Neuss: Neuss: Shakespeare-Festival eröffnet stimmungsvoll mit Senta Berger

Neuss : Neuss: Shakespeare-Festival eröffnet stimmungsvoll mit Senta Berger

Schon in den ersten Minuten macht Senta Berger deutlich, dass sie sich nicht im Mittelpunkt sieht. Zweifellos sind die meisten Zuschauer im Neusser Globe ihretwegen gekommen, aber die prominente Schauspielerin zeigt mit einer feinen Geste, dass dieser Abend nicht ihr allein gehört. Einzeln, mit Namen auch der Instrumente, die sie spielen, stellt die 72-Jährige gleich zu Vorstellungsbeginn die fünf Musiker der Capella Monacensis vor, die mit ihr den Auftakt des 24. Shakespeare-Festivals gestalten.

"With Shakespeare in Love – Sonette für die Dark Lady" ist der Titel der eineinhalbstündigen Rezitation, die in dieser Form auch eine Erstaufführung ist. Senta Berger hat das Programm mit den Sonetten, die um 1590 entstanden sind, zwar vor zwei Jahren schon mit dem Bayerischen Rundfunkorchester aufgeführt; das aber passte auf keinen Fall ins kleine Globe von Neuss. So kam das Lautenensemble um den musikalischen Leiter Hans Brüderl ins Spiel.

Und vielleicht ist ein Kammer–ensemble sogar die bessere Wahl für das Programm. Für das Globe trifft das auf jeden Fall zu, denn der ab–gedunkelte Raum, die große Nähe zur Bühne mit den Künstlern schaffen eine wohnzimmerähnliche, private Atmosphäre.

In schlichtem schwarzen Anzug steht Senta Berger an einem Lesepult, pfeilgerade und doch nicht steif, nur Stimme und Mimik einsetzend. Gelegentlich hebt sie mal sanft die Hand, nimmt sich ansonsten zurück – und ganz und gar, wenn die Musiker spielen. Da ist sie ähnlich bewundernde Zuhörerin wie alle anderen in dem Rundbau. Vor allem, wenn Flötistin Elisabeth Wirth spielt.

Harmonisch und stilsicher finden sich Sonette und die Werke etwa von Henry Purcell (1659–1695), Jakob van Eyck (1590–1657) oder Nicola Mattheis (um 1670– nach 1714) zusammen. Natürlich sind sie nummernähnlich aufgereiht, aber sie sind eben auch mit Geschichten aus Shakespeares Zeit und Leben so gut verwoben, dass der Abend zu einem Hörstück wird. Da geht es nicht nur um den Dichter, sondern auch um den Menschen. Die Musik versetzt ins elisabethanische Zeitalter und malt aus, was Senta Bergers wunderbar modulierende Stimme zuvor in Worten entstehen ließ. Zumal da die Übersetzung der Sonette von Christa Schuenke so nah wie möglich und so frei wie nötig spiegeln, mit welch starken Gefühlen Shakespeare vom Liebesleid zu dieser unbekannten "Dark Lady" spricht.

Wer sie gewesen sein mag; ob aus den Sonetten tatsächlich ein liebender Shakespeare spricht oder nur der Auftragsdichter – Senta Berger spekuliert ähnlich wie Hunderte anderer Menschen vor und vermutlich auch nach ihr. Natürlich können diese Sonette auch "gut bezahlte Mitteilungen" im Auftrag eines anderen sein, sagt sie, aber wie viel schöner ist doch die Vorstellung, dass der große Dichter eine eigene Liebe, die eines älteren Mannes zu einer jungen Frau, in rhythmische Verse gebracht hat. "Ich will's glauben", sagt sie lächelnd. Und wer ihr zuhört, der glaubt es auch. Gerne.

(RP)
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