Rätsel des Alltags: Wäre Deutsch fast Landessprache der USA geworden?

Rätsel des Alltags : Wäre Deutsch fast Landessprache der USA geworden?

Düsseldorf (RP). Im Jahr 1790 lebten in den USA rund 277.000 Amerikaner deutscher Abstammung. Etwa 14.000 von ihnen in Pennsylvania, wo sie etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Hier ist auch der Ursprung der weit verbreiteten "Mühlenberg-Legende" zu suchen.

Danach stimmte das Parlament des Staates Pennsylvania um 1790 angeblich darüber ab, ob Deutsch zur offiziellen Landessprache erklärt werden sollte. Der Sprecher des Parlamentes, der Deutsch-Amerikaner Frederick Augustus Conrad Mühlenberg, soll die entscheidende Stimme für Englisch und gegen Deutsch abgegeben haben. Tatsächlich fand diese Abstimmung nie statt.

Wahr ist jedoch eine andere Geschichte, die den Kongress der Vereinigten Staaten und eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia betrifft. Diese legten am 9. Januar 1794 dem Kongress eine Petition vor, in der sie die Veröffentlichung einiger Gesetze in deutscher Fassung zur Erleichterung derjenigen Einwanderer beantragten, die noch kein Englisch gelernt hatten. Der Antrag wurde jedoch vom zuständigen Gremium mit 42 zu 41Stimmen abgelehnt. Ausgerechnet der deutschstämmige Frederick Mühlenberg soll sich der Stimme enthalten (nach einer anderen Version: die entscheidende Nein-Stimme abgegeben) und nach der Abstimmung erklärt haben: Je eher die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.

Seit 1840 wird die Mühlenberg-Legende immer wieder verbreitet. Der Grund dafür liegt wohl in der Enttäuschung, dass es der deutschen Sprache nicht gelang, eine Alltagssprache zu bleiben. Ausnahmen bilden lediglich kleine Mennoniten- und Amish-Gemeinden, die das Deutsche als Schutzschild gegen die Außenwelt konservierten. In den 1930er Jahren bekam der Mythos noch einmal neuen Aufwind, als die Nazis ihn zu Propagandazwecken nutzten.

(alfa)