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Düsseldorf: Später Frühling lässt Pollen explodieren

Düsseldorf : Später Frühling lässt Pollen explodieren

Die Pollenwelle rollt – aber sie wird nicht in allen Regionen gleich heftig zuschlagen. Experten erwarten, dass vor allem Birken- und Eschenpollen den Heuschnupfenpatienten große Probleme bereiten werden.

Zurücklehnen und durchatmen: Der lange Winter ist wohl vorbei. Für die nächsten Tage sind steigende Temperaturen angesagt. Doch für Heuschnupfenpatienten könnte es dann schwierig werden mit dem Durchatmen. Denn sie müssen mit einer Pollenwelle rechnen. Der lange Winter, der auch nicht von sonderlichen Wärmeperioden unterbrochen wurde, versetzte viele Bäume in eine Art Kältestarre. Hasel und Erle schicken zwar schon seit dem Januar ihre Pollen übers Land, doch die anderen Frühblüher halten sich noch zurück. Sie tragen zwar meistens schon Blütenknospen, doch die sind in der Regel noch zu.

Experten erwarten, dass vor allem Birken- und Eschenpollen den Heuschnupfenpatienten große Probleme machen werden. Gerade mit der Birke könne es, warnt Medizin-Meteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst, "ganz schnell gehen, wenn es plötzlich warm wird". Auch die Rotbuche kann jetzt für Pollenallergiker zum Problem werden. Denn sie blüht genau dann, wenn ihre Blätter kommen, also bereits im April – und sie gehört gerade in stadtnahen Wäldern zu jenen Bäumen, die einen ganzen Forst dominieren können. Zu den Frühblühern gehören außerdem Ulme und Weide, wobei Weidenallergiker in der Regel auch übersensibel auf den Blütenstaub der Pappel reagieren, die ja ebenfalls zu der Familie der Weidenbäume gehört.

Karl-Christian Bergmann vom Allergiezentrum der Berliner Charité geht davon aus, dass der Pollenflug in den nächsten Tagen deutlich zunehmen wird. Wenn auch nicht auf einen Schlag und an allen Orten Deutschlands in gleicher Heftigkeit. Denn die Bäume stünden ja an sehr unterschiedlichen Wetterecken: "Manche Birken stehen im Schatten, andere kriegen viel Sonne ab", so der Allergologe. Zudem spielt auch der Wind mit. Wenn es nämlich keine Luftbewegungen gibt, fallen Pollen ganz einfach nur wie ein Apfel auf die Erde, ohne jemals auf eine Allergikernase zu treffen. Von einer kurzfristigen Rückkehr der Kälte sollte man dagegen keine Linderung erwarten. Im Gegenteil!

Laut einer aktuellen Studie der Universitätsklinik im belgischen Leuven reagieren die Nasenschleimhäute von Heuschnupfenpatienten sogar extrem empfindlich auf Kaltluft. Sie niesen dann zwar nicht öfter als sonst, aber sie leiden stärker unter einer verstopften Nase, was sich durchaus zu ernsthaften Atemproblemen ausweiten kann. Gerade Pollenallergiker sollten also vorsichtig sein, wenn der Frühling mal eine Kältepause einlegt. Und dies gilt auch für Regen. Denn der spült zwar den Blütenstaub in Richtung Boden, doch dort wird er durch den Aufprall und die niedergehenden Wassertropfen so zerschmettert, dass die Allergene aus dem Polleninnern ungehindert nach außen gelangen.

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In vegetationsarmen Großstädten sollten sich Heuschnupfenpatienten ebenfalls nicht in Sicherheit wiegen. Zwischen Häusern und Straßen wachsen zwar weniger Bäume als auf dem Land, doch dafür machen die Luftschadstoffe den Blütenstaub aggressiver. Wissenschaftler der Technischen Universität München verglichen kürzlich die Pollen von Großstadtbirken mit denen von Bäumen, die jenseits vom Straßenverkehr in freier Natur standen. Das Ergebnis: Der belastete Blütenstaub setzte dreimal so viele Allergene frei. Ganz zu schweigen davon, dass Großstadtsmog auch die Schleimhäute reizt und die Immunabwehr in einen permanenten Alarmzustand versetzt, so dass sich insgesamt die Allergieneigung verstärkt.

Doch wenigstens eine Gruppe von Heuschnupfenpatienten muss sich aktuell noch keine besonderen Sorgen machen: die Gräserallergiker. Ihre "Zeit" kommt vermutlich erst im Mai. Doch spätestens im August kann es dann für sie ebenfalls heftiger werden als sonst. Denn Frankfurter Forscher haben kürzlich ermittelt, dass die ursprünglich im Mittelmeer heimische Beifuß-Ambrosie immer weiter nach Norden vordringt. Ursache dafür ist einerseits der Klimawandel, andererseits aber auch kontaminiertes Vogelfutter und Saatgut aus Mitteleuropa. Das besonders Problem der Ambrosie besteht nicht nur darin, dass ungefähr jeder fünfte Bundesbürger allergisch auf sie ist. Sondern vor allem darin, dass sie, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund warnt, als besonders gefährlich einzustufen ist, "weil sie schon mit relativ wenigen Pollen eine starke Reaktion auslösen kann". Von ihr reichen bereits sechs bis zehn Pollen auf einen Kubikmeter Luft, um beim Allergiker mittelheftige Reaktionen hervorzurufen – von anderen Gräsern bräuchte man dafür fünfmal so viel.

(RP)