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Greta Thunberg in Mailand: „Es gibt keinen Planeten bla, bla, bla“

Greta Thunberg beim Jugend-Klimagipfel : „Es gibt keinen Planeten bla, bla, bla“

Am Dienstag ist in Mailand der Jugend-Klimagipfel eröffnet worden. Dabei hat die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg der internationalen Gemeinschaft drei Jahrzehnte der Untätigkeit und des "Bla bla" in punkto Klimaschutz vorgeworfen.

"Es gibt keinen Planeten B, es gibt keinen Planeten bla, bla, bla, grüne Wirtschaft bla bla, CO2-Neutralität bis 2050 bla bla", sagte die 18-jährige Aktivistin am Dienstag unter tosendem Applaus bei der Eröffnung eines Jugend-Klimagipfels in Mailand.

"Das ist alles, was wir von unseren sogenannten Führungen hören. Worte. Worte, die gut klingen, aber zu keinerlei Handeln geführt haben", sagte Thunberg. Den Regierungen warf sie vor, sich "schamlos" selbst zu unzureichenden Zusagen zur Reduzierung von Emissionen und Finanzierungsversprechen zu "beglückwünschen". Die Träume und Hoffnungen künftiger Generationen seien "mit leeren Worten und Versprechen ertränkt" worden. Der "bewusste Mangel an Taten" sei ein "Verrat an allen gegenwärtigen und künftigen Generationen".

An der dreitägigen Veranstaltung in Mailand nehmen rund 400 Jugendaktivisten aus knapp 200 Ländern teil. Sie wollen eine gemeinsame Erklärung erarbeiten, die bei einem Ministertreffen Ende der Woche vorgelegt werden soll. Im November findet im schottischen Glasgow die nächste UN-Klimakonferenz COP26 statt.

Das Ende 2015 beschlossene Pariser Klimaschutzabkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter beschränken und gilt als Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel. Ein kürzlich veröffentlichter UN-Bericht sieht die Erde aber ohne ein radikales Umsteuern auf dem gefährlichen Pfad einer Erwärmung um 2,7 Grad.

Zeitgleich hat die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer den Versuch von Unionskanzlerkandidat Armin Laschet, trotz Wahlverlusten die kommende Bundesregierung anzuführen, als „lächerlich“ bezeichnet. „Die Union weiß selber, dass das lächerlich wäre“, sagte Neubauer dazu am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Ergebnisse der Bundestagswahl stünden für sich. Sie wolle deshalb auch nicht das Abschneiden der Grünen bewerten, sagte Neubauer, die selbst Mitglied bei der Partei ist. „Die Grünen können ihre eigenen Wahlergebnisse selbst bewerten, und das machen sie ja auch.“

Als Klima-Bewegung sei es grundsätzlich nicht ihre Aufgabe, über Koalitionsoptionen zu spekulieren. „Für uns ist nicht die Parteifarbe entscheidend, sondern ob schnell genug und so gerecht wie möglich Emissionen auf null gebracht werden“, sagte Neubauer mit Blick auf den Ausstoß von Treibhausgasen, der die Erdatmosphäre mit jedem Jahr heißer macht und die Auswirkungen des Klimawandels verschlimmert.

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Alle großen demokratischen Parteien hätten auf den Druck der Aktivisten hin das Versprechen abgegeben, dass sich die Erde möglichst nicht um mehr als 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmen dürfe. Jetzt, nach der Bundestagswahl, müssten die Parteien dieses Versprechen einhalten, sagte Neubauer.

Sie machte außerdem deutlich, dass die Aktivisten auch nach der Bundestagswahl den Druck auf die politischen Entscheidungsträger unabhängig von möglichen Regierungsbündnissen erhöhen würden. „Wir werden nicht aufhören, das Handeln der Regierung am Pariser Klimaabkommen zu messen, egal ob Jamaika, GroKo oder Ampel-Koalition.“

In den vergangenen 40 Jahren hätte „jede Koalition die Möglichkeit gehabt, die Klimakrise ernsthaft anzugehen“. Stattdessen habe man „leere Versprechen abgegeben“ und die Wissenschaft ignoriert, sagte Neubauer.

(felt/AFP)