1. Panorama
  2. Wissen
  3. Klima

Wildcamping und Urlaub in NRW: Was Camper über den Umgang mit der Natur wissen müssen

Das RP-Klimahaus : Wie und wo Abenteurer in NRW Wildcampen können

Schlafen in der freien Natur: Wildcamping ermöglicht das. Doch ist das in NRW erlaubt? Wie entsorgt man Müll und was ist, wenn man zur Toilette muss oder Tieren im Wald begegnet? Ein Überblick für Draußenschläfer.

Wenn ich davon erzähle, dass ich von Dorsten bis in den Iran gewandert bin und im Zelt übernachtet habe, dann habe ich dieses Strahlen im Gesicht und meine Augen leuchten“, sagt Jessie Fröde, die eigentlich aus Dorsten kommt. „Daran merkt man, dass das Fernwandern und draußen sein zu mir gehört“. Die 38-jährige schreibt darüber in ihrem Outdoor-Blog „Bunterwegs“ und berichtet auch, wie es ist, eine Nacht draußen zu schlafen. Wildcampen findet sie toll, doch es gibt einiges zu beachten, wenn man in der freien Natur übernachten will.

Was ist Wildcampen?

Wildcampen ist das Übernachten in der freien Natur – abseits von ausgewiesenen Stellplätzen. Dabei kann man zum Beispiel in Zelten schlafen, in Wohnwagen oder Wohnmobilen oder direkt unter dem Himmelszelt auf einer Isomatte.

 Hier ist Jessie Fröde aus Dorsten – unterwegs in Georgien, am Black Rock Trail.
Hier ist Jessie Fröde aus Dorsten – unterwegs in Georgien, am Black Rock Trail. Foto: Jessie Fröde

Wieso finden viele Wildcampen so toll?

Jessie Fröde hat sich selbst durch das Wandern und anschließende Wildcampen am Abend besser kennengelernt, sagt sie, ihre Stärken und auch auf ihren Körper zu hören, wenn sie nicht mehr kann. Schön am Wildcampen findet sie auch, dass man sich fernab von Lärm aufhält und die Möglichkeit bekommt, seine eigene Umwelt hautnah zu erleben. „Ich liebe es einfach draußen zu sein, ich fühle mich dann frei und bin glücklich“, sagt die Dorstenerin.

Wer in freier Natur übernachtet, erlebt also im besten Fall Ruhe, Freiheit und kann selbst entschleunigen. Allerdings können die Tiergeräusche oder auch Bäumerascheln schnell unheimlich werden. In der Ruhe der Nacht können solche Naturgeräusche nämlich lauter wirken als tagsüber. Dadurch wird das Wildcampen zu einem echten Abenteuer – und mancher lernt vielleicht sogar, seine Angst zu überwinden.

 Wildcamping am Black Rock Trail in Georgien: Jessie Fröde lief bis hierhin zu Fuß und noch weiter.
Wildcamping am Black Rock Trail in Georgien: Jessie Fröde lief bis hierhin zu Fuß und noch weiter. Foto: Jessie Fröde

Ist Wildcampen denn auch erlaubt?

Hier ist Vorsicht geboten. Denn das Wildcampen ist in Deutschland – und damit auch in Nordrhein-Westfalen – verboten. Es darf zwar jeder die freie Natur betreten und auch in den Wald gehen, um sich zu erholen, darin schlafen ist aber normalerweise nicht erlaubt. Ausdrücklich nicht übernachten – weder in einem Zelt noch auf einer Isomatte oder im Wohnmobil – dürfen Wildcamper in Deutschland in Naturschutzgebieten, Naturreservoirs, Nationalparks und Landschaftsschutzgebieten sowie auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dafür werden in NRW Bußgelder in Höhe von zehn bis 300 Euro erhoben. Wer dort länger als zehn Tage bleibt, bezahlt für jeden weiteren Tag noch mehr.

  • Mehr Beete, Blumen und Bänke wünschen
    Online-Umfrage : Willicher können Wünsche für Konrad-Adenauer-Park einbringen
  • Vorschulkinder bei der Stadtranderholung
    Stadtranderholung Ratingen : Noch freie Plätze im Ferienprogramm
  • Am Yoga-Fitness-Kurs im Hanielpark nehmen Düsseldorfer
    Sport im Park in Düsseldorf : Allein zum Yoga-Fitness kommen Hunderte

Da jedes Bundesland die Regeln und Bußgelder selbst festlegt, müssen sich Interessierte, die anderswo in Deutschland wildcampen wollen, die Regeln auch dort anschauen. Hier gibt es eine Übersicht.

Im Wald zu campen ist auch in Nordrhein-Westfalen verboten – mit wenigen Ausnahmen. Wer nur auf einer Isomatte schlafen will, ohne Überdachung wie ein Zelt – das nennt man Biwaken – landet in der rechtlichen Grauzone. Das „Zelten und das Abstellen von Wohnwagen und Kraftfahrzeugen im Wald“ ist allerdings durch das Landesforstgesetz verboten. Wer trotzdem in der freien Natur übernachten will, fragt am besten den Förster des Waldes oder auch Privateigentümer von Wiesen, Obstplantagen oder Waldstücken um Erlaubnis. Denn die braucht man, wenn man auf Privatgrundstücken schläft. Wer vorher das „Okay“ bekommt, ist auf der sicheren Seite und bekommt vielleicht eine Stelle zugewiesen, an der das Wildcampen akzeptiert wird. Dann kann man auch beruhigt einschlafen.

Wo kann ich sorgenfrei und ohne Einschränkungen draußen campen gehen?

Wer das Hautnaherlebnis von Natur ohne Aufregung um Verbote haben will, hat Glück. Auch ohne rechtliche Einschränkungen gibt es in Nordrhein-Westfalen ein paar Orte, an denen Camper der Umwelt nahekommen können.

In der Eifel befindet sich so zum Beispiel der Naturpark Hohes Venn-Eifel. Seit 2016 können Camper hier legal ein Zelt aufschlagen und dabei auch jede Menge auf verschiedenen Etappen durch die Eifel wandern. Jeder Naturlagerplatz, an dem man am Abend sein Zelt aufschlagen kann, hat eine Komposttoilette und eine Zeltplattform mit Platz für ein oder zwei Zelte. Wer dort hin will, übernachtet für zehn Euro in der freien Natur. Alle Standorte im Park, der in NRW und auch in Rheinland-Pfalz Übernachtungsmöglichkeiten bietet, sind zu Fuß über Wanderwege erreichbar. Einen Zeltplatz können Interessierte über https://www.trekking-eifel.de/de/ buchen.

Die meisten Naturlager sind aber zumindest für die Sommerferien schon ausgebucht. Wer aber ein bisschen Zeit mitbringt, findet vielleicht noch ein freies Plätzchen. Gegen Ende der Ferien gibt es auch wieder mehr Plätze. Und wer schon über den Sommerurlaub im kommenden Jahr nachdenkt, kann auch schon für das Jahr 2023 ein Naturabenteuer buchen.

Wer noch mehr Inspiration braucht, findet die vielleicht auf der Internetpräsenz der Roadsurfer, einer Gruppe von Outdoorfans, die sich selbst als „Europas größte Campervan Experten“ bezeichnen. Dort stellen Gastgeber in Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Österreich und in den Niederlanden einen Campingplatz im Grünen zur Verfügung. Auch für NRW gibt es über zwanzig Orte: Zum Beispiel in Wesel auf einem Bauernhof, dort bietet ein Ehepaar auf einem fast 300 Jahre alten Hof zwei Stellplätze an. Etwa 18 Euro pro Nacht kostet der Aufenthalt dort. In Dormagen kann man direkt am Straberger See übernachten – für 39 Euro die Nacht, aber auch in Haan am Ufer der Düssel kann man campen. Alle Roadsurfer-Angebote in NRW können Interessierte hier anschauen.

Worauf sollte ich als Erholungssuchender in der freien Natur achten?

Wichtig ist mir, dass man die Natur und die Bewohner dort respektiert – und das sind die Tiere und die Menschen. Camper sollten nicht einfach auf irgendeiner Wiese ihr Zelt aufschlagen“, sagt Outdoor-Fan Jessie Fröde. Außerdem: „Nicht in der Brutzeit die Tiere stören, vor allem wenn man Spuren von Wildtieren sieht. Und auch die Tiere nicht füttern.“ Denn das oberste Gebot des Wildcampings ist, die Natur unbeschadet zu hinterlassen.

Deshalb mahnen auch andere Camper, so zum Beispiel Alex Düren aus der Nähe von Freiburg auf seinem Blog „Bergreif“: Kein Feuer machen – das gilt besonders in trockenen Gegenden, in denen ein Feuer leicht einen Waldbrand entfachen kann. Verboten ist das Feuer nur dann nicht, wenn man eine Sondergenehmigung für das entsprechende Wald- oder Wiesenstück bekommt oder an ausgewiesenen Feuerstellen und Grillplätzen. Camper sollten außerdem keinen unnötigen Lärm machen, um die Tiere nicht zu stören – „sehr laute Musik und Gegröle sind tabu“, erklärt Alex Düren. Und der Müll, der beim Wildcampen entsteht, bleibt natürlich nicht so am Platz liegen.

Wie entsorge ich Müll?

Wer beim Wildcampen Müll produziert, kann dies in einer Tüte sammeln, die man beim Ausflug dabei hat. „Für eine Tüte ist immer irgendwo Platz“, sagt Jessie Fröde aus Dorsten. Den Müll kann man am Zielort angekommen wegschmeißen oder unterwegs in Mülleimern entsorgen. Es einfach in die Natur zu werfen wäre achtlos und würde mit dem Gedanken sich mit der Natur verbunden zu fühlen nicht zusammenpassen. Am besten schon vorher drauf achten, möglichst wenig Plastik mitzuführen, und Lebensmittel ggf. in wiederverwendbaren Silikon-Behältern oder Ziplock-Beuteln mitzuführen.

Was mache ich, wenn ich zur Toilette muss?

Es ist ganz natürlich, dass man zwischendurch auch mal auf die Toilette muss. Nur wer draußen unterwegs ist, hat normalerweise kein Klo dabei. Deshalb raten Camper wie auch Jessie Fröde dazu: „Vergrabe deine Hinterlassenschaften“ – zum Beispiel mit Erde, sodass niemand hineintritt oder es riecht. Im Naturpark Hohes Venn-Eifel gibt es so an den einzelnen Naturlagerplätzen zum Beispiel Komposttoiletten, dort sollen Nutzer nach jedem Toilettengang eine Handvoll Rindenmulch in den Behälter streuen. Außerdem raten Camper-Fans: „Nimm das Klopapier wieder mit und lasse es nicht in der Natur“. Das Papier, das man benutzt, kann auch in die Mülltüte wandern und muss so nicht am stillen Örtchen zurückbleiben.

Wie kann ich mich waschen?

Wer nicht gerade den Luxus hat in einen See zu gehen und sich dort mit frischem, kaltem Wasser zu waschen, kann zum Beispiel einen Waschlappen einpacken und Wasser. Wer Seife benutzen will, sollte sie nicht im See selbst verwenden – denn sie ist eine Belastung für Tiere wie zum Beispiel Fische und auch für Pflanzen. Deshalb am besten ganz auf die Seife verzichten. Andere schlagen auch vor, Feuchttücher zu benutzen, um zumindest eine „Katzenwäsche“ zu machen. Das bietet sich vor allem an den Händen an, um sie vor Bakterien zu schützen. Die benutzten Tücher sollten allerdings in der Mülltüte gesammelt werden. Auch Desinfektionsmittel ist für die Hände geeignet. Bei den meisten Angeboten der Roadsurfer gibt es auch Waschmöglichkeiten.

Was mache ich gegen Mücken, Zecken und andere Tiere in der freien Natur?

Wildcamper sollten auf jeden Fall ein Mücken- und Zeckenspray einzupacken. Für Zelte gibt es auch Moskitonetze, das man benutzen kann. Wer sich gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis kurz FSME impft, ist auch gut gegen Zeckenstiche geschützt. Zecken können Viren beim Stich übertragen, die dann eine Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündung auslösen können.

Wer auf andere Tiere beim Wildcamping trifft, sollte sich ruhig verhalten und langsam zurückziehen. Sowieso gilt: Leise reden, denn der Raum, den der Mensch beim Draußenschlafen einnimmt, gehört eigentlich den Tieren. Am besten sollten Wildcamper Speisereste nicht in der Nähe vom Schlafort aufbewahren, da das Tiere anlockt. Wer einen Hund dabei hat, sollte ihn anleinen, damit er Wildtieren nicht hinterher jagt.

Wie finde ich mich draußen zurecht?

Viele nutzen zur Orientierung eine Karten-App auf dem Smartphone. Für abgelegene Gegenden sollten Wildcamper aber zusätzlich die klassische Wanderkarte oder ein separates GPS-Wandergerät mitnehmen. Das macht auch Jessie Fröde, wenn sie wandern geht, denn der Handyakku ist schnell leer, wenn sie Routen aufzeichnen oder ihre Touren sehen will.

Sollte man zu zweit losgehen? Wem muss ich Bescheid geben?

Für den Anfang ist es sicher einfacherer, die eigene Angst zu überwinden, wenn man nicht alleine wildcampt. Dann kann man sich gemeinsam den lauten Geräuschen von Tieren in der Nacht stellen. Ähnlich wie in den Bergen: Wer doch allein losziehen will, sollte unbedingt jemandem Bescheid geben, wo er sich aufhält und wenn es Empfang gibt, einen Standort teilen. Wenn man alleine campt, sollte man darauf achten, den Schlafplatz schon vor Sonnenuntergang auszuwählen.

An welche Ausrüstung sollte ich noch denken?

Ein Zelt zum Wildcampen ist kein Muss: Einfach nur mit Isomatte und Schlafsack zu schlafen reicht in den warmen Monaten häufig. Viele nutzen zusätzlich noch ein Tarp – das ist eine stabile Zeltplane, die oft zwischen mehreren Bäumen oder Wanderstöcken aufgehängt wird. Sie schützt vor Regen und Wind. Wer ein Zelt aufstellen will, sollte ein leichtes und kompaktes Zelt mitnehmen. Außerdem sollten Menschen, die Lust auf Camping in der Natur haben, genügend Schnur einpacken, um das Zelt fest zu spannen.

Neben der Schlafausrüstung brauchen Wildcamper ausreichend Wasser – zwischen drei und fünf Liter pro Tag, im Sommer eher mehr. Kocher, Gaskartusche und leichte Alu- oder Edelstahl-Kochtöpfe und schlichtes Besteck sowie optional Teller, Schüsseln und Tassen sollten nicht fehlen. Allerdings darf man aufgrund der Waldbrandgefahr nur da kochen, wo es explizit erlaubt ist: an Feuerstellen und Grillplätzen. Ansonsten kann man sein Essen auch kalt essen.

Zuletzt sind noch Snacks hilfreich, um verbrannte Kalorien aufzufüllen. Etwas, das im Rucksack nicht fehlen sollte: Eine Stirn- oder Taschenlampe, eine Powerbank, um das Smartphone aufzuladen und wer mag ein Kartenspiel zum abendlichen Zeitvertreib.