Stadt muss mit Verlust des Titels rechnen: Unesco-Welterbekomitee berät über Dresdner Elbtal

Stadt muss mit Verlust des Titels rechnen : Unesco-Welterbekomitee berät über Dresdner Elbtal

Dresden/Sevilla (RPO). Wird der einzigartigen Flusslandschaft in Dresden endgültig der Unesco-Titel wegen eines Brückenbaus aberkannt? Das wird ab Dienstag das Welterbekomitee der Unesco bei seiner Tagung in Sevilla entscheiden. Dann wird das Vorgehen im Fall des Dresdner Elbtals und weiterer gefährdeter Stätten diskutiert.

Dresden steht bereits seit drei Jahren auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten. Grund ist der umstrittene Neubau der Waldschlößchenbrücke. Die Delegierten aus 21 Staaten beginnen am (heutigen) Dienstagnachmittag mit der Beratung. Es gilt als wahrscheinlich, dass Dresden den Titel verliert.

Dem Komitee liegt eine entsprechende Beschlussempfehlung des Welterbezentrums in Paris vor. Das Bauwerk verschandelt nach Ansicht von Experten eine einzigartige Flusslandschaft an einer besonders sensiblen Stelle. Die vierspurige Autobrücke entsteht in Sichtweite der historischen Altstadt. Das Welterbe-Areal umfasst insgesamt eine knapp 20 Kilometer lange Flusslandschaft. Die Entscheidung wird noch im Laufe des Dienstag erwartet, möglicherweise fällt sie aber auch erst am Mittwochvormittag.

Auf der Roten Liste stehen insgesamt 30 Stätten. Das Elbtal gilt jedoch als größter Wackelkandidat. Dresden wäre nach einem Naturerbegebiet im Oman weltweit erst die zweite Stätte, der der Titel aberkannt wird.

Trotz massiver Intervention der UNESCO war Ende 2007 mit dem Brückenbau begonnen worden. Bei seiner letzten Sitzung vor einem Jahr hatte das Welterbekomitee Dresden eine letzte Frist gesetzt und im Gegenzug einen sofortigen Baustopp verlangt. Andernfalls werde Dresden den Titel verlieren. Zugleich hatte das Gremium deutlich gemacht, dass es keine Bedenken gegen eine Tunnel hätte. Ungeachtet der Drohung hielten das Land Sachsen und die Stadtspitze an der Brücke fest.

Dresdner Oberbürgermeisterin hofft auf Aufschub

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz hofft nun dennoch darauf, dass die Entscheidung ein weiteres Mal vertagt wird. Die CDU-Politikerin will in Sevilla um einen Aufschub bis zur Fertigstellung der Brücke bitten. Erst dann werde sich zeigen, dass die Brücke kein Schandfleck in der Landschaft sei, erklärte sie.

Während Dresden die Schmach der Aberkennung droht, könnte das Wattenmeer an der Nordseeküste schon bald Welterbe sein. Deutschland hat das Gebiet nominiert. Die Beratungen über die Neuaufnahmen beginnen aber erst am Mittwochnachmittag.

(AP)