Akropolis-Museum eröffnet: Neuer Tempel für Athen

Akropolis-Museum eröffnet : Neuer Tempel für Athen

Athen (RP). Einige der größten Kunstschätze der griechischen Antike werden in dem neu eröffneten Museum an der Akropolis in prachtvollem Rahmen präsentiert. Die am besten erhaltenen Teile des Parthenon-Figurenschmucks fehlen – sie sind in London. Die Griechen wollen das nicht hinnehmen.

Athen (RP). Einige der größten Kunstschätze der griechischen Antike werden in dem neu eröffneten Museum an der Akropolis in prachtvollem Rahmen präsentiert. Die am besten erhaltenen Teile des Parthenon-Figurenschmucks fehlen — sie sind in London. Die Griechen wollen das nicht hinnehmen.

Götter und Helden stiegen von ihren Sockeln und bewegten sich in digitaler Animation am Athener Nachthimmel — die Eröffnung des neuen Akropolis-Museums war ein rauschendes Fest mit Prominenz aus ganz Europa. Die griechischen Gastgeber ließen aber auch nicht die Gelegenheit aus, vor der ganzen Welt von Großbritannien die Rückgabe der im Britischen Museum ausgestellten Parthenon-Figuren zu fordern.

Zur Einweihung des vom französisch-schweizerischen Architekten Bernard Tschumi entworfenen Museums kamen rund 400 Gäste, darunter EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und der Generaldirektor der UN-Kulturorganisation Unesco, Koichiro Matsuura, sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs. Britische Regierungsvertreter nahmen nicht an der Veranstaltung teil. Die deutlichsten Worte des Abends gingen dennoch an die Adresse Londons.

"Einige fehlen"

Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias verwies darauf, dass die Monumente der Akropolis "Identität und Stolz" der Griechen symbolisierten. Jetzt, da das neue Museum eröffnet sei, sollten auch die in London seit mehr als 200 Jahren ausgestellten Figuren zurückkehren. "Die ganze Welt kann jetzt die wichtigsten Figuren des Parthenons zusammen sehen", sagte Papoulias. "Einige fehlen. Es ist an der Zeit, die Wunden des Monuments zu heilen und die Marmorfiguren zurückzugeben."

Das Parthenon — der Haupttempel auf der Akropolis — stammt aus der Blütezeit der attischen Demokratie, er wurde zwischen 447 und 432 vor Christus erbaut. Das prachtvolle Gebäude war mit einem umlaufenden Figurenfries (hinter der Säulenreihe) und zwei mit Figurengruppen gestalteten Giebelfronten (am Ostgiebel befand sich eine Darstellung der Geburt Athenas, der Westgiebel zeigte ihren Kampf mit Poseidon) ausgestattet.

Symbolische Aussöhnung

Der Parthenon war bis zu einer Explosion im Jahr 1687 weitgehend intakt geblieben — die Machthaber des Osmanischen Reiches hatten das Gebäude zu einem Munitionslager degradiert. Schweren Schaden am Figurenschmuck hatten zudem viele Jahrhunderte zuvor christliche Eiferer angerichtet. Als eine Art symbolische Aussöhnung mit dieser Bilderstürmerei entzündeten ranghohe Geistliche der Griechisch-Orthodoxen Kirche Weihrauchkerzen in dem neuen Museum.

Etwa die Hälfte der nach all diesen Wirren verbliebenen Figuren ließ der britische Lord Elgin zwischen 1801 und 1804 aus Athen nach Großbritannien bringen. Das Britische Museum lehnt ihre Zurückgabe bis heute mit der Begründung ab, es habe die Figuren rechtmäßig von Elgin gekauft. Zudem seien sie in London bei freiem Eintritt zugänglich. Eine Sprecherin des Britischen Museums, Hannah Boulton, sagte: "Ich denke, sie gehören uns allen. Wir sind heutzutage alle globale Bürger."

Etwa die Hälfte der Marmor-Dekorationen des Parthenon-Tempels sind jetzt im Akropolis-Museum ausgestellt, darunter Skulpturen, Inschriften und Säulen. Von dem berühmten Parthenon-Fries befinden sich rund 40 Platten in Athen, 56 im British Museum. Griechenland bemüht sich seit 36 Jahren um ihre Rückgabe.

(RP)
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