Düsseldorf: Spuren von Außerirdischen?

Düsseldorf : Spuren von Außerirdischen?

Es klingt nach einer Sensation: Der NASA-Forscher und Astrobiologe Richard Hoover will Spuren von außerirdischem Leben in Meteoriten entdeckt haben. Es sollen Cyanobakterien ähnliche Lebensformen sein, die er in sogenannten kohlenstoffreichen Chondriten gefunden haben will. Das sind sehr poröse Meteoriten, die beim Eindringen in die Erdatmosphäre leicht zerfallen. Daher gibt es bislang nur neun Einschlagstellen, in denen Reste dieser mehr als vier Milliarden Jahre alten Meteoriten aus der Anfangszeit des Sonnensystems gefunden wurden.

Hoover nahm nun von drei dieser Überbleibsel Proben und untersuchte sie unter dem Elektronen-Mikroskop. Dabei entdeckte er Strukturen, die zwar Ähnlichkeiten mit irdischen Leben haben. Aber unter anderem aufgrund des geringen Stickstoff-Anteils der Proben ist er überzeugt, dass es sich "wahrscheinlich um die Überreste außerirdischer Lebensformen handelt, die auf Himmelskörpern gewachsen sind, von denen die Meteoriten ein Teil waren". Das schreibt er im "Journal of Cosmology".

Trotz seines Namens gilt das in der Wissenschaftswelt nicht als ein seriöses Medium, um solche Entdeckungen zu publizieren. Zwar behauptet das Journal, dass die veröffentlichten Arbeiten vorab von einem Gutachter geprüft werden – das ist Standard für wissenschaftliche Fachmagazine –, allerdings gab es daran schon vorher mehr als nur Zweifel in der Fachwelt.

Zudem wurde das Journal von Anhängern der Panspermie-Theorie gegründet. Wissenschaftlern also, die glauben, dass das Leben auf der Erde nicht auf unserem Planeten entstanden ist, sondern von Meteoriten auf die Erde getragen wurde. Hoovers Entdeckung passt da genau ins Bild.

Kritische Forscher haben daneben bereits eine ganze Reihe fachlicher Mängel in Hoovers Forschung gefunden: Beispielsweise fehlen Angaben, wie die Überbleibsel der Meteoriten verwahrt und Proben genommen wurden. Eine Verunreinigung kann darum nicht ausgeschlossen werden. Ebenso wenig steht in Hoovers Veröffentlichung, wie die Oberflächen der Proben vor der Untersuchung behandelt wurden. Dafür werden in der Arbeit viele Aufnahmen von irdischen Bakterien gezeigt – und im Vergleich dazu das, was Hoover als "außerirdische Fossilien" identifiziert hat. Ähnlichkeiten zwischen den Bildern sind für ihn ein Indiz dafür, dass es sich um Lebensformen handelt. Allerdings können auch anorganische Prozesse für solche Strukturen verantwortlich sein.

Dann präsentiert Hoover noch Analysen der atomaren Zusammensetzungen. Das Ergebnis: Viel Kohlen- und Sauerstoff, wenig Stickstoff und Phosphor. Eine Zusammensetzung, die sich von allen bekannten Mineralien-Arten unterscheide. Und das spreche für eine außerirdischen Ursprung. Allerdings könnten dafür auch biologische, irdische Prozesse verantwortlich sein. Das "Journal of Cosmology" will nun Hoovers Arbeit noch von 100 Astrobiologen prüfen lassen.

Die NASA selbst hält sich mit Aussagen zu Hoovers Ergebnissen zurück. Vermutlich möchte man eine ähnliche Peinlichkeit wie Ende vergangenen Jahres vermeiden, als unter dem Namen der NASA irdische Bakterien präsentiert wurden, die sich von allen bekannten Lebensformen unterscheiden sollten – weil sie angeblich hochgiftiges Arsen aufnehmen und in Moleküle einbauen. Die Entdeckung wurde binnen nur einer Woche von der Fachwelt als fehlerhaft verrissen.

Auch die Entdeckung von fossilen Spuren außerirdischen Ursprungs ist nicht neu: 1996 fanden NASA-Wissenschaftler im Meteoriten ALH 84001, der in der Antarktis entdeckt wurde und vom Mars stammt, Spuren, die angeblich von Bakterien unseres Nachbarplaneten herrühren. Bestätigt ist das bis heute nicht.

Online Die Arbeit von Richard Hoover findet man im Internet unter: journalofcosmology.com/Life100.html

(RP)
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