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Colorado: Rote Korrektur-Tinte mindert das Ansehen des Lehrers

Colorado : Rote Korrektur-Tinte mindert das Ansehen des Lehrers

Wer auf ein gutes Verhältnis mit seinen Schülern baut, sollte lieber auf blaue Tinte umsteigen.

Jeder erinnert sich an die Korrekturen von Hausaufgaben, Klassenarbeiten und Vokabeltests, die mit roter Farbe vom Lehrer vorgenommen worden sind. Die Emotionen, die ein Schüler dabei empfindet, sind sicher abhängig von der Gesamtnote. Doch auch die Farbe der Tinte hat einen Einfluss auf das Empfinden: Lehrer, die rote Farbe benutzen, werden von den Schützlingen weniger gemocht als Lehrer, die Blau oder Grün für die Korrekturen wählen.

Dies haben die Soziologen Richard Dukes und Heather Albanesi von der University of Colorado nun wissenschaftlich belegt. An ihrer Studie nahmen 199 Studenten mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren teil. Sie sollten Aufsätze zum Thema "Soziale Schichten" lesen, zu denen ein fiktiver Student Fragen beantwortet hatte, die wiederum von einem fiktiven Lehrer bewertet worden waren. Die eine Hälfte der Texte hatte eine gute Qualität und wurde mit positiven Kommentaren und der Note eins minus bewertet. Die andere Hälfte wurde stark kritisiert und mit drei plus bewertet. Was die 199 Probanden nicht wussten: Eine Gruppe erhielt die Korrekturen in roter, die andere in blauer Farbe.

Die Probanden mussten im zweiten Teil des Tests bewerten, wie stark ihrer Ansicht nach bestimmte Merkmale bei dem fiktiven Lehrer ausgeprägt waren, die als wichtig für einen guten Unterricht gelten: Wissen und Organisationstalent auf der technischen Seite sowie Sympathie, Enthusiasmus und ein harmonisches Verhältnis zu den Studenten auf der eher persönlichen Seite.

Es zeigte sich, dass die Farbe des Korrekturstifts vor allem die Einschätzung des Verhältnisses zwischen Lehrer und Studenten beeinflusste. Die Testteilnehmer, die die roten Kommentare gesehen hatten, bewerteten das Verhältnis als deutlich schlechter als diejenigen, deren Aufsätze die blauen Kommentare enthielten. Die anderen Werte unterschieden sich dagegen kaum zwischen den beiden Gruppen. Auch war es egal, wie gut die Aufsätze bewertet worden waren.

Die Soziologen gehen davon aus, dass Rot Assoziationen wie Gefahr, Aggressivität und Wut, aber auch Liebe, Schuld und Leidenschaft weckt. Die Farbe ist emotional stark aufgeladen. Die rote Tinte hat einen ähnlichen Effekt, wie Großbuchstaben: Der Autor schreit den Leser förmlich an – was zu Ungunsten des persönlichen Verhältnisses geschieht. Lehrer tun also gut daran, ihre Korrekturen künftig in Grün oder Blau zu schreiben, wenn die Schüler sie mögen sollen.

(RP)