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Experte: Vogelgrippe - Ausbruch im Frühjahr möglich

Experte : Vogelgrippe - Ausbruch im Frühjahr möglich

Berlin (rpo). Derzeit ist es um die Vogelgrippe ein wenig ruhig geworden. Mit dem Ende der Zugvögelschwärme ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung deutlich gesunken. Doch, so warnt der führende deutsche Tierseuchenexperte Thomas Mettenleiter, im Frühjahr müsse man sich auf einen Ausbruch auch hierzulande einstellen.

"Ich halte es grundsätzlich für denkbar, dass das Virus von Vogel zu Vogel überspringt und so nach Mitteleuropa gelangt. Dafür muss man gewappnet sein", sagte der Präsident des bundeseigenen Friedrich-Löffler-Instituts für Tiergesundheit der "Berliner Zeitung".

Zwar gebe es gegenwärtig keine neue Gefahrenlage und Deutschland liege auch nicht an den Hauptrouten der Zugvögel im Frühjahr. "Es kann aber passieren, dass einzelne infizierte Vögel aus Nordafrika das Virus zu uns tragen", betonte er.

Für unverändert groß hält Mettenleiter die Gefahr, dass das für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 durch Reisende oder illegale Importe eingeschleppt werden könnte. "In diesem Bereich darf und kann man keine Entwarnung geben", sagte er.

Um ein Übergreifen der Vogelgrippe nach Deutschland zu verhindern, hält der Experte eine erneute Stallpflicht für Geflügel für denkbar. "Die Option bleibt bestehen", sagte Mettenleiter. Darüber müsse im Frühjahr entschieden werden.

Die meisten anderen Vorsichtsmaßnahmen blieben in Kraft. So dürften die Tiere nur an Stellen gefüttert werden, zu denen Wildvögel keinen Zugang haben. Das Geflügel dürfe auch nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden, sagte der Experte.

Tests in der Türkei negativ

Erleichterung bei den türkischen Gesundheitsbehörden: Der Verdacht auf eine Infektion mit der Vogelgrippe bei vier Kindern hat sich nicht bestätigt. Der Tod eines 14-jährigen Jungen, der grippeähnliche Symptome gezeigt habe, sei nicht auf eine Infektion mit dem gefährlich H5N1-Erreger oder einem anderen Vogelgrippe-Virus zurückzuführen, erklärte das Gesundheitsministerium am Montag. Auch die Tests bei zwei Schwestern und einem Bruder waren demnach negativ.

"Die Erkrankungen wurden nicht von der Vogelgrippe oder einem anderen Grippevirus ausgelöst", sagte ein Mitarbeiter des Ministeriums, Turan Buzgan. Der Junge sei an einer Lungenentzündung gestorben, berichtete der Fernsehsender CNN-Turk unter Berufung auf das Krankenhaus. Die Geschwister im Alter zwischen sechs und 15 Jahren waren am Samstag mit hohem Fieber, einer Halsentzündung und Husten ins Krankenhaus von Van im Südosten der Türkei eingeliefert worden. Der 14-Jährige erlag am Sonntag seiner Krankheit. Der Zustand seiner ältesten Schwester wurde als kritisch beschrieben.

Die türkischen Behörden hatten in der vergangenen Woche erklärt, dass einige Hühner in der Ortschaft Aralik im Osten des Landes positiv auf eine Variante des H5-Erregers getestet worden seien. Die Geschwister stammten aus der Ortschaft Dogubeyazit, etwa 60 Kilometer südlich von Aralik. Sie halfen bei der Verpflegung von Hühnern auf einer Farm und aßen offenbar ein erkranktes Tier.

Zwei weitere Patienten im Alter von fünf und 35 Jahren wurden am Sonntag in dasselbe Krankenhaus eingeliefert, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Ihre Testergebnisse lagen am Montagmorgen noch nicht vor.

(afp)