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Verbrauchertipps: Wie man mit der richtigen Ernährung das Klima retten kann

Was Verbraucher tun können : Wie man mit der richtigen Ernährung das Klima retten kann

Die Zeit im Kampf um den Klimawandel wird knapp, zeigt der neueste Weltklimabericht. Was viele nicht wissen: Unsere Ernährung trägt in großem Maße dazu bei. Was das Steak mit dem Klima zu tun hat und wie man über die Ernährung das Klima schützen kann.

Die Bilanz, die der Weltklimarat IPCC zieht sieht alles andere als rosig aus: Das Wetter wird extremer und die Erderwärmung läuft schneller als erwartet. Es passiert zu wenig. Eine der Hauptursachen für die schlechte Klimabilanz hat ausgerechnet mit etwas zu tun, auf das wir auf keinen Fall verzichten können: Auf Essen. Ein Fünftel aller klimaschädlichen Treibhausgasemissionen ist laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in Deutschland auf die Ernährung zurückzuführen. Global betrachtet verursacht die Ernährung der Weltbevölkerung ein Drittel der gesamten menschgemachten Treibhausgasemissionen.Wie kann das sein?

„Wenn wir beispielsweise ein Kilo Rindersteak auf dem Teller haben wollen, müssen wir durch Lebensmittelverluste entlang der Produktionskette mehr als dieses eine Kilo – also mehr als 100 Prozent - produzieren“, sagt Tilo Suckow, Projektmanger Klimaschutz bei der Umweltstiftung WWF. Laut einer aktuellen WWF-Studie liegt die Zahl inklusive der durch den Landnutzungswandel herbeigeführten Emissionen bei rund 25 Kilo CO2-Äquivalente pro Kilo Rindfleisch.

Wo genau wird es dabei klimakritisch? Zum einen schlagen die angebauten Futtermittel und die zum Einsatz kommenden Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu Buche. Für die Zucht nötigen Weide- und Ackerflächen sind zudem ein Problem. „In der konventionellen Landwirtschaft kommen Futtermittel - wie zum Beispiel Soja - häufig aus Südamerika oder den USA“, sagt Suckow. Durch den Anbau verschwinden ökologisch wertvolle Gebiete wie Savannen oder Regenwald zugunsten von Monokultur. Gemeinsam mit den logistischen Prozessen, die notwendig sind, um das Futtermittel zum Tier zu bekommen, addiert sich all dies zu einer schädlichen Klimabilanz auf

Rinder produzieren zudem in ihren Mägen das klimaschädigende Methan und scheiden dies in die Umwelt aus. Auch durch die Lagerung von Mist und Gülle entstehen klimaschädigende Gase. Durch den Transport der Rinder von der Weide bis später als Steak zur Fleischtheke wird CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Daraus ergibt sich die Formel: Weniger Fleisch = weniger CO2.

„Ins Ranking der klimaschädlichen Lebensmittel gehört jedoch nicht nur Fleisch, sondern die ganze Bandbreite der tierischen Lebensmittel“, sagt Suckow. Als besonders klimaschädlich stechen neben Fleisch und Wurstwaren auch Milch- und Molkereiprodukte heraus, allen voran Butter und Käse. Der Verbrauch solch tierischer Lebensmittel verursacht laut einer neuen Studie des WWF rund 70 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen.

Was man selbst tun kann, um mit der Ernährung dem Klimawandel entgegenzuwirken: Wissenschaftler der sogenannten EAT-Lancet-Kommission hat einen Speiseplan – die Planetary Health Diet - erstellt, der die Gesundheit des Menschen und die Erde gleichermaßen schützen soll. Diese Ernährungsempfehlungen hat der WWF auf Deutschland übertragen und berechnet, wie sich veränderte Ernährungsgewohnheiten konkret auf das Klima auswirken würden.

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Danach gibt es folgende Empfehlungen:

  • Fleischkonsum reduzieren: Werden Sie zum Flexitarier – essen Sie also nur gelegentlich hochwertig produziertes Fleisch. Derzeit isst ein Durchschnittsdeutscher laut Suckow mehr als ein Kilo Fleisch in der Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch in der Woche zu essen – vor allem aus gesundheitlichen Gründen.

Ähnlich schlägt es auch die EAT-Kommission vor: Wer seinen Fleischkonsum ungefähr halbiert – die Wissenschaftler schlagen 470 Gramm pro Woche vor - liegt genau richtig. Diese Menge entspricht in etwa zwei Frikadellen und zwei Bratwürsten. Würden das alle Deutschen tun und stattdessen mehr Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen und Nüsse essen, würden jährlich 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger in die Atmosphäre abgegeben. Das entspricht laut WWF fast den gesamten Emissionen der deutschen Landwirtschaft. Diese liegen bei 66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Positiver Nebeneffekt: weltweit würden rund elf Millionen Menschen weniger vorzeitig an ernährungsbedingten Erkrankungen sterben, rechneten die Wissenschaftler hoch.

  • Butter vom Brot: Auch wenn es sich um ein vegetarischer Produkt handelt: Butter gilt laut der WWF-Studie als größter Klimakiller nach dem Rindfleisch. Durch die konventionelle Produktion eines Kilos Butter gehen rund 13 Kilogramm CO2-Äquivalente in die Luft. Zum Vergleich: Bei Rindfleisch sind es rund 25. Was dieses tierische Fett so problematisch für das Klima macht: Für die Herstellung ist jede Menge Milch erforderlich. Das wiederum macht eine intensive Kuhhaltung erforderlich. Durch Verdauungsgas und Futterproduktion werden viele Treibhausgase frei. Dass führt zur Klimaerwärmung.

Wer nicht ganz auf Pflanzenmargarine umsteigen mag, tut auch schon etwas Gutes fürs Klima, wenn er die Buttermenge reduziert.

  • Mehr Grünzeug auf den Teller: Es ist gesund und nutzt dem Klima. Gemüse schneidet bei der CO2-Bilanz unter allen Grundnahrungsmitteln am besten ab. Vor allem dunkelgrünes Gemüse wie Spinat oder Brokkoli sollte auf dem Teller liegen, raten die Experten der EAT-Kommission. Vegetarier und Veganer machen es also im Klimasinne genau richtig. Die Ernährung eines Vegetariers oder Veganers verursacht nur etwa halb so viele Treibhausgase wie die Ernährung im deutschen Durchschnitt.
  • Anteil von Hülsenfrüchten und Nüssen erhöhen: Viele legen sich nicht nur aus Genussgründen Fleisch auf den Teller, sondern auch, um genug Protein aufzunehmen. Zwei Drittel des Bedarfs wird derzeit so gedeckt. Die Experten raten jedoch aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen nicht mehr als 25 Prozent des Eiweißbedarfs über Fleischkonsum zu decken. Linsen, Erbsen oder andere Hülsenfrüchte sind eine pflanzliche Alternative.
  • Regional und saisonal essen: Das spart Transportwege und Lagerungsressourcen und entlastet so die Klimabilanz.
  • Weniger Milch und Käse: Je weniger Fett, desto klimafreundlicher ist Käse. Durchschnittlich fallen für Käse 8,5 Kilo CO2-Äquivalente an. Milch belastet das Klima mit 1,63 kg CO2-Äquivalenten.
  • Lebensmittel essen statt wegwerfen: Mehr als 18 Millionen Tonnen essbarer Lebensmittel landen nach Berechnungen des WWF jedes Jahr in Deutschland im Müll statt auf dem Teller. 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel wandern pro Sekunde in die Tonne, so ein anderes Rechenbeispiel. Sie zeigen ein unvorstellbares Maß an Lebensmittelverschwendung. Werden Lebensmittel produziert, verbraucht man Ressourcen. Wirft man sie weg, hätte man sich zuvor Anbau, Bewässerung, Transport, Verpackung und vieles mehr sparen können.
  • Auf Nachhaltigkeit achten: Ökolandbau ist gegenüber konventionellem Landbau klimafreundlicher, weil er auf Kunstdünger verzichtet und weniger Viehbestand je Fläche hat. Zudem bindet ein ökologisch bewirtschafteter Boden laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mehr CO2.