Hamburger Ozeankonferenz: Forscher: Nutzungssteuer für Meeresschutz

Hamburger Ozeankonferenz : Forscher: Nutzungssteuer für Meeresschutz

Hamburg (RPO). Bei der ersten Hamburger Ozeankonferenz haben Meeresforscher aus Europa und den USA einen nachhaltigen Schutz der Meere gefordert. "Wir verschenken das Tafelsilber der Meere, noch bevor wir es richtig kennen", sagte die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, Karin Lochte, am Freitag.

"Nur ein Bruchteil der Lebewesen in den Ozeanen ist bekannt, und es gibt viel zu wenig Informationen über Technologien zur Nutzung der Meere", sagte Doris König von der Bucerius Law School. Daher falle es schwer, dringend notwendige internationale Regeln aufzustellen. Selbst wenn mühselig erarbeitete internationale Meeresübereinkommen existierten, würden diese von den Staaten nicht immer umgesetzt, weil eigene Interessen dem entgegenstünden oder die Kapazitäten fehlten.

Schutz bis zu hundertmal günstiger als Folgenbeseitigung

Den Angaben zufolge kosten die Folgen eines falschen Umgangs mit den Ozeanen die Gesellschaft zehn- bis hundertmal mehr als deren vorsorglicher Schutz. "Es passiert vielmehr an Verschmutzung durch Ölaustritt, als wir auch nur ahnen", sagte die Direktorin der Dräger-Stiftung und Organisatorin der Konferenz, Petra Pissulla. Zur Finanzierung der Schutzmaßnahmen sprachen sich die über 70 Konferenzteilnehmer für eine international gültige Meeressteuer für alle Nutzer aus.

Es war das erste von insgesamt drei Treffen zwischen der EU und den USA zur Vereinbarkeit von Schutz und Nutzung der Ozeane. Die Serie wird von der Dräger-Stiftung in Kooperation mit der Columbia Universität in New York und dem Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" durchgeführt. In den kommenden Jahren sollen weitere Konferenzen in New York und Lissabon folgen. Ziel der Serie sei es, die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse schneller in politisches Handel zu integrieren.

"Die Konferenz war eine Grundlage auch für weitere Zusammenarbeit über den Atlantik, die wir auch aufgreifen werden", sagte Paul Nemitz von der Generaldirektion Maritime Angelegenheiten und Fischerei der Europäischen Kommission. Seine Behörde werde im Herbst eine Strategie für eine integrierte Meerespolitik im Atlantik vorlegen. Vor diesem Hintergrund sei die Zusammenarbeit mit Nordamerika ein wichtiges Thema.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fakten über das Meer

(apd/felt)
Mehr von RP ONLINE