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Gewitter: Alle Tipps und Infos zum Thema

Gewitter : Wie Sie Blitz und Donner unbeschadet überstehen

Das Klima verändert sich auf der Erde. Hitze, Hagel, Starkregen und Sturmböen sind die Begleiterscheinungen. Aber auch heftige Gewitter mit Blitz und Donner nehmen in der Tendenz deutlich zu. Lesen Sie die wichtigsten Tipps und Infos rund um das Gewitter.

Schauer und Gewitter unterscheiden sich dadurch, dass es bei letzterem zusätzlich blitzt und ein Donner ausgelöst wird. Es gibt viele Regeln: Bei Gewitter sollte man nicht duschen und sich unter Bäumen wie Buchen schützen, heißt es häufig. Doch ist dies wahr oder falsch?

Eines vorweg: Mit einem Gewitter, bei dem es sich tatsächlich um eine große Naturgewalt handelt, ist nicht zu spaßen. Hier sollten sowohl im Freien als auch zu Hause gewisse Regeln beachtet werden, damit kein Blitz zum Verhängnis wird. Wie man sich bei einem Gewitter am besten verhält, wird im folgenden Ratgeber zusammengestellt.

Wie entsteht ein Gewitter?

Einst glaubten die Menschen, dass hinter Naturerscheinungen wie Blitz und Donner Götter steckten. Die Griechen verehrten Zeus und die Römer Jupiter. Die Kelten wiederum machten den Donnergott Taranis für die Himmelsphänomene verantwortlich und die Germanen Thor.

Heute wissen wir, dass mit grellen Blitzen und krachendem Donner einhergehende Gewitter Naturerscheinungen sind, die von Regenfällen begleitet werden. Sie entstehen oft in den warmen bis heißen Monaten des Sommers, wenn es warm und feucht ist. Nicht ohne Grund empfinden wir vor einem Gewitter, es sei drückend schwül. Denn je mehr die Luft mit Wassertröpfchen gesättigt ist, umso weniger kann der Schweiß auf der Haut verdunsten.

Voraussetzung für die Entstehung von Gewittern ist die Einwirkung der Sonne. Die energiereiche Sonnenstrahlung lässt die Feuchtigkeit aus dem Boden oder aus Gewässern verdunsten. Es entsteht eine feucht warme Luftmasse in unmittelbarer Nähe des Bodens. Diese Luft steigt relativ schnell in die hohen, kalten Schichten der Atmosphäre auf.

Infolgedessen kondensiert die Luftfeuchte. Es bildet sich eine vertikal aufstrebende Cumulonimbus-Wolke, die durch ihre Form eines Ambosses als Gewitterwolke zu erkennen ist. Oftmals reichen solche Wolken bis in Höhen von zehn Kilometern.

Blitz und Donner

In einer Gewitterwolke herrschen starke Auf- und Abwinde und die sich darin befindlichen Wassertropfen, Eiskugeln und Kugeln aus einem Eis-Wasser-Gemisch wirbeln wild durcheinander. Durch die hohen Geschwindigkeiten im Inneren der Wolke werden die leichten Wassertropfen in die Höhe gerissen. Dort gefrieren sie, es lagern sich weitere Eiskristalle an und fallen aufgrund ihrer zunehmenden Größe und Schwere wieder in die Tiefe. Dabei stoßen sie oft zusammen und bauen allmählich eine elektrische Ladung auf.

Während sich die Eiskugeln positiv aufladen und sich weitgehend im oberen Teil der Gewitterwolke befinden, reichern sich die negativ geladenen Wassertropfen an der Unterseite der Wolke an. Im Laufe der Zeit baut sich ein immer größer werdendes elektrisches Spannungsfeld auf, das sich in einem gewaltigen Blitz entlädt. Im Zuge dessen dehnt sich die Luft im unmittelbaren Umfeld des Lichtblitzes explosionsartig aus und ein gewaltiger Donnerschlag ist zu hören. Übrigens: Ein Blitz ohne Donner gibt es nicht. Da sich das Licht schneller bewegt als der Schall, sieht man stets den Blitz zuerst.

Kann man erkennen, wie weit ein Gewitter entfernt ist?

Sonne, Wärme, Leichtigkeit. Mit diesen Begriffen bringt man in aller Regel seinen Urlaub in Verbindung. Doch was, wenn statt der Sonne ein Gewitter aufzieht? Zum Glück sind Gewitter meist nur von kurzer Dauer, und zwar eine bis anderthalb Stunden lang. Um herauszufinden, wie weit bzw. wie nah ein Gewitter ist, muss man lediglich die Sekunden zwischen einem Blitz und dem dazugehörenden Donner zählen und die Zahl durch drei teilen.

Wenn beispielsweise die Zeit zwischen Blitz und Donner neun Sekunden beträgt, dann ist das Gewitter ungefähr drei Kilometer entfernt. Wer es genauer wissen möchte, muss die Sekunden mit der Zahl 340 multiplizieren. Warum? Nun, der Schall breitet sich mit einer Geschwindigkeit von 340 Metern pro Sekunde aus. Wenn beispielsweise nach dem Blitz fünf Sekunden, bis der Donner gehört wird, vergehen, dann ist das Gewitter 1700 Meter bzw. 1,7 Kilometer vom eigenen Standort entfernt. Und jetzt in Erfahrung bringen will, ob sich das Gewitter nähert oder davonzieht, muss schlichtweg den nächsten Blitz und Donner abwarten und erneut eine Berechnung vornehmen. Sofern sich eine kürzere Entfernung ergeben sollte, kann davon ausgegangen werden, dass das Gewitter näher kommt.

Hinweis: Die Formel zur Bestimmung der Entfernung eines Gewitters lautet wie folgt: Entfernung in Kilometer = (Sekunden zwischen Blitz und Donnerschlag x Schallgeschwindigkeit) / 1000.

Gewitter-Warnstufen - gibt es verschiedene? Und was bedeuten sie?

Hochwasser, tropische Hitze, Gewitter und Stürme - die extremen Wetterlagen nehmen auch hierzulande immer mehr zu. Wenn das Wetter verrückt spielt, kommen damit immer größere Herausforderungen auf uns zu. Gut zu wissen, nach welchen Warnstufen Gewitter eingestuft werden.

Gemäß dem Deutschen Wetterdienst (DWD) gibt es vier Gewitter-Warnstufen, wobei Stufe 4 nur bei extremer Wetterlage vergeben wird.

  • Warnstufe 1 (gelb)
  • Warnstufe 2 (orange)
  • Warnstufe 3 (rot)
  • Warnstufe 4 (violett)

Warnstufe 1: Trotz modernster Hilfsmittel und intelligenten Wettermodellen gehört die Vorhersage von Gewittern zu den schwierigsten Aufgaben der Meteorologen. Nichtsdestotrotz unterteilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) das Ausmaß und die Stärke von Gewittern in vier Warnstufen. Die niedrigste Gewitter-Warnstufe - mit Gelb auf der Wetterkarte ausgezeichnet - wird ausgerufen, wenn mit einem Gewitter in Kombination mit Windböen zu rechnen ist. Wetterbedingt können je nach Region Gefährdungen auftreten.

Warnstufe 2: Wenn ein starkes Gewitter mit schweren Sturmböen, Starkregen oder Hagel auftritt, dann spricht der DWD die zweithöchste Gewitter-Warnstufe aus. Die mit der Farbe Orange gekennzeichnete Warnstufe steht stellvertretend für eine Wetterentwicklung, die zwar gewöhnlich ist, aber für Leib und Leben gefährlich sein kann.

Warnstufe 3: Bei einem schweren Gewitter, das mit Hagelschlag, heftigem Starkregen oder orkanartige Böen einhergeht, kann es im Freien sehr gefährlich werden. Da die Gewitter-Warnung der Stufe Rot eine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung darstellt, empfiehlt der Deutsche Wetterdienst, auf alltägliche Aktivitäten im Freien zu verzichten und Zuhause zu bleiben.

Warnstufe 4: Sicherlich, Unwetter gehören zur Natur dazu und einen absoluten Schutz vor diesen Naturgefahren gibt es nicht. Doch rechtzeitige und verlässliche Warnung vor extremen Unwettern können Leid, Schäden und Zerstörung vorbeugen und mindern. Und ein wichtiges, bewährtes Instrument bei Gewittern stellen die Warnungen des DWD dar. Wenn extremes Gewitter herrscht, das von Hagelschlag, extrem heftigem Starkregen oder extremen Orkanartigen Windböen bekleidet wird, ruft der Deutsche Wetterdienst die höchste Gewitter-Warnstufe, sprich die violette Warnstufe aus.

Wie verhält man sich richtig bei Gewitter?

In Deutschland werden im Laufe eines Jahres um die 700.000 Blitze gezählt. Sie können überall und zu jeder Jahreszeit auftreten. Den beste Schutz vor Blitzen bieten während eines Gewitters feste Gebäude. Aber auch das Auto, als sogenannter faradayscher Käfig, erweist sich als sicher, da der Strom durch das leitfähige Metall um das Innere herumgeleitet wird - genauso wie bei Eisenbahnen und Flugzeugen.

Raus aus dem Wasser

Die wohl gefährlichste Umgebung bei Gewittern stellt das offene Wasser dar. Mit anderen Worten: Das Baden in Seen und sonstigen Gewässern während eines Unwetters ist lebensgefährlich. Und zwar auch dann, wenn der Blitz in großer Entfernung ins Wasser einschlägt, da der Strom weitergeleitet wird. Vor diesem Hintergrund sollte man sich nach Möglichkeit so schnell wie nur möglich ans Land begeben und dort Schutz suchen.

Was sollte man beachten, wenn man im Freien vom Gewitter überrascht wird?

Falls man in sein Gewitter gerät, ist es empfehlenswert, sich je nach Stärke des Gewitters in ein Gebäude zurückzuziehen. Neben Häusern bieten grundsätzlich auch Brücken und Tunnel Schutz. Im Freien gilt es Hügel und freistehende, hohe Bäume zu meiden. Hier sollte man lieber einen Abstand von etwa zehn Metern halten. Am besten kauert man sich in eine Mulde im Erdreich. Dabei hockt man sich mit geschlossenen Beinen hin und umfasst die Knie. Wichtig ist es, die Kontaktmöglichkeit über die Erde gering zu halten. Ebenso sollte man sich nicht mit mehreren Personen zusammendrängen, sondern stattdessen Abstand halten. Mobiltelefone sowie Regenschirme sollten bei einem Gewitter nicht benutzt werden.

Darf man bei Gewitter duschen?

Richtiges Verhalten ist bei Gewitter sehr wichtig, denn durch einen Blitz kann es zu schweren Verletzungen und Schäden an den Geräten kommen. Vor allem die älteren Menschen ziehen in diesem Fall den Stecker des Fernsehers heraus. Doch wie sieht es mit Duschen oder Baden aus? Ist dies bei Donner und Blitz gefährlich? Grundsätzlich kann es bei einem Gewitter mit einer Gefahr in Verbindung stehen. Ob es tatsächlich der Fall ist, ist von der technischen Ausstattung des Gebäudes abhängig. Durch die Wasserleitungen aus Metall kann es bei einem Blitzeinschlag zur Übertragung kommen. Oftmals ist ein Blitzschutz vorhanden, beispielsweise auf dem Dach und an der Hauswand, doch dadurch ist in erster Linie das Gebäude geschützt.

Aber Achtung:

Dies betrifft nicht die Wasserleitungen im Badezimmer. Es muss auch einen inneren Schutz vor Blitzeinschlag geben, bei dem ebenso die Wasser- und Elektroleitungen geerdet sind. Dann ist es möglich, auch während eines Gewitters risikolos zu baden, da der Strom abgeleitet wird. Es gilt die Regel: Wenn man 30 Minuten keinen Donner mehr hört, ist das Gewitter zu Ende. Wasserrohre aus Kunststoff, wie es meist in Neubauten der Fall ist, leiten Strom und Blitze nicht. Im Urlaub im Ausland empfiehlt es sich, bei Gewitter nicht zu duschen oder zu baden, da viele Gebäude nicht genügend davor gesichert sind, dass ein Blitz einschlagen könnte.

Wie sicher ist man bei einem Gewitter im Haus?

An sich ist ein Gewitter innerhalb eines festen Gebäudes nicht gefährlich. Schaden kann ein Blitzeinschlag anrichten, denn hierbei entlädt sich elektrische Spannung. Eine Gefahr kann zum Beispiel durch Wasser- oder Stromleitungen bestehen, die vom Außenbereich in das Haus kommen. Die Wohngebäude hierzulande sind in der Regel durch einen Blitzableiter geschützt. Auch die Leitungen werden meist geerdet.

Wer sicher gehen möchte, kann zwischen empfindlichen Geräten und Steckdosen Überspannungsschutz-Stecker anschließen, um Schäden zu vermeiden. Allgemein wird dazu geraten, den Fernseher, Computer, das Telefon etc. auszuschalten. In Häusern ohne Überspannungsschutz sind diese Geräte stark gefährdet. Nicht nur die Elektronik kann beschädigt werden, es besteht auch eine Explosionsgefahr. Während eines Gewitters sollte auch nicht mit dem Festnetztelefon telefoniert, sondern stattdessen das Handy verwendet werden. Eine Ausnahme bilden schnurlose Geräte, denn diese stellen keine Gefahr dar.

Was tun, wenn man bei Gewitter unter freiem Himmel unterwegs ist?

Guter Tipp: Wer zwischen dem sichtbaren Blitz und Donner nur noch bis zehn zählen kann, sollte sich schnellstmöglich in Sicherheit bringen, denn dann ist das Gewitter bereits sehr nah. Wenn nur noch drei Sekunden vergehen, ist es nicht mal mehr einen Kilometer entfernt. Da der Blitz vorwiegend in die höchste Erhebung einschlägt, sollten Wanderer Felder verlassen.

Hügel, Seen oder andere Gewässer, Bäume, Masten, Höhlen und Überhänge werden am besten gemieden. Gut schützen Gebäude mit Blitzschutzsystem. Ansonsten sollte man sich eine Mulde oder andere tiefliegende Bereiche suchen, die nicht feucht sind, und in die Hocke gehen. Die Füße sind dabei geschlossen. Dann werden die Arme um die eigenen Beine gelegt, damit der Blitz wenig Angriffsfläche hat. Es gilt, den Boden mit möglichst wenigen Körperteilen zu berühren. Der Regenschirm wird am besten geschlossen, da er oftmals Metall enthält, das während des Gewitters nicht angefasst werden sollte.

Sind das Auto, Fahrrad und Motorrad bei Gewitter sicher?

Viele fragen sich, ob sie bei Gewitter im Auto sicher sind. Bei Fahrzeugen mit einer Karosserie, die gänzlich aus Metall besteht, fließt der Blitzstrom zur Erde ab, sodass sie sicher sind. Daher sollte das Auto während eines Gewitters nicht verlassen werden. Im Inneren des Fahrzeugs entsteht kein elektrisches Feld, allerdings sollten die Fenster geschlossen sein.

Es empfiehlt sich zudem, anzuhalten, denn mit dem Gewitter gehen verschiedene Risiken wie umfallende Bäume oder schlechte Sicht durch starken Regen einher. Fahrzeuge mit einer Glasfaser-Karosserie, beispielsweise Wohnmobile oder Cabrios ohne Dachgerüst, bieten keinen Schutz. Rad- oder Motorradfahrer sollten die Fahrt unterbrechen und mindestens drei Meter Abstand zum Rad oder Bike halten und, wie beschrieben, in die Hocke gehen, oder ein schützendes Gebäude mit Blitzableiter aufsuchen.

Ein paar abschließende Worte zum Thema Gewitter

Ein Gewitter sollte nicht unterschätzt werden. In neuen Häusern, in denen es Blitzableiter inklusive Erdung gibt, ist es möglich, währenddessen zu duschen. Zudem bestehen die Leitungen in der Regel aus Kunststoff, sodass sie zusätzlich schützen. Bei Metall darf nicht geduscht werden. Schäden an Elektrogeräten werden verhindert, wenn sie gänzlich vom Netz genommen werden.

Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung eines Überspannungsschutzes. Wer sich während eines Gewitters draußen aufhält, sollte sich in Sicherheit bringen, Abstand von metallischen Gegenständen nehmen und wie beschrieben in die Hocke gehen. Autos, die über eine Ganzmetallkarosserie verfügen, sind ideal. Anders als oft vermutet, empfiehlt es sich nicht, sich unter einen Baum zu stellen, denn die Baumkrone ist ein höherer Punkt, sodass der Blitz hier eher einschlägt, vor allem in der Verbindung mit Feuchtigkeit durch Regen.

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