Prominente Gäste bei der Phil. Cologne

Festival Phil.Cologne : Jetzt denken sie wieder!

Zum 7. Mal findet jetzt in Köln das Festival der großen Denker statt: mit 50 Veranstaltungen auf der Phil.Cologne vom 3. bis zum 9. Juni.

Na ja, das scheint ein ziemlich finsteres Denker-Festival zu werden, dessen Auftaktveranstaltung mit dem Raunen angekündigt wird: „Es gab eine Zeit, da glaubte man an die Zukunft ...“ Doch wer die Denker im allgemeinen und das Kölner Philosophen Treffen – das übrigens schon zum siebten Mal stattfindet – kennt, weiß oder ahnt, dass es so pechrabenschwarz nicht zugehen wird. Dort wird immer vieles anders, als man sich es zuvor dachte, und genau das ist das spannende an der Phil.Cologne. Vom 3. bis 9. Juni wird es insgesamt 50 Debatten-Veranstaltungen, davon allein 20 für Kinder und Jugendliche. Dieses Sonderprogramm ist mit den Jahren immer umfänglicher geworden und wird inzwischen unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Inszenierung fast aller Veranstaltungen ist denkbar simpel, wie selbst Programmchef Tobias Bock empfindet: zwei oder drei Menschen auf der Bühne, die 90 Minuten über ein Thema reden. Keine Frage: Das Spektakel spielt sich dann in den Reden der Denker und den Köpfen ihrer Zuhörer ab. Einfach, aber erfolgreich: In den vergangenen Jahren kamen jeweils knapp 10.000 Besucher zur Phil.Cologne.

Das Erfolgsrezept sind also schlicht und einfach die sogenannten Wortführer.  Und die Liste der angekündigten lässt manches hoffen – wenn beispielsweise Robert Habeck mit Harald Welzer darüber sprechen und streiten wird, was in dieser Welt alles anders sein könnte. Herfried Münkler wird kommen und Eva Illouz, Thea Dorn ist da und Ulrich Ott, Markus Gabriel, Reinhard Meckel und Bernhard Schlink und Jürgen Wiebicke, aber auch der Düsseldorfer Tanzchef Martin Schläpfer, der sich mit Marco Wehr über die Bewegung des Lebens unterhalten und dabei vielleicht auch die Philosophie des Tanzes formulieren wird.

Viele andere Debatten versuchen das abzubilden, was aktuell die Menschen bewegt: die Trennung zwischen Gut und Böse, die genetische Optimierung des Menschen, unser selbstbestimmtes Leben, aber auch der Fußball, der Aufstieg von Intoleranz in unserer Gesellschaft und die herzzerreißende Frage, warum Liebe manchmal endet.

Irgendwann gewinnt beim Durchblättern des Programms den Eindruck, dass in diesen paar Tagen fast alle, die etwas wirklich zu sagen, über fast alles, über das sich zu reden lohnt, sprechen und streiten werden. Es geht bei der Meinungsbildung dort eben etwas langsamer zu als in Youtube-Videos.

Man habe in der fünfköpfigen Programmredaktion nach den Worten von Tobias Bock auch darauf geachtet, gewissermaßen „gelenkige Denker und Gäste“ einzuladen. Die Zuhörer der Phil.Cologne sind es traditionell sowieso. Aber gibt es denn auch einen Philosophen, der im Programm fehlt oder vermisst wird oder den die Kölner eigentlich immer schon einmal haben wollten? Da muss Tobias nicht lange überlegen, auch wenn seine Antwort dann doch ein wenig unüberlegt ist: Immanuel Kant! Geschenkt, den will vielleicht jeder, leider weilt er seit 1804 nicht immer unter den Lebenden. Dann vielleicht Noam Chomsky. Der wäre als Gast durchaus machbar, aber dann in absehbarer Zeit angesichts seines Alters von 90 Jahren. Sein Auftritt könnte ja eine Aufgabe für die achte Phil.Cologne im kommenden Jahr sein.

Wer in diesem Jahr dabei sein möchte, hat gute Chancen noch Karten zu bekommen. Unter anderem sind zu den folgenden Veranstaltungen nach Auskunft des Veranstalters Restkarten verfügbar:

Dienstag, 4. Juni: „Dürfen wir uns genetisch optimieren?“ Mit Peter Dabrock & Reinhard Merkel, Comedia Theater Grüner Saal, 18 Uhr
„Die Geschichte von Gut und Böse“ Mit Bernhard Schlink & Tobias Rosefeldt, WDR Klaus-von Bismarck-Saal, 18 Uhr
„Wer versteht Fußball? Mit Christoph Biermann, Thomas Broich & Joti Chatzialexiou, Altes Pfandhaus, 21 Uhr
Mittwoch 5. Juni: „Bewegung des Lebens – zu einer Philosophie des Tanzens“ Mit Martin Schläpfer & Marco Wehr, Altes Pfandhaus, 21 Uhr

Donnerstag 6. Juni: „Warum Liebe endet“ Mit Eva Illouz, WDR Klaus-von Bismarck-Saal, 19 Uhr

Freitag, 7. Juni: „Brauchen wir eine neue sexuelle Revolution?“ Mit Salomé Balthus & Claus-Steffen Mahnkopf, Comedia Theater Grüner Saal, 20.30 Uhr

Samstag 8. Juni: Wie Sprache unser Denken bestimmt; mit Elisabeth Wehling, Börsensaal der IHK, 19 Uhr

Sonntag 9. Juni: „Die neue Aufklärung. Woran kann man heute noch glauben?“ Mit Jördis Triebel und Lars Rudolph, Mathias Greffrath, Annette Schavan, Michael Hampe, Quichotte und Mike Herting, WDR Klaus-von Bismarck-Saal, um 20 Uhr

Weitere Infos unter
www.philcologne.de

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