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Klimawandel: Was ein Steppensommer für Deutschland bedeutet​

Mehr Hitze, weniger Regen : Was ein Steppensommer für Deutschland bedeutet

Hohe Temperaturen und anhaltende Dürre verändern die Natur in Deutschland. Manche Experten erwarten für die Zukunft gar einen „Steppensommer“. Was dies bedeuten würde.

Vertrocknete Wiesen, welke Blätter und staubige Böden. Dieser Sommer fühlt sich an wie ein Leben in der Steppe. Darum spricht der Meteorologe und Klimaforscher Karsten Brandt gerne vom Steppensommer. „Wir haben große Trockenheit, große Hitze, eine sehr hohe Verdunstung und ein waldunfreundliches Klima“, sagt der Klimaexperte. Damit stehe Deutschland am Übergang zum kontinentalen Klima in Steppen, wie sie in Ungarn und Rumänien zu finden sind.

Steppen werden durch Gras- und Buschlandschaften definiert, in denen nahezu keine Bäume wachsen. Hier regnet es im Jahr durchschnittlich 250 bis 500 mm und an fünf bis sieben Monaten ist es im Mittel über 10 Grad warm. Dieses Klima herrscht in den trockenen gemäßigten Breiten beidseitig des Äquators.

In Süd-Osteuropa treten vor allem Steppenrasen auf. Diese gibt es auch schon in Deutschland - besonders in den niederschlagärmsten und sonnenexponiertesten Regionen wie dem Odertal, östlichen Harzvorland sowie Thüringer Becken. Dort fallen im Jahresdurchschnitt stellenweise unter 500 mm, was eine Tendenz in Richtung des Waldsteppen-Klimas in Osteuropa zeigt. Noch gilt Deutschland als Grenze zum Steppenrasen in Süd-Osteuropa, da dieser hier bisher nicht häufig, großflächig und ausgeprägt genug auftritt. Im Jahresdurchschnitt falle landesweit noch 790 mm Niederschlag. Ob auch die Bundesrepublik mittelfristig zu Steppe werden könnte, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Bisher ist der Sommer 2022 das trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Seit Monaten hat es keinen großflächigen Landregen mehr gegeben. In den vergangenen Tagen hat es im Alpenland zwar extrem geregnet, im Nordwesten Deutschlands ist jedoch zum Teil gar nichts gefallen. „Dort ist, was die Dürre betrifft, nichts passiert“, weiß Andreas Friedrich.

Das Deutschland gerade einen Steppensommer erlebt, möchte der Wetterexperte im Gegensatz zu Karsten Brandt jedoch nicht unterschreiben. Er spricht lieber von einem Dürresommer: „Wir leben ja nicht in der Steppe. Es gibt auch viel Wald in Deutschland.“ Auch einen Jahrhundertsommer sehe er nicht.

Denn dieses Jahr stehe in Bezug auf die Temperatur „nur“ auf Platz vier der heißesten Sommer. Von Juni bis August war es im Jahr 2003 mit einer Mitteltemperatur von 19,7 Grad bisher am heißesten. „Normal sind 16,2 Grad“, weiß Friedrich. Diesen Sommer liegt die Mitteltemperatur bei 18,7 Grad. Es ist also 2,5 Grad wärmer. Doch die Sommer 2018 und 2019 waren mit durchschnittlich 19,2 Grad und 19,3 Grad noch heißer. „Wir haben keinen Rekordsommer“, sagt Andreas Friedrich.

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Dennoch ist es heißer und trockener als es sein sollte. Wegen des fehlenden Niederschlags wurden seit 2018 die Wasserspeicher in den Böden nicht genügend aufgefüllt. Besonders die Wälder stehen laut Karsten Brandt unter extremen Stress. Er befürchtet große Schäden im Wald, die momentan noch nicht sichtbar seien. „Viele Wälder sind auf diese Hitze nicht vorbereitet.“

Auch die nächste Woche wird keine Linderung bringen. Andreas Friedrich prognostiziert Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad. „Dann erleben wir die nächste Hitzewelle“, so der Experte.