Alle Infos zur COP 28 in Dubai Was bringt das Klima-Spektakel in der Wüste?

Düsseldorf · In Dubai tagt die Klimakonferenz (COP 28). Wieder ringen Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten um die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Streit gibt es ums Geld. Die wichtigsten Fragen.

 In Ägypten gab es Streit ums Geld für die armen Staaten.

In Ägypten gab es Streit ums Geld für die armen Staaten.

Foto: dpa/Peter Dejong

Der Erde geht es nicht gut: Das 1,5-Grad-Ziel ist in Gefahr, Eisschilde und Gletscher schmelzen. Hitzewellen, Dürren und Hochwasser treten immer öfter auf. Die Maßnahmen vieler Länder sind nicht ambitioniert genug. Darum geht es auf der Weltklimakonferenz in Dubai.

Was ist die Weltklimakonferenz?

Die Weltklimakonferenz tritt jährlich zusammen, immer in einem anderen Land. Auf Einladung der Vereinten Nationen (UN) debattieren rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann und welchen Beitrag reiche und arme Länder leisten können.

Was bedeutet die Abkürzung COP?

COP steht für „Conference of the Parties“, also die Konferenz der Parteien – gemeint sind jene Staaten, die die Klima-Rahmenkonvention einst bei einem Treffen in Rio de Janeiro unterschrieben haben. Die Konferenz findet in diesem Jahr zum 28. Mal statt – deshalb COP 28.

Wann findet die COP 28 statt?

Die COP 28 findet vom 30. November bis zum 12. Dezember 2023 statt.

Was sind die Themen der COP 28?

Es gibt zwei dominierende Punkte, erläutert Manfred Fischedick,  Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie: Zum einen geht es um eine Bestandsaufnahme der weltweiten Klimaschutzbemühungen - „Global Stocktake“ genannt.  Zum anderen geht es um Frage, wie man den 2022 vereinbarten Loss&Damages-Fonds mit Leben füllt. Die reichen Staaten sollen in den Fonds einzahlen, vom Klimawandel besonders betroffene arme Staaten sollen für Klimaschäden ( „damages“) eine Kompensation erhalten. „Beim Global Stocktake wird man feststellen, dass die Welt weit entfernt ist von einem Emissionspfad, der das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels mögliche machen würde“, betont Fischedick. Denn dafür sei bis 2030 eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen um 43 Prozent gegenüber 2019 nötig. „Zu erwarten sind gerade einmal zwei Prozent.“

Wo findet die Klimakonferenz COP 28 statt?

In diesem Jahr treffen sich Forscher, Politiker und Klimaaktivisten aus aller Welt in Dubai, der größten Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

Warum ist der Ausrichter umstritten?

Bizarr ist, dass ausgerechnet die Nummer zwei der Pro-Kopf-Sünderliste, Ausrichter sind. Und ausgerechnet der Chef eines der weltgrößten Ölkonzerne, Sultan Ahmed Al-Jaber, ist Präsident der COP 28. Er führt im Hauptberuf den Konzern Adnoc, der gerade den Leverkusener Chemiekonzern Covestro übernehmen will. Kann und will ein Manager der fossilen Industrie die nötigen einschneidenden Maßnahmen in der Klimapolitik erzwingen und Verhandlungen dazu moderieren? Mit Al-Jaber habe man den Bock zum Gärtner gemacht, sagt denn auch Martin Kaiser. Deutschland-Chef von Greenpeace. Al-Jaber weist die Vorwürfe zurück, gerade er habe sich mit Transformation und Nachhaltigkeit seit Jahren befasst. Geläuterte könnten auch die Eifrigsten sein.

Welche Länder nehmen an der Klimakonferenz teil?

Fast alle. An der Konferenz 2022 nahmen 197 Vertragsstaaten teil. Hinzu kamen als Beobachter Hunderte internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen. Auch viele Staatschefs wollen kommen, so etwa Kanzler Olaf Scholz. US-Präsident Joe Biden hat abgesagt.

Welche Ziele hat Europa für die COP 28?

Widerstreitende. Es gibt Länder, die machen beim Kohleausstieg Tempo. Andere wie Polen sind dagegen noch stark abhängig von der Kohle und wollen vorerst auch nicht davon lassen. Deutschland will bis 2038 aus der Kohle aussteigen, NRW bis 2030. Vor allem Braunkohle ist mit vielen Emissionen verbunden. Frankreich setzt auf Atomkraft, Deutschland will davon nichts mehr wissen und ist ausgestiegen.

Wie werden auf der Klimakonferenz Entscheidungen getroffen?

In der ersten Sitzungswoche bereiten Fachbeamte Entscheidungen vor und treffen sich in zwei Unterorganen, wie die Organisation „Fridays For Future“ (FFF) erläutert. Das SPI (Science Policy Interface) soll wissenschaftliche Erkenntnisse in Vorschläge umwandeln. Der SBSTA (Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice) soll Rat zu wissenschaftlichen und technologischen Themen geben. Nach einer Woche stellen die Organe eine Zwischenbilanz vor. Dann reisen Regierungschefs und Minister an. „Die wichtigsten Staaten – in der Regel die USA, EU, China, Indien, Brasilien, Südafrika, Indonesien und Saudi-Arabien – geben im Plenum ihre Erklärungen ab, während in Hinterzimmern Deals ausgehandelt werden“, beschreibt es FFF. Schließlich müssen die vielen Vorschläge und Formulierungen in einen Abschlusstext zusammengeführt werden. Das hängt oft am seidenen Faden, die wichtigsten Entscheidungen fallen meist in den letzten beiden Konferenz-Tagen.

Wer sind die größten Klimasünder?

Der Klimawandel geht vor allem auf den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen zurück, die dafür sorgen, dass die Atmosphäre sich aufheizt, was die Gefahr von Dürren, gigantischen Waldbränden und Fluten begünstigt. CO2 entsteht immer dann, wenn fossile Brennstoffe im Kraftwerk, Heizungskessel, Motoren von Flugzeugen und Autos verbrannt werden. Der größte CO2-Emittent ist China mit einem Anteil von fast 30 Prozent an den globalen Emissionen. Es folgen die USA (13,9 Prozent), Indien (6,9 Prozent), Russland (4,6 Prozent). Deutschland kommt mit einem Anteil von zwei Prozent auf Platz sechs. Pro Kopf sieht die Rangliste ganz anders aus: Hier belegen die Öl-Staaten Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien  die erste drei Plätze der Sünder-Liste. Die USA folgen erst auf Platz 5, haben pro Kopf aber fast doppelt so hohe Emissionen wie China.

Was ist der größte Konflikt auf der COP 28?

Das ist der Streit zwischen armen und reichen Ländern. Das Problem: Reiche Staaten wie auch Deutschland haben beim historischen Aufbau ihrer Industrie und ihres Wohlstands sehr viel Kohlendioxid emittiert. Das macht es schwierig, den armen Staaten nun ein Aufholen zu verbieten. „Mit Blick auf den Loss&Damages-Fonds ist eine intensive Diskussion darüber zu erwarten, wer von dem Fonds profitieren kann - nur die 30 verletzlichsten Staaten oder eine breite Palette von Entwicklungsländern?“, erwartet Fischedick. Vor allem werde es Streit darum geben, wer in den Fonds einzahlen soll. „Neben den Industrieländern, die als Einzahlende gesetzt sind, wird Druck auf China als den größten Emittenten von Treibhausgasemissionen ausgeübt, aber auch auf die reichen Staaten am Golf mit Dubai als dem Ausrichter der Konferenz an der Spitze“, so der Forscher. Es sei eine zentrale Frage der Glaubwürdigkeit, ob es hier Fortschritte gebe - der müssten sich die Industrieländer stellen. Hier hat es aber schon am ersten Tag Fortschritte gegeben, Deutschland und der Gastgeber VAR gehen voran und geben Geld.

Wann wird die COP 28 ein Erfolg?

Die Weltklimakonferenz geht über rund zwei Wochen. Erst diskutieren die Fachleute, später reisen Minister und Staatschefs an. Auch Kanzler Olaf Scholz will dabei sein. US-Präsident Joe Biden hat abgesagt. „Es besteht eine realistische Chance, dass sich die Staatengemeinschaft auf ein gemeinsames Ausbauziel für die erneuerbaren Energien einigt (Verdreifachung der installierten Kapazitäten bis 2030) und auch Ziele für die Verbesserung der Energieeffizienz formulieren wird“, sagt Manfred Fischedick. Ein großer Erfolg wäre es hingegen, wenn es parallel dazu gelingen würde, klare Aussagen über den notwendigen stufenweisen Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und die drastische Reduktion klimaschädlicher Subventionen zu formulieren. „Dies erscheint angesichts der Blockade zentraler Ölförderländer wie Russland und Saudi-Arabien aber unwahrscheinlich“, so der Wuppertaler Forscher. Wenn es schlecht läuft, endet die COP 28 wie die COP 27 - mit großer Ernüchterung, die die Welt sich eigentlich nicht leisten kann.

Wann findet die nächste Klimakonferenz statt?

Im Herbst 2024.

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