Nach der Krebsdiagnose Was passiert nun mit König Charles?

London · Beim englischen Monarchen wurde eine Krebserkrankung festgestellt. Genaueres teilte der Buckingham Palace nicht mit. In jedem Fall hat die moderne Medizin viele therapeutische Möglichkeiten.

Wolfram Goertz
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Zu Beginn des Theaterstücks „Der König stirbt“ von Eugène Ionesco bekommt der Monarch Behringer eine niederschmetternde Diagnose: Er wird nicht mehr lange zu leben haben. An seiner Krankheit, so ist sicher, wird er bald sterben. Das kann der König nicht akzeptieren, er windet sich, er feilscht, er pokert. Dabei ist er bereits über 400 Jahre alt, seine Endlichkeit könnte er begreifen. Aber er will nicht. Er ist ein Jedermann, der erst langsam einsieht, dass sein Tod unausweichlich ist. Am Ende geht er dahin.

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An dieses Meisterwerk des Theaters des Absurden muss man jetzt denken, da der Buckingham Palace die Krebsdiagnose bei König Charles mitgeteilt hat. Bei dieser Verlautbarung, die für die Royals eine ungewöhnliche Offenheit zeigte, war alles gesagt – und doch gar nichts. Jetzt stellt die Welt Mutmaßungen über Charles an. Welcher Krebs ist es? Welches Organ, welches System ist befallen? Wie lange hat er noch?

Selbstverständlich haben diese Fragen etwas Aufdringliches. Einstweilen gehört auch einem 75-jährigen König, also einer öffentlichen Erscheinung, einem alles überstrahlenden Repräsentanten, seine Krankheit erst einmal allein. Er ist jetzt Patient, er braucht Schonung und strikte Privatheit. Andererseits hat Charles selbst gesagt, er wolle jetzt allen Krebspatienten weltweit Mut machen. Er will ein modernes Vorbild sein. Und er ist guten Mutes, dass er bald wieder der Alte sein wird. Insofern darf bei dem Ionesco-Vergleich Entwarnung gegeben werden: Bei Charles lassen alle Statements und seine eigenen Einlassungen nicht auf einen baldigen Tod schließen, im Gegenteil. Laut Premierminister Rishi Sunak wurde der Krebs früh erkannt.

Diskretion ist das eine. Andererseits hat Buckingham Palace verlautbart, man habe bei einer Prostata-OP „ein anderes Problem“ gefunden; Charles war wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung operiert worden. In der Gewebeprobe können eben doch Krebszellen gefunden worden sein. Ein Dementi eines Prostatakrebses bedeutet die Mitteilung des Palastes nicht.

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Die Wahrheit im Falle Charles ist vielmehr: Es kann fast alles sein. Zufallsbefunde gibt es ja sehr oft. Ausgeschlossen scheinen nur jene Tumoren, die man sofort operiert, wie etwa gewisse Fälle von Nierenzell-, Leberzell- oder Bauchspeicheldrüsenkarzinomen. Bei Charles soll nun ambulant agiert werden, das deutet auf Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie hin.

In jedem Fall dürfte Charles nun eine leitliniengerechte Behandlung erfahren. Eine interdisziplinäre Tumorkonferenz wird über seinen Fall längst beraten haben, wie das in der modernen Onkologie in großen Kliniken mit ausgewiesenen Krebszentren der Fall ist. In einem solchen Tumorboard kommen unter anderem Chirurgen, Onkologen, Internisten, Strahlentherapeuten, Radiologen, Nuklearmediziner, Pathologen und andere Fachärzte zusammen und überlegen das beste Therapiemanagement. Wie bei jedem Krebs schauen sie: Wie weit ist er fortgeschritten? Wie aggressiv ist er? Hat er gestreut? In dieser Hinsicht ist der Krebspatient Charles sogar ein Normalfall.

Dass seine Familie nun zusammeneilt, ist erst einmal kein Zeichen für eine dramatische Situation. Gerade ein so integrierender König wie Charles wird diese Situation nutzen, um familiäre Unklarheiten zu regulieren. Dass Prinz Harry nach England zurückkehrt, könnte ein schönes Zeichen für eine Befriedung von Streitigkeiten sein. Gewiss würde sich die Prognose für Charles um ein Vielfaches verbessern, wenn er keine anderen Wackersteine mehr hat, die schwer auf seiner Brust liegen.

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