern recht schnell. Diese Biomasse ist Lebensgrundlage für Pilze, Bakterien und andere Kleinstlebewesen.

Der Wald als Sauerstoffproduzent

Kohlendioxid ist neben Wasserdampf das verantwortliche Gas für den Treibhauseffekt, der die Erderwärmung immer rascher vorantreibt. Pflanzen machen – einfach ausgedrückt – aus Kohlendioxid Sauerstoff. Anders gesagt: Pflanzen verwerten unseren Abfall (wir atmen Kohlendioxid aus und produzieren ihn tagtäglich in allen Lebenslagen) und wandeln ihn in lebensnotwendigen Sauerstoff um. Damit ist nahezu alles gesagt, was die Bedeutung angeht, wenn Wälder in den aktuellen Ausmaßen zugrunde gehen. Für diesen Prozess der Umwandlung (jedes Kind lernt dies unter dem Begriff der Photosynthese in der Schule) brauchen Pflanzen nur wenig: ihre grünen Bestandteile, Wasser und Licht. Neben dem Sauerstoff produzieren sie dabei Kohlenhydrate für ihren eigenen Stoffwechsel.

Der Wald als Kohlenstoffspeicher

Die zweite wesentliche Eigenschaft, die Wälder zu der Klimaanlage macht, die sie sind, ist ihre Eigenschaft, selbst ein gigantischer Kohlenstoffspeicher zu sein. Ein Drittel der Landoberfläche auf der Erde sind Wälder. Sie speichern rund die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs. Das ist weitaus mehr als die Menge an Kohlenstoff in der Atmosphäre. Tropenwälder sind hierbei besonders wichtig: Denn sie können wegen ihrer großen Biomasse 50 Prozent mehr Kohlenstoff binden, als der Rest der Wälder. Wird Tropenwald gerodet und verbrannt, wirkt sich das in zweifacher Weise verheerend auf unser Klima aus: Zum einen verschwindet der Kohlenstoffspeicher. Zum andern werden durch die Verbrennung der Bäume Massen an Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid freigesetzt.

Der Wald als Wasserspeicher

In ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher spielen tropische Wälder auch eine große Rolle bei der Verdunstung und dem weltweiten Wasserkreislauf. Die Baumriesen wandeln während der Photosynthese die auf ihre riesigen Blätterkronen einstrahlende Sonnenenergie in Wasserdampf um. Dieser wiederum kühlt die Atmosphäre. Nebenbei fungiert vor allem der Boden im immerfeuchten Tropenwald als gigantischer Süßwasserspeicher.

Verkohlte Bäume stehen in der Region Alvorada da Amazonia. Foto: dpa/Leo Correa

Der Tropenwald hat seinen Namen als grüne Lunge unseres Planeten verdient. Die Sorge und Angst vor seiner Vernichtung kann in diesen Tagen garnicht groß genug sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Verheerende Waldbrände im Amazonas-Regenwald

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