Neue Sensoren sollen Verschüttete finden helfen

Neue Sensoren sollen Verschüttete finden helfen

Freiburg (RP) Nach einem Erdbeben stehen Katastrophenhelfer oft machtlos vor den Trümmern. Intelligente, mit Funknetzsensoren ausgestattete Gebäude sollen ihnen künftig beim Finden von Opfern behilflich sein. Das Fraunhofer-Netzwerk "Future Urban Security" hat ein Managementsystem entwickelt, das Rettungskräften im Einsatzfall größtmögliche Sicherheit bieten soll.

Das System ist in dieser Woche unter realen Bedingungen getestet worden: In einem ehemaligen Fabrikgebäude im südbadischen Bad Säckingen wurde dazu eine Explosion gezündet. Rund 150 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes waren bei der Übung im Einsatz. Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik sowie Experten vom THW hatten die Sprengung vorbereitet. In die zweistöckige Fabrikhalle wurde zuvor ein Funksensornetz eingebaut. Die Fühler in der Wand registrierten, wie sich die Wucht der Explosion auf die Gebäudestruktur auswirkt, um die verbliebene Tragfähigkeit der Wände einschätzen zu können.

Diese Information gaben sie automatisch an das Sicherheitssystem weiter. Die Einsatzzentrale erhielt daraufhin die aktuellen grafisch aufbereiteten Informationen und konnte umgehend entscheiden, was zu tun ist. So erkannte man sofort die sichersten Zugangswege. Für die Zukunft wird der Bau "intelligenter" Gebäude in Erwägung gezogen.

Seit 2008 arbeiten Experten an diesen "fühlenden, robusten Wänden". Das Projekt "Automatisierte Informationsgewinnung und Schutz kritischer Infrastruktur im Katastrophenfall" wird vom Bund gefördert.

Elf Partner aus Wissenschaft, Industrie und Sicherheitsbehörden haben das Sensorsystem, sowie einen Hochleistungsbeton entwickelt. Im Falle eines Erdbebens oder Feuers soll diese ultra-hochfeste Substanz eine verbesserte Tragfähigkeit sowie optimierte Materialeigenschaften aufweisen. Biegsame Konstruktionen stabilisieren die Gebäude zusätzlich.

"Bis zum Jahr 2050 wird sich die Anzahl der Menschen, die in Städten leben, nahezu verdoppeln", erklärt Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Für ein sicheres Leben in urbanen Räumen entwickelt die Fraunhofergesellschaft außerdem autonome Roboter für gefährliches Gelände, Hard- und Software für intelligente Einsatzzentralen und auch Sensoren, die Sprengstoffe detektieren.

(RP)
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