Sprachwettbewerb: "Tollpatsch" ist das beste eingewanderte Wort

Sprachwettbewerb : "Tollpatsch" ist das beste eingewanderte Wort

Berlin (RPO). Chaos, Currywurst oder Engel - diese Wörter klingen deutsch, sind es aber nicht. Ihre Wurzeln liegen aber im Tamilischen oder Griechischen. Das Goethe-Institut hat jetzt das "beste eingewanderte Wort" gekürt: Tollpatsch.

Der aus dem Ungarischen stammende Begriff setzte sich in einem Wettbewerb unter den Vorschlägen von mehr als 3500 Teilnehmern durch, teilte das Goethe-Institut am Freitag in Berlin mit. Auf Rang zwei und drei folgen die deutsch-tamilische Verbindung "Currywurst" und der aus dem Griechischen entlehnte "Engel". Bei dem Wettbewerb des Goethe-Instituts und des Deutschen Sprachrats wählte eine Jury aufgrund der Begründungen der Einsender die schönsten "Wörter mit Migrationshintergrund".

Die Siegerin begründete ihre Entscheidung für das Wort "Tollpatsch" damit, dass dieses sich auf seinem weiten Weg von Ungarn nach Deutschland die Sohlen abgelaufen habe. "Endlich am Ziel, steht das einst breitfüßige, schwerfällige Wort in deutschen Landen nur ungeschickt vor uns", heißt es in dem Vorschlag. Als "Talpas" wurden demnach im 17. Jahrhundert ungarische Fußsoldaten bezeichnet. Dieser Spitzname habe für "breitfüßig, schwerfällig" gestanden.

Der zweite Platz ging an den Einsender des Vorschlags "Currywurst". Dieser erklärte seine Vorliebe für dieses Wort so: "Ein Traumpaar: die urdeutsche Wurst lebt mit Curry in glücklicher Ehe." Beim "Engel" überzeugte die Jury die Begründung, dass dieser "lächelnd Grenzen, Kulturen und Zeiten" durchschritten habe.

Als bester Beitrag einer Schulklasse wurde der Vorschlag "Milchshake" ausgezeichnet. Die achte Klasse eines Gymnasiums nannte das Wort einen "Sprachcocktail, der aus Englisch und Deutsch geschüttelt ist und der zeigt, dass das Deutsche keine Berührungsängste mit anderen Sprachen hat." Rhetorisch fragten die Schüler, wer denn einen "Milchschüttel" trinken wolle.

Der beste Beitrag eines Jugendlichen war nach Ansicht der Jury der Vorschlag "Chaos". Ein 15-Jähriger schrieb dazu: Im Altgriechischen bedeute das Wort "leerer Raum." Am besten gefalle ihm, dass er mit dem Begriff die verschiedenen Zustände seines Zimmers beschreiben könne: "Als ich mein Zimmer im Dachgeschoss bezog, befand es sich in seinem Ursprungszustand - ein leerer Raum. In kürzester Zeit hat es sich der heutigen Bedeutung des Wortes angepasst: wüstes Durcheinander!"

Der Jury des Wettbewerbs gehörten unter anderem die Präsidentin des Goethe-Insituts, Jutta Limbach, der Komödiant Loriot, Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse und die Fernsehmoderatorin Anne Will an.

(afp)
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