1. Panorama
  2. Wissen

Falsche Wirtschaftsdaten: Mathematiker überführen Griechen

Falsche Wirtschaftsdaten : Mathematiker überführen Griechen

Ilmenau (RPO). Mit Hilfe eines mathematischen Gesetzes wollen Wissenschaftler Griechenland die Manipulation seiner Wirtschaftsdaten nachgewiesen haben. Das "Benfordsche Gesetz" von 1938 besagt, dass Zahlen in beliebigen Datensätzen in einer scheinbar banalen Regelhaftigkeit auftreten, wie die Technischen Universität Ilmenau mitteilte.

Bei einem Test aller EU-Länder landete Griechenland auf dem letzten Platz - Deutschland im Mittelfeld. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe bereits Interesse an dem Prüfungsverfahren angemeldet. Demnach treten die Anfangszahlen 1, 2 oder 3 deutlich häufiger als größere Ziffern wie 7, 8 oder 9 auf.

Das Wissenschaftler-Team um Gernot Brähler hatte für die Überprüfung nach eigenen Angaben die Haushaltszahlen und makroökonomische Daten aller EU-Staaten von 1999 bis 2009 unter die Lupe genommen. Insgesamt werteten sie 156 verschiedene Kennziffern wie Schuldenstand, Bruttoinvestitionen und Gesamtausgaben je Land aus.

Dabei waren die Abweichungen von der Benford-Verteilung der Technischen Universität zufolge bei Griechenland am höchsten. Damit liege der Verdacht auf "kreative Buchführung" nahe. "Da Griechenland von der europäischen Statistikbehörde Eurostat bereits der Manipulation seiner volkswirtschaftlichen Daten überführt worden ist, sehen wir dieses Ergebnis als Bestätigung der Effektivität des Benford-Tests", sagte Brähler.

Nur wenig besser schnitt Belgien ab. Dies sei ein Indikator dafür, dass die Zahlen des hoch verschuldeten Landes ebenfalls nicht der Realität entsprächen. Die Experten empfehlen daher, diese ebenfalls genauer zu prüfen. Auch Österreich habe im Test schlecht abgeschnitten. Deutschland landete im Mittelfeld der 16 Euro-Länder. Die besten Ergebnisse der EU-Staaten lieferten demnach die Tests der niederländischen und polnischen Daten.

Zugleich schätzt Brähler die Gefahr, in Kenntnis der Benford-Regel könnten Zahlen besser gefälscht werden, als gering ein. Die Robustheit des Tests habe sich bereits bei Experimenten anderer Wissenschaftler gezeigt, sagte er.

Nachdem der IWF bereits bei den Experten sein Interesse an dem Verfahren bekundet habe, erwäge auch Eurostat eine Anwendung des "Benfordschen Gesetzes", hieß es.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind die Instrumente zur Euro-Rettung

(apd)