Rom: Papst hält Umdenken bei Zölibat für möglich

Rom: Papst hält Umdenken bei Zölibat für möglich

Auf dem Rückflug von seiner Reise in den Nahen Osten sprach der Papst noch einmal über drängende Themen der Kirche. Kindesmissbrauch sei eine "schwarze Messe", die "Null Toleranz" verdiene. Opfer hat er zum Gespräch geladen.

Es sind vor allem starke Bilder, die von der Papstreise in den Nahen Osten in Erinnerung blieben. Etwa, als Franziskus spontan am israelischen Schutzwall gegen die Palästinenser betete oder sich vor sechs Shoah-Überlebenden in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte verbeugte und ihnen die Hand küsste.

Am Ende, als er sich auf dem Rückflug von Tel Aviv nach Rom den Fragen der mitreisenden Journalisten stellte, sprach der Papst noch einmal deutliche Worte. Angesprochen auf das Thema Kindesmissbrauch durch Geistliche, sagte er: "Das ist wie eine schwarze Messe". Ein Priester, der ein Kind missbrauche, "verrät den Körper des Herrn" und verursache bei seinem Opfer lebenslange Schäden. "Das ist sehr schlimm", sagte der Papst. Er kündigte "Null Toleranz" an und versprach außerdem, es werde "keine Privilegien" geben. Gegen drei Bischöfe, deren Namen der Papst nicht nannte, werde kirchenintern ermittelt, einer sei bereits verurteilt. Ob die Bischöfe wegen aktiven Missbrauchs oder Vertuschung belangt werden, ist nicht bekannt.

  • Kirche erarbeitet Schutzkonzept : Null Toleranz gegen Übergriffe

Der Papst kündigte außerdem an, kommende Woche mit einer Gruppe von Missbrauchsopfern, darunter auch zwei Deutschen, für eine Messe im vatikanischen Gästehaus Santa Marta und ein anschließendes Gespräch zusammen zu kommen. Es wäre das erste Treffen dieser Art für den Papst nach seinem Amtsantritt im März 2013. David Clohessy vom US-Opferverband Snap kritisierte den Termin als "PR-Coup", der "den Kindern nicht zugute kommt und keine echte Reform in der skandalumwitterten Kirchenhierarchie bewirken wird". Franziskus habe auf einigen Gebieten bewiesen, dass er für Veränderung sorgen kann. Für das Thema Missbrauch gelte dies aber nicht. Auch der UN-Kinderrechtsausschuss in Genf hatte dem Vatikan vor Wochen vorgeworfen, Missbrauch durch Priester weiterhin zu vertuschen. Insbesondere wurde bemängelt, dass der Vatikan Täter nicht an die staatliche Justiz überstelle und in vielen Fällen schützend vor die betroffenen Geistlichen stelle.

Franziskus ging auch auf andere umstrittene Themen ein. Über den Zölibat sagte er: "Das ist kein Dogma des Glaubens, sondern eine Lebensregel, die ich sehr schätze und für ein Geschenk für die Kirche halte." Weil es sich aber eben nicht um ein Dogma handelte, sei "immer eine Türe offen". Der Papst gab damit zu verstehen, dass er die Abschaffung des Zölibats vorerst nicht anstrebe, ein Umdenken in Zukunft aber möglich sei. In der orthodoxen Kirche, die Franziskus in einigen Fragen für vorbildlich hält und dessen Oberhaupt Patriarch Bartholomaios er in Jerusalem traf, dürfen Priester heiraten. Von Bartholomaios ließ sich Franziskus eine Episode bestätigen, die den Papst offenbar nachhaltig beeindruckt hat. Bartholomaios' Vorgänger Athenagoras habe Pius VI. 1964 bei deren Treffen in Jerusalem im Hinblick auf die Ökumene gesagt: "Schicken wir alle Theologen auf eine Insel und schreiten gemeinsam voran!" Insider erkennen darin auch ein Programm des argentinischen Papstes, der wenig für theologische Spitzfindigkeiten übrig hat.

(RP)
Mehr von RP ONLINE