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Krefeld: Krefeld: Ein Haus von Mies van der Rohe

Krefeld : Krefeld: Ein Haus von Mies van der Rohe

Nach Plänen des Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe ist in Krefeld ein 1900 Quadratmeter großes, begehbares Architekturmodell entstanden. Gestern wurde das 840 000 Euro teure Projekt eröffnet.

Manchmal arbeiten auch Star-Architekten für die Schublade. Ludwig Mies van der Rohe war 1930 auf dem Höhepunkt seiner europäischen Karriere. Er war gerade zum Leiter des Bauhaus in Dessau berufen worden, hatte den Barcelona-Pavillon für die Weltausstellung gebaut und das Haus Tugendhat in Brünn. Mies' Ruf als Baumeister der Avantgarde war gefestigt. Da kam der Auftrag in Krefeld, wo er für die Kunstsammler Esters und Lange sowie für die Seidenindustrie bereits hochmoderne Häuser errichtet hatte. Nun sollte er auf dem Gipfel des Egelsbergs ein Golfclubhaus errichten. Mies plante einen mondänen Flachbau, der sich als asymmetrisches Kreuz in die Landschaft einschmiegt und sich nach Süden, Westen und Norden öffnet. 150 000 Reichsmark hätte der Club gekostet. Die Wirtschaftskrise kam – und die Pläne blieben Papierwerk. Sonst hätte Krefeld neben den Stadtvillen Haus Esters und Haus Lange, die heute Museum sind, und Mies' einzigem Verwaltungsgebäude (Verseidag) ein weiteres weltbedeutendes Architektur-Monument.

80 Jahre später hat nun der Verein MiK (Mies in Krefeld) Mies' Idee wiederbelebt. Gestern wurde ein in Originalgröße realisiertes, begehbares 1900 Quadratmeter großes Architekturmodell eröffnet – Luftlinie 300 Meter südwestlich vom ursprünglich geplanten Standort entfernt, denn der ist inzwischen ausgewiesenes Naturschutzgebiet.

"Mies 1:1 – Das Golfclub Projekt" ist ein spektakuläres Unterfangen. Für 840 000 Euro ist das begehbare Modell entstanden, in dem die Besucher erleben können, wie atemberaubend Architektur die Natur in Szene setzt. Mit massiven Wänden steuert Mies die Blickrichtung, riesige Fensterfronten geben die Sicht auf Rapsfelder, Weiden und eine alte Mühle frei. Es ist kein rekonstruierter Bau, sondern eine begehbare Skulptur aus Holz und Stahl, die Architekturgeschichte erzählt und die Vision vom landschaftsbezogenen Bauen erlebbar macht.

Der renommierte belgische Architekt Paul Robbrecht studierte die Originalpläne von Mies, die im New Yorker Museum of Modern Art aufbewahrt werden. Die Aufgabe reizte ihn: "Wenn das Clubhaus damals gebaut worden wäre, gälte es heute als Ikone des International Style", sagt er. Mies, dessen Avantgarde-Ideen in den 1930er Jahren in Deutschland keine Chance mehr hatten, verwirklicht zu werden, ist 1938 aus wirtschaftlicher Not in die USA emigriert. In Chicago hat er mit seinen "Haut- und Knochenbauten" aus Glas, Beton und Stahl den Baumeister-Olymp bestiegen. Heute gilt er neben Le Corbusier und Frank Lloyd Wright zu den bedeutendsten Gestaltern des 20. Jahrhunderts.

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"Ein solches Modell zu entwickeln ist, als habe man die Noten eines Stücks von Bach und müsse es nun spielen", sagt Robbrecht. Bis ins Detail hat Mies 1930 das Clubhaus berechnet und erläutert. Einige wichtige Angaben aber fehlen: Beschaffenheit von Fassade und Böden etwa. Deshalb "zitiert" Robbrecht in solchen Fällen nur: Die Fassade ist aus Holz, die Fenster bleiben ohne Glas, Böden werden nur zum Teil gelegt. Trotzdem funktioniert die Idee: Gut vorstellbar ist die überdachte Zufahrt für die Nobelkarossen von Osten, klar die Abtrennung der Gesellschafts- von den Sportlerräumen – verschwitzte Trikots waren im Saal nicht gern gesehen.

Bis 27. Oktober ist das Modell zu sehen und wird mit Kulturveranstaltungen und Symposien bespielt. Nach dem Abbau werden die Konstruktionselemente in Universitätsprojekten weiterverwendet.

(RP)