Düsseldorf Vor 125 Jahren entdeckte Hertz die Radiowellen

Düsseldorf · Es lag in der Luft. Unsichtbar, geruchslos. Und dennoch messbar mit den richtigen Geräten. Und die hatte Heinrich Hertz am 11. November 1886 in Karlsruhe aufgebaut. Der junge Physiker glaubte an die Macht der Mathematik und an die Größe des menschlichen Geistes, Dinge zu erfassen, die man nicht so einfach begreifen kann. So etwas wie die elektromagnetischen Wellen.

Dass elektrischer Strom ein Magnetfeld erzeugen kann, wusste man bereits. Ebenso, dass durch ein Magnetfeld elektrischer Strom verursacht wird. Aber wie genau das vor sich geht, konnte man nicht erklären. Der britische Physiker James Clerk Maxwell hatte dafür eine Theorie erarbeitet – nämlich die Idee von elektromagnetischen Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen. Der Gedanke war, dass ein sich veränderndes Magnetfeld ein elektrisches Feld erzeugt – das sich ebenfalls verändert und dadurch wiederum ein Magnetfeld erzeugt. So würde sich die Welle quasi selbst durch den Raum ziehen. Ein wenig erinnerte das an den berühmten Esel, der eine Karotte an der Angelrute vor sich sieht und darum losläuft – immer der Karotte hinterher, die er nie erreicht.

Maxwells Vorstellung klang trotz ihrer bestechenden mathematischen Exaktheit abstrus. Zumindest für das europäische Festland, wo man von einer unmittelbaren, sofortigen Fernwirkung ähnlich wie bei der Schwerkraft ausging – statt von Wellen mit einer begrenzten Geschwindigkeit. Zumindest bis zum 11. November 1886.

Es war in Karlsruhe, als der 29 Jahre alte, hochbegabte Physiker Heinrich Rudolf Hertz zwei gerade Drahtstücke nahm. An einem Ende trugen sie jeweils Türknäufe aus Messing als Ladungsspeicher, am anderen jeweils kleine Kugeln, die sich aber nicht berührten. Vielmehr waren sie von einer – wie Hertz es nannte – "Funkenstrecke" unterbrochen. Diese Drähte setzte er über eine batteriebetriebene Spule unter Strom. Beim An- und Ausschalten kam es zu Entladungen. Hertz hatte einen Sender gebaut.

Als Empfänger hielt er im Abstand von einem Meter einen Drahtring in der Hand, der sich nicht vollständig schloss, sondern unterbrochen war – von seiner eigenen "Funkenstrecke". Jedes Mal, wenn zwischen den Drähten des Senders ein Funke übersprang, knisterte es an der Funkenstrecke des entfernten Empfängers. Offensichtlich gab der Sender unsichtbare Wellen ab, die von der "Antenne", aufgefangen wurden.

An eine Anwendung dachte Hertz nicht, als er am 13. Dezember 1888 seinen Forschungsbericht unter dem Titel "Über Strahlen elektrischer Kraft" an die Berliner Akademie der Wissenschaften sandte. Der Physiker bekam nicht mehr mit, was seine Forschung alles möglich machte und dass er die Grundlagen für Radio, Funk, Radar, Fernsehen, Handys sowie drahtlose Internet-Verbindungen gelegt hatte: Er starb am 1. Januar 1894 mit 36 Jahren an den Folgen einer Blutvergiftung, nachdem eine Kieferinfektion falsch behandelt worden war.

(RP)
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