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Leif Ove Andsnes brilliert mit Beethovens 5. Klavierkonzert

Leif Ove Andsnes brilliert mit Beethovens 5. Klavierkonzert

Zu den ungewöhnlichen Momenten unseres Konzertlebens zählen große Solokonzerte, bei denen der Solist selbst auch das Orchester leitet. Früher, in Barock und Klassik, war das üblich, jetzt müssen wir uns daran gewöhnen, dass auch komplexe Klavierkonzerte vom Mann am Flügel aus gesteuert werden. Bisweilen sitzt er dann mit dem Rücken zu uns, was jene Konzertbesucher enttäuscht, die vor allem fliegende Hände über den Tasten sehen wollen. Diese (für Veranstalter auch finanziell attraktive) Aufgabenbündelung funktioniert aber nur, wenn das Orchester bestens präpariert ist und die Konzertmeister und Stimmführer das Stück besser kennen, als wenn sie einen eigenen Dirigenten hätten, der ihnen jeden Einsatz vorturnt.

Der großartige norwegische Pianist Leif Ove Andsnes, der eine junge und progressive Art des Denkens besitzt, hat vor einiger Zeit mit dem Mahler Chamber Orchestra eine Serie mit allen Beethoven-Konzerten gestartet: die "Beethoven Journey". Und auch er hat dabei stets vom Flügel aus dirigiert. Das wird oft nur ein schneller Blickkontakt gewesen sein, aber auch der wunderbaren Aufnahme des Klavierkonzerts Nr. 5 Es-Dur merkt man keinerlei Irritation an.

Andsnes ist wie immer an einem klassizistisch orientierten Klangideal interessiert, er liebt zügige Tempi. Sein Beethoven ist ein Revolutionär, kein netter Onkel. Trotzdem fährt der Sturmwind nur dann durch die Aufnahme aus dem Rudolfinum in Prag, wenn die Partitur das auch hergibt. Andsnes bedient nicht die pianistische Heckenschere, um Beethoven auf windschnittig zu trimmen. Er kann intime Momente so beleuchten, dass es wie zärtliche Beobachtung klingt. Doch das Finale ist wirklich ein stürmischer Ritt. Phänomenal ist, wie Andsnes mit dem Orchester auf dieser "Beethoven Journey" gearbeitet hat. Da hört man Details, die man noch nie so leuchtend, griffig, delikat vernommen hat. Der wohlfeile Werbeslogan von der "Referenzaufnahme" trifft bei diesem Sony-Zyklus absolut und uneingeschränkt zu.

Als schöne Beigabe hört man die Chorfantasie mit dem Prager Philharmonischen Chor.

(RP)