Vor Uno-Klimagipfel in Durban: Töpfer: Klimawandel ist nicht mehr vermeidbar

Vor Uno-Klimagipfel in Durban : Töpfer: Klimawandel ist nicht mehr vermeidbar

Der ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, rechnet nicht einem globalen Klimaschutzabkommen beim Klimagipfel in Durban. Trotzdem dürfe es keine Pause im Klimaschutz geben, sagte Töpfer (CDU) am Sonntag im Deutschlandfunk.

Inzwischen dürfe nicht mehr nur nach der Verringerung der CO2-Emissionen gefragt werden. Vielmehr sei der Klimawandel "nicht mehr vermeidbar" und es müsse gefragt werden, wie sich die Menschheit dem "anpassen" könne.

Der frühere Bundesumweltminister beklagte eine weitere Zunahme der Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). "Man könnte fast resignieren", sagte er. "Im letzten Jahr haben wir einen Rekordanstieg an CO2 gehabt in der Welt, 5,8 Prozent." Mit dem Kyoto-Protokoll sollte eine deutliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen erreicht werden.

Die Energiewende der Bundesregierung kann Töpfer zufolge Vorbildwirkung für andere Länder haben, wenn sie gelingt. "Man beachtet sehr genau, ob wir aus der Tatsache, dass wir aus der Kernenergie aussteigen, etwa laxer umgehen, also nicht so genau mehr hingucken, wie die CO2-Emission bei uns ist, und ob es uns gelingt, mit erneuerbaren Energien diese Lücke zu füllen und damit auch eine Zukunftsantwort zu haben", sagte der ehemalige Bundesumweltminister. Er gehe davon aus, dass die Energiewende gelingt.

Deutschlands Energiewende ist beispiellos

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland sei eine "in der Welt beispiellose Weiterentwicklung" der Energieversorgung, sagte Töpfer. Er rechne damit, dass es bis 2020 gelinge, mehr als die geplanten 35 Prozent der Stromversorgung auf erneuerbare Quellen umzustellen. Zur Debatte um verpflichtende Einsparungen für mehr Energieeffizienz sagte Töpfer, die Regierung könne nicht nur auf Freiwilligkeit setzen. Notwendig seien auch ordnungsrechtliche Instrumente.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat sich vor dem Uno-Klimagipfel dafür ausgesprochen, in der Weltklimapolitik ein einheitliches CO2-Budget für jeden Menschen festzulegen. "Es ist vernünftig und geboten, eine globale Wettbewerbsordnung zum Schutz des Klimas einzuführen", sagte Röttgen dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Röttgen will CO2-Kopfbudget für jeden Menschen

Das Endziel sei ein Pro-Kopf-Budget für die Emission von Treibhausgasen, das für jeden Menschen auf der Welt gelte. Die Erfolgsaussichten der Konferenz in Durban bewertete Röttgen skeptisch. "In vielen Ländern der Weltgemeinschaft sinkt die Bereitschaft, verpflichtende Vorgaben für den Klimaschutz zu akzeptieren - gleichzeitig schreitet der Klimawandel voran".

Die UN-Klimakonferenz findet von Montag bis zum 9. Dezember im südafrikanischen Durban statt. Vertreter aus 194 Staaten und die EU wollen dort nach Auswegen aus den festgefahrenen Klimaverhandlungen suchen. Mit einem umfassenden, rechtlich verbindlichen Abkommen rechnet allerdings niemand mehr. Erwartet wird vielmehr, dass vor allem die Beschlüsse aus dem vergangenen Jahr zum Klimafonds oder zum Waldschutz präzisiert werden.

Offiziell wird immer noch um ein Nachfolgeabkommen für das sogenannte Kyoto-Protokoll gerungen, das einzige völkerrechtlich verbindliche Klimaschutzabkommen. Mehr als 170 Unterzeichnerstaaten verständigten sich 1997 im japanischen Kyoto darauf, den weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß bis 2012 um rund fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. 37 Industriestaaten haben sich mit dem Abkommen dazu verpflichtet, dieses Ziel zu erreichen. Ende 2012 läuft die erste Verpflichtungsperiode des Protokolls aus.

Vor allem die Entwicklungsländer fordern von den Kyoto-Staaten eine Neuauflage des Protokolls. Diese sind dazu allerdings nur dann bereit, wenn andere relevante Verschmutzer zu ähnlichen Zugeständnissen bereit sind. Dazu gehören vor allem die USA, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, sowie China und Indien.

Hier geht es zur Infostrecke: Fragen und Antworten zum Klimagipfel in Durban

(KNA)