Fluchende Kinder konsequent ermahnen: "So was sagt man nicht"

Fluchende Kinder konsequent ermahnen : "So was sagt man nicht"

Mainz (RPO). Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes gewöhnen sich viele Eltern Kraftausdrücke ab. Wenn das Kind dann aber in den Kindergarten kommt, müssen sie oft feststellen, dass manche Kindergartenkinder ihnen beim Fluchen haushoch überlegen sind. Und auch das eigene Kind fängt plötzlich an, mit "bösen Wörtern" zu experimentieren.

"Mit einem Schimpfwort können Kinder sich kraftvoll ausdrücken und deutlich machen, dass es jetzt ernst wird", erklärt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, die kindliche Faszination für Kraftausdrücke. Es sei normal und grundsätzlich unbedenklich, wenn Kinder sich irgendwann einmal im Fluchen übten.

Er empfiehlt Eltern, sich erst einmal zu überlegen, ob das Schimpfwort nun wirklich so schlimm ist, dass man mit dem Kind darüber sprechen müsste. "Manchmal ist es auch so, dass die Eltern eher irritiert sind, dass sich ihr Kind anders verhält als früher, weil es sich ein Stück weit abgenabelt hat", gibt der Diplom-Psychologe aus Mainz zu bedenken.

Toleranz hat ihre Grenzen

Bei diskriminierenden Wörtern, die beispielsweise Frauen oder Ausländer verunglimpfen, hat die Toleranz selbstverständlich ihre Grenzen. Eltern sollten hier deutlich zeigen, dass sie mit einer solchen Ausdrucksweise nicht einverstanden sind. "Man kann das Kind beispielsweise fragen, wie es sich fühlen würde, wenn es von anderen wegen seiner Zahnlücke ausgelacht wird", schlägt Gerth vor. So könne man ihm verständlich machen, dass man mit Menschen nicht so umgehen dürfe.

Um inakzeptable Schimpfwörter auf Dauer aus dem kindlichen Sprachgebrauch zu verscheuchen, hilft nur Konsequenz. Wichtig ist, dass man das Kind immer wieder auf seine Ausdrucksweise aufmerksam macht. "Man sollte das Kind jedes Mal darauf hinweisen, wenn es das Schimpfwort wieder gesagt hat, und noch einmal betonen, dass man solche Ausdrücke nicht hören möchte", sagt Gerth. Dabei sollte man aber ruhig bleiben und sich nicht mehr rechtfertigen, um die Situation nicht noch interessanter zu machen.

Werden Eltern von ihren Kindern beschimpft, sollten sie sich das nicht gefallen lassen. "Eine strenge Ermahnung ist hier angebracht. Weitergeredet wird nur, wenn sich der Ton ändert - das sollte klar sein", sagt Gerth. Man könne dem Kind durchaus zeigen, dass man sich von ihm beleidigt und verletzt fühle - auch wenn ihm die starke Bedeutung seiner Wortwahl noch nicht bewusst gewesen war.

(DDP)
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