1. Panorama
  2. Wissen

Düsseldorf: Reiche Kirchenfrauen und ihr Einfluss

Düsseldorf : Reiche Kirchenfrauen und ihr Einfluss

Zu Beginn des Christentums gab es Diakoninnen. Im Mittelalter bestimmten Fürstäbtissinnen kirchliche Entscheidungen mit.

Frauen nehmen in der Katholischen Kirche seit deren Ursprüngen eine wichtige Rolle ein. Und nicht nur im Hintergrund. Neben karitativen Aufgaben wie Armenfürsorge übten sie in der frühen Kirchengeschichte auch Leitungsfunktionen in den Gemeinden aus.

Bis ins dritte Jahrhundert gab es Diakoninnen in der Kirche. Zwar übernahmen sie nicht den Dienst am Altar. Sie leiteten aber geistliche Rituale oder predigten vor der Gemeinde. Ob das Diakonat für Frauen ein Weiheamt war, ist historisch nicht belegt. Wahrscheinlicher ist, dass die Bezeichnung aus dem Tätigkeitsfeld der Diakonie (griechisch für Dienst) abgeleitet wurde - zumal sich die Ämterstruktur in der Kirche erst entwickelte.

Dass es einflussreiche Diakoninnen schon zur Zeit des Neuen Testamentes gab, belegt der Römerbrief. Dort ist von der Diakonin Phoebe die Rede (Röm 16,1-2), die in der Gemeinde von Kenchreä nicht näher beschriebene Dienste übernommen hat. Bis ins dritte Jahrhundert hinein tauchen in Briefen von Bischöfen und Kirchenmännern Diakoninnen auf. Die meisten waren offenbar gebildete Frauen, oft aus wohlhabenden Häusern, die auch die theologische Gestaltung der frühen Kirche beeinflussten.

Erst als das Diakonat zur Durchgangsweihe auf dem Weg zum Priesteramt wurde, verschwanden die Diakoninnen aus der Katholischen Kirche. Bis heute gibt es das Amt nicht, auch wenn es immer wieder Diskussionen über eine Einführung gibt. Kirchenrechtlich ist das Diakonat eine Weihe, die einen Laien zum Kleriker macht, und bleibt Frauen bisher vorenthalten.

Doch auch nach der Zeit der Diakoninnen gab es immer wieder Frauen mit großem Einfluss auf die Ämter der Katholischen Kirche. Katharina von Siena, geboren 1347, galt bereits zu Lebzeiten als große Kirchenlehrerin. Die italienische Mystikerin, die ihr Leben nach mehreren Christus-Visionen Gott widmete, prangerte immer wieder öffentlich den Sittenverfall im Klerus an und rief den Papst zu Reformen auf. "Im Garten der Kirche müssten die faulenden Pflanzen ausgerissen und durch frische, duftende neue Pflanzen ersetzt werden", lautet ein Reformaufruf der Kirchenlehrerin. Später stand sie Papst Gregor XI., den sie durchaus auch kritisierte, sogar beratend zur Seite und konnte ihn dazu bewegen, das päpstliche Exil in Avignon zu verlassen und wieder nach Rom zu gehen.

  • Das Hubble-Weltraumteleskop (Archiv).
    Neustart gescheitert : Hubble-Weltraumteleskop seit mehreren Tagen außer Betrieb
  • Anja Karliczek (r,), Bundesforschungsministerin, Markus Rex
    Erkenntnisse der „Mosaic“-Expedition : So schnell zog sich die Arktis noch nie zurück
  • Im Gewächshaus in der Antarktis forschen
    Forschung für den Weltraum : In der Antarktis wächst frisches Gemüse für die Reise zu Mond und Mars

Ähnlichen Einfluss nahm die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) auf das Kirchenleben ihrer Zeit. Die Dichterin schrieb Visionen nieder und erklärte so ihre theologischen und philosophischen Lehren. Glaubenslehre, Ethik und Moral thematisiert von Bingen in ihren drei großen Werken, die bei Klerikern und gebildeten Laien angesehen waren. Auch in theologische Streitigkeiten in Rom mischte sich die Ordensfrau ein. Dabei schreckte sie vor Kritik an Bischöfen und anderen Kirchenlehrern nicht zurück. Den damaligen König und späteren Kaiser Barbarossa (Friedrich I.) soll sie beraten haben.

Es kommt nicht von ungefähr, dass es Ordensfrauen oder Stiftsdamen waren, die im Mittelalter zu Bedeutung in der Katholischen Kirche kamen. Klöster und Stifte boten Frauen damals die Chance zur Bildung und zu eigenen theologischen und weltlichen Überlegungen. So hatten sie die Möglichkeit, sich in der von Männern beherrschten Welt ein Stück weit zu emanzipieren. Da viele Nonnen und vor allem Stiftsdamen, die sich nicht an die Regeln eines Ordens halten mussten, aus adeligen Familien stammten, hatten sie zudem gute Kontakte in die gelehrte Gesellschaft.

Besonders große Macht hatten die Fürstäbtissinnen, wie die des Stifts Essen. Sie wurden von den Stiftsdamen demokratisch gewählt und waren von 1216 bis 1802 gleichzeitig Landesherrin und hatten einen Sitz mit Stimmrecht im Reichstag. In Essen lebten zeitweise bis zu 13 000 Menschen auf den Gebieten des Stifts. In diesem Bereich erließen die Äbtissinnen nicht nur Gesetze und Steuern, sondern übten auch eine quasi-bischöfliche Macht aus. Sie setzten in ihren Pfarrbezirken Priester ein, steuerten das gesamte Kirchenwesen und übten die volle kirchliche Gerichtsbarkeit aus.

(RP)