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Nach Glühlampen-Verbot: Kritik an Energiesparlampe wächst

Nach Glühlampen-Verbot : Kritik an Energiesparlampe wächst

Düsseldorf (RP). Ab September werden in der EU keine 100-Watt-Glühlampen mehr verkauft. Schrittweise läuft die Produktion aller weiteren Birnen-Typen aus. Unterdessen wird die Kritik an der Energiesparlampe als Ersatz immer lauter. Experten stufen ihr Licht als gesundheitsgefährdend ein.

Plötzlich waren die Symptome da. Heftige Übelkeit fast bis zum Erbrechen, Kopfschmerzen, Zittern am ganzen Körper, kalte Hände, ein Gefühl von Schwäche. "So etwas hatte ich noch nie erlebt", sagt Olaf P. Dabei hatte er sich während seiner Ausbildung drei Jahre lang täglich viele Stunden in diesem Raum aufgehalten — ohne Beschwerden. Auf der Suche nach Ursachen für die gesundheitlichen Probleme merkte er, dass die Glühlampen im Raum durch Energiesparlampen ersetzt worden waren.

Krank durch Energiesparlampen — kann das sein? Symptome, wie sie sich bei Olaf P. zeigen, sind selten und die Ursachen schwer zu klären. Doch er steht nicht allein da. Im Internet häufen sich Berichte über ähnliche Fälle. Und auch Experten, die sich mit dem Thema beschäftigen, sagen: "Energiesparlampen können krank machen." Doch nicht nur deshalb sind die quecksilberhaltigen Lampen in der Diskussion.

Tests zeigen: Energiesparlampen sparen nicht zwangsläufig Energie. Öko-Test prüfte die Produkte zuletzt im März dieses Jahres und kam zu dem Ergebnis: Sie seien deutlich weniger hell und ihr Energieeinsparpotenzial sei deutlich geringer als beworben und in der politischen Diskussion angeführt. Die Lichtqualität sei schlecht, sie produzierten Elektrosmog, und auch in puncto Haltbarkeit konnten viele der Kompaktleuchtstofflampen nicht überzeugen. Das Resümee der Öko-Tester: "Unterm Strich macht ein Stromsparen per Energiesparlampe keinen Sinn."

Die Politik sieht das anders. Das EU-Parlament hat die Glühbirne aus "umweltpolitischen Gründen" verboten, die Produktion läuft aus. Nur noch bis September werden 100-Watt-Glühlampen für den europäischen Markt hergestellt. Ab 1. September dürfen sie dann in Europa als erste ihrer Art nicht mehr verkauft werden. Danach folgt jedes Jahr zum selben Datum das Verbot der nächstschwächeren Glühbirne.

Alexander Wunsch, Arzt und Lichtbiologe aus Heidelberg, ist einer der Experten, die die EU wegen der Glühlampenverordnung aus medizinischen Gründen kritisieren. Er stellt in Frage, ob der Gebrauch von falschem Kunstlicht nicht für eine Reihe von Krankheitsbildern mitverantwortlich sei, die in Industrienationen immer häufiger zu beobachten sind — darunter hormonbedingte Krebserkrankungen und die altersbedingte Makuladegeneration, auch Altersblindheit genannt.

Anders als das Licht der Glühlampe gilt das Licht der Energiesparlampe als unnatürlich und wird da deshalb oft als unangenehm empfunden. Wunsch: "Es gibt keine Quelle in der Natur, die ein solches Licht erzeugt, während das Licht der Glühbirne der Sonne ähnlich ist." Der Unterschied zeige sich, wenn Forscher das Licht der Lampen durch ein Prisma spektral zerlegen: Das Licht der Glühlampe wird in alle Farben des Regenbogens gebrochen, bei der Energiesparlampe fehlen einige Rot- und Brauntöne. Dafür treten Indigo, Türkis und Blau intensiver hervor.

Es soll vor allem der erhöhte Blauanteil im Licht von Energiesparlampen und auch der nach demselben Prinzip funktionierenden Neonröhren sein, der krank machen könnte. Denn das blaue Licht soll dafür verantwortlich sein, dass in der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns, weniger Melatonin (Schlafhormon) produziert wird — was bedenklich ist.

Studien ergaben, dass Menschen mit bestimmten Krebsarten wie Brustkrebs, Prostatakrebs und bestimmten Lungenkrebs-, Nierenkrebs- oder Leberkrebsarten einen niedrigen Melatonispiegel haben. Zudem soll der Blauanteil des Lichts der Lampen den Körper unter Stress setzten. Die Manipulation des Immunsystems gilt als Grund dafür, dass Menschen, die in Räumen mit Neonröhren oder Energiesparlampen arbeiten, zwar leistungsfähiger werden: Sie arbeiten laut Studien bis zu 15 Prozent produktiver und sind seltener krank. Allerdings werde der Körper dadurch auch leichter anfällig für Krankheiten.

(RP)