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Hitze-Rekord von 2016 wird wohl bereits in den nächsten Jahren gebrochen

UN-Experten : Hitze-Rekord von 2016 wird wohl bereits bis 2026 gebrochen

Das bislang wärmste Jahr seit Wetteraufzeichnung war 2016. Dieser Rekord wird mit 93-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits in den nächsten fünf Jahren gebrochen, sagen UN-Experten. Auch zu Regenfällen in Nordeuropa gibt es eine Prognose.

Wetterexperten rechnen mit einem neuen Hitze-Rekordjahr bis 2026 und einem weiteren Anstieg der Durchschnittstemperatur über diesen Zeitraum. Das ist einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf zu entnehmen.

Das bislang weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war 2016. In dem Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850-1900). Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Rekord bis 2026 gebrochen wird, liege bei 93 Prozent, so die WMO. Genauso wahrscheinlich sei es, dass die durchschnittliche Temperatur über den Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 höher liege als in den fünf Jahren davor. Die Berechnungen hat die britische Meteorologiebehörde für die WMO vorgenommen.

Die globale Durchschnittstemperatur eines Jahres könnte bis 2026 zudem erstmals mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. 2015 galt es noch als praktisch ausgeschlossen, dass die Marke von 1,5 Grad innerhalb von fünf Jahren erreicht wird. In dem Jahr einigte sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen, die dauerhafte Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Nun berichtet die Weltwetterorganisation, die Wahrscheinlichkeit, dass im Fünf-Jahres-Zeitraum 2022 bis 2026 mindestens ein Jahr eine Temperatur von über 1,5 Grad erreiche, liege bei fast 50 Prozent. Das heißt aber nicht, dass die 1,5-Grad-Marke in diesem Fall dauerhaft überschritten wird, in den Folgejahren könne der Wert auch wieder niedriger liegen, so die WMO. Im Schnitt rechnen Experten für die kommenden Jahre aber mit weiter steigenden Temperaturen.

Im vergangenen Jahr lag die globale Durchschnittstemperatur nach dem vorläufigen Klimabericht der WMO 1,1 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Den endgültigen Wert veröffentlicht die WMO am 18. Mai. Die britischen Meteorologen gehen davon aus, dass die Durchschnittstemperatur in diesem und den kommenden vier Jahren zwischen 1,1 und 1,7 Grad über vorindustriellem Niveau liegen wird.

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 legt als Ziel fest, den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Ära zu begrenzen. In den Jahren 2017 bis 2021 lag die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wert überschritten wird, noch bei 10 Prozent. WMO-Generalsekretär Petteri Taalas warnte, die Schwelle von 1,5 Grad sei nicht zufällig. Sie markiere „den Punkt, an dem Klimafolgen zunehmend schädlich für Menschen und für den ganzen Planeten werden“.

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Taalas wiederholte die Warnungen vor einem fortgesetzten Treibhausgas-Ausstoßes und den daraus resultierenden wärmeren und saureren Weltmeeren, einer Schmelze von Meereis und Gletschern, steigenden Meeresspiegeln und extremeren Wetterlagen. Die arktische Erwärmung sei unverhältnismäßig hoch. Die Temperaturabweichung in der Arktis wird den Berechnungen zufolge mehr als dreimal so hoch ausfallen wie die globalen Veränderungen, verglichen mit dem Durchschnitt von 1991 bis 2020.„Was in der Arktis passiert, betrifft uns alle“, so der Chef der UN-Organisation.

Leon Hermanson, Leiter der aktuellen Analyse beim britischen Wetterdienst Met, betonte, eine Überschreitung der 1,5-Grad-Marke in einem einzigen Jahr bedeute noch nicht den Bruch der Schwelle des Paris-Abkommens. Aber sie zeige, „dass wir näher an eine Situation rücken, in der 1,5 Grad über einen längeren Zeitraum überschritten werden könnten“. 2021 lag die globale Erwärmung laut einer vorläufigen WMO-Berechnung bei 1,1 Grad.

Für dieses Jahr rechnen die Meteorologen damit, dass es in Südwesteuropa und im Südwesten Nordamerikas trockener ist als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. In Nordeuropa, der Sahel-Zone, Nordostbrasilien und Australien dürfte es dagegen feuchter werden.

(peng/kna/dpa)