Thema Energiewende: Wie unser Strom erzeugt wird

Thema Energiewende : Wie unser Strom erzeugt wird

Die Stromerzeugung in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert. Die Kraftwerke müssen ihre Leistung täglich anpassen – zum einen an den Stromverbrauch, zum anderen an Sonne und Wind. Die Wettervorhersage spielt eine immer größere Rolle.

Die Stromerzeugung in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert. Die Kraftwerke müssen ihre Leistung täglich anpassen — zum einen an den Stromverbrauch, zum anderen an Sonne und Wind. Die Wettervorhersage spielt eine immer größere Rolle.

Das Pfingstwochenende brachte den Freunden der Sonnenenergie viel Freude. Allein am Freitag produzierten die 1,2 Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland 189 Mio. Kilowattstunden Strom — rechnerisch die Tagesproduktion von sieben Kernkraftwerken. 20 Millionen Haushalte wurden an diesem Tag komplett mit Sonnenstrom versorgt.

Ein neuer Rekord — aber es wäre falsch, Sonnenenergie deshalb als Schönwetter-Energie zu bezeichnen. "Die Sonne übernimmt mittlerweile regelmäßig die Spitzenlasten über Mittag, beispielsweise zum Kochen", erklärt Bruno Burger, Professor am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Und sie tue das als gut planbare Energiequelle: "Die Prognosen, wie viel Sonnenstrom in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen wird, haben sich als sehr zuverlässig erwiesen", erklärt Bruno Burger. Vorhersagen für die Windenergie seien dagegen deutlich anfälliger.

Solche Prognosen sind für Kraftwerksbetreiber wichtig, damit zu jeder Tageszeit ausreichend Strom zur Verfügung steht. Die deutsche Stromerzeugung steht derzeit auf drei Beinen — die erneuerbaren Energien, die Grundlastkraftwerke (Braunkohle, Atomenergie) und die flexiblen Energieträger (Kohle und Gas).

Braunkohle und Atomenergie übernehmen die so genannte Grundlast; zwischen 20 und 25 Gigawatt erzeugen sie täglich. "Braunkohle- und Atomkraftwerke kommen mit der geforderten Dynamik bei der Energieversorgung nicht mehr ganz mit", erklärt Bruno Burger, deshalb werden sie seltener vom Netz genommen als andere Energiearten. Es dauere bis zu einem Tag, bis diese Kraftwerke wieder angefahren werden könnten, so Burger.

Gas und Steinkohle sind die Flexiblen

Gas und Steinkohle als Energieträger erweisen sich als deutlich flexibler: Sie müssen im Alltag quasi die Stromlücke füllen: der Unterschied zwischen dem, was benötigt wird, und dem, was Kernenergie, Braunkohle, Sonne und Wind gemeinsam bereitstellen. Die benötigte Leistung aus Gas und Kohle schwankt erheblich von Tag zu Tag: zwischen zehn und 35 Gigawatt. Auch Pumpspeicher-Kraftwerke gehören in diese Gruppe. Hier wird Wasser nach oben gepumpt, wenn genug Energie im Netz ist und durch Turbinen nach unten gejagt, wenn Strom benötigt wird.

In der Gesamt-Bilanz ist der Verbraucher auf der sicheren Seite. "Im Jahr 2011 hat Deutschland trotz des Abschaltens der Atomkraftwerke noch 3,8 Terawattstunden exportiert", sagt Burger. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien werde dieses Polster noch wachsen.

Allerdings wird der täglich wechselnde Mix verschiedener Energiequellen Auswirkungen auf den Strompreis haben. Denn die Herstellungskosten schwanken je nach Energiequelle: Wegen der feststehenden Einspeisungsvergütung sind alternative Energien derzeit teurer als die anderen.

(RP/felt/das)
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