Düsseldorf Vom Kraulen profitieren Mensch und Tier

Düsseldorf · Studien zeigen: Katzen sind beim Streicheln wählerisch. Generell gehen Zoologen inzwischen davon aus, dass Tiere mit einem Fell dem Streicheln gegenüber aufgeschlossen sind. Es erinnert sie an das Entfernen von Parasiten.

 Felltiere wie dieser Esel lassen sich gern streicheln und kraulen.

Felltiere wie dieser Esel lassen sich gern streicheln und kraulen.

Foto: dpa

Ein Tier zu streicheln entspannt und senkt den Blutdruck, einige Therapeuten sehen darin sogar eine Behandlungsoption für Autismus und Demenz. Doch wie ist die Aktion eigentlich für das Tier selbst – und wo will es am liebsten gekost werden?

Zoologen gehen mittlerweile davon aus, dass Tiere mit einem Fell generell dem Streicheln aufgeschlossen sind, weil sie es unterschwellig mit dem Entfernen von Flöhen, Läusen und anderen Parasiten verbinden. Am California Institute for Technology hat man bei Mäusen sogar spezielle Rezeptoren dafür gefunden. Wurden die Tiere dort gereizt, zeigten sie beispielsweise deutlich weniger Angstsymptome.

Katzen, Hunde und andere befellte Tiere sollten dieses Kuschel-Neuron ebenfalls besitzen, vermutet Studienleiter David Anderson. Sein Team arbeitet auch schon an der Entwicklung eines Geräts, das den Rezeptor gezielt ansprechen kann. "Damit könnte man einem Tier, das man längere Zeit alleine lassen muss, wenigstens das Gefühl geben, dass es gestreichelt wird", so der Neurobiologe.

Bleibt die Frage, ob diese Maschine auch die Unterschiede berücksichtigen kann, was die Lieblingsstreichelzonen der einzelnen Tierarten angeht. Denn hier gibt es beträchtliche Unterschiede. Am einfachsten haben es Streichelmaschine und Tierhalter noch beim Hund. Denn der hat sich im Laufe der Jahrtausende, die er bereits mit seinem menschlichen Lebenspartner teilt, daran gewöhnt, praktisch überall geherzt zu werden.

Besonders gerne hat er es allerdings dort, wo er selbst nur schwer oder gar nicht herankommt, wie etwa am Rückenansatz des Schwanzes oder unter dem Kinn und am Nacken.

Noch wichtiger ist aber, dass man gegebenenfalls darauf verzichtet, ihn zu streicheln. Beispielsweise, wenn der Vierbeiner frisst, denn dabei will er nicht abgelenkt werden; und auch wenn er eine Übung auf dem Parcours hinter sich hat, erwartet er als Belohnung nicht etwa eine Kraulattacke, sondern einen handfesten Snack.

In einer amerikanischen Studie an Hunden mit Gewitterphobie zeigte sich zudem, dass die Tiere durch Streicheln keinesfalls ruhiger werden, wenn es blitzt und donnert. Das Einzige, was sie wirklich beruhigt, ist die Anwesenheit eines Artgenossen, der völlig gelassen bleibt. Katzen dagegen haben ausgeprägte Lieblingsstreichelzonen.

Wissenschaftler der University of Massey in Neuseeland unterzogen neun Stubentiger einer konzertierten Streichelaktion, die sich – auf mehrere Tage verteilt – über insgesamt zwölf Stunden erstreckte und mehrere Körperteile erfasste. Als genussvolle Zustimmung der Tiere wurde gewertet, wenn sie sich am Menschen rieben, rhythmisch die Pfoten im sogenannten "Treteln" kreisen ließen oder die Augen schlossen und schnurrten. Als extrem katzogene Zonen entpuppte sich die Schläfenregion zwischen Augen und Ohren, danach folgten die Areale unterhalb und seitlich des Mauls. Das Kraulen am oberen Schwanzansatz wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt – was wieder einmal zeigt, wie unterschiedlich Hunde und Katzen ticken.

Studienleiterin Susan Soennichsen vermutet, dass die Miezeschläfen deshalb so streichelaffin sind, weil sich dort besonders kräftige Duftdrüsen befinden, "und wenn sich die Hand des Menschen dort aufhält, kann die Katze umgehend ihre Duftmarke darauf setzen". Pferde mögen das Streicheln am Maul, zwischen den Augen und an den Wangen, am Nacken lieben sie das kräftige Kraulen.

Allerdings sollte man nicht zu früh mit all dem beginnen. Französische und tunesische Verhaltensforscher ließen 28 Fohlen kurz nach der Geburt entweder nur links, nur rechts oder aber gar nicht streicheln. Bei einer erneuten Annäherung zehn Tage später waren die rechtsseitig gekosten Fohlen scheu und ängstlich, während sich die Linksseiter halbwegs zutraulich präsentierten. Am gelassensten waren aber die unberührten Tiere. Offenbar wirkt die menschliche Annäherung in den ersten Lebenstagen auf ein Jungpferd eher bedrohlich.

Da ist dann also eher Zurückhaltung oder zumindest taktisch-linkes Vorgehen angesagt – auch wenn es dem Homo sapiens mit seiner ausgeprägten Knuddelvorliebe für niedliche Tierbabys noch so schwer fällt.

(RP/areh)