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Einkaufen und Klima schützen: Jennifer Sieglar und Umweltschützer geben Verbrauchertipps

Moderatorin Jennifer Sieglar und Umweltschützer geben Tipps : Wie man beim Einkaufen etwas für den Klimaschutz tun kann

Alle wollen jetzt den Planeten retten. Aber in letzter Konsequenz ist klimafreundlicher Konsum ganz schön zäh. Kauft man lieber blütenweißes Toilettenpapier oder die gräuliche Recyclingvariante? Duschgel oder Duschseife? 14 Tipps, wie sich der Einkauf trotzdem leicht klimafreundlicher machen lässt.

Der Weltklimabericht, die Flutkatastrophe und ein kühler Sommer in NRW – für viele ist der Klimawandel sehr spürbar geworden. Damit reift das Bewusstsein, selbst mehr für den Klimaschutz tun zu müssen. Immerhin halten 65 Prozent der Deutschen Klima- und Umweltschutz für wichtige Themen – und das trotz Corona, hält das Umweltbundesamt fest.

Dennoch weiß fast jeder aus eigener Erfahrung: Auch wenn der Wille zur Veränderung grundsätzlich gefasst ist - wenn es um Konsum und Shoppen geht, schlagen Bequemlichkeit, Modebewusstsein, persönliche Vorlieben und Routine zu. Das kennt auch Fernsehreporterin Jennifer Sieglar. „Ich bin gar keine Öko-Tante. Ich bin schon immer gerne in Urlaub geflogen, kaufe oft zu viele Klamotten und komme aus einer Kleinstadt, die regelmäßig den Preis für die beste hessische Fleischwurst erhält – Vegetarierin bin ich also nicht“, sagt sie.

Doch dann kam es bei ihr mit dem Weltklimagipfel in Paris 2016 zu einer Initialzündung. Die Politik steckte sich das 1,5 Grad-Ziel. Um das aber erreichen zu können, müssen die Treibhausemmissionen weltweit zwischen 2045 und 2060 auf null zurückgefahren werden. Aber es gab kein einziges konkretes Vorhaben. Enttäuscht beschließt Sieglar, nicht auf die Ideen anderer zu warten, sondern selbst etwas zu tun.

Sie startet eine Umwelt-Challenge, bei der sie jeden Monat eine neue klimafreundliche Herausforderung angeht. Erstes Monatsziel: weniger Plastikmüll zu produzieren.

Pro Kopf fallen jährlich in Deutschland mehr als 227 Kilogramm Verpackungsmüll an, wie das Umweltbundesamt (UBA) meldet. In der Corona-Krise stieg das Müllaufkommen laut UBA sogar noch an. Bei Glas und Metall ist der Verbrauch dagegen rückläufig. Über 60 Prozent des Obst und Gemüses wird in Deutschland in Plastik- oder Papierverpackungen statt lose verkauft, sagt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Kartoffeln und Paprika alle einzeln aufs Fließband im Supermarkt zu legen, hielt die Journalistin dennoch weder für die Kassiererin, noch für ihren Heimtransport für zumutbar. Aber: Joghurt oder Milch im Glas zu kaufen, war machbar. Auch das Umsteigen von PET auf Mehrwegglasflaschen zählte dazu, ebenso wie auf Trinkwasser aus der Leitung umzusteigen. Ihre Schätzbilanz: 700 Plastikflaschen im Jahr lassen sich so einsparen.

Wie man Verpackungsmüll zudem vermeiden kann:

  • Der schnellere Ausbau der erneuerbaren Energien
    Wahlprogramme 2021 : So wollen die Parteien nach der Wahl den Klimaschutz angehen
  • Das Gremium muss die betroffenen Bereiche
    CDU stellt Änderungsantrag im Stadtrat : Klimabeirat braucht Breite
  • Ohne die energetische Sanierung von Gebäuden
    Umweltpolitik in Neuss : Die Furth wird Klimaschutz-Vorreiter
  • Mehrfachverpackung meiden: Immer noch sind Produkte oft doppelt oder dreifach verpackt: Kosmetikflaschen werden beispielsweise zusätzlich im Karton angeboten. Halten Sie bewusst nach Alternativen Ausschau.
  • Kaffeekapseln umgehen: Wenn schon Kaffeekapseln, dann am besten wiederbefüllbare Mehrwegkapseln. Denn durch die sonst angebotenen Aluminiumkapseln entstehen laut der Deutschen Umwelthilfe jährlich 8.000 Tonnen Verpackungsmüll. Auch wenn sich Aluminium grundsätzlich wiederverwerten lässt, entsteht aus den Kaffeekapseln nur minderwertiger Aluminium, mit dem sich nicht mehr viel anstellen lässt. Die Deutsche Umwelthilfe rät zudem auch davon ab, dass Pendant aus biologisch abbaubarem Kunststoff zu kaufen. Viele Kompostierungsanlagen haben Probleme mit dem abbaubaren Kunststoff und sortieren ihn deshalb aus.
  • Großpackungen kaufen: Kartoffeln, Reis, Kaffee, Waschmittel oder Nudeln – oft gibt es häufig verbrauchte Produkte auch in Großgebinden, die sich zentral bevorraten und in kleinen Portionen in Gläsern oder Dosen im Schrank aufbewahren lassen.
  • Unverpackt einkaufen: Ob Olivenöl, Obst und Gemüse, Reis oder Waschmittel – in Unverpacktläden gibt es viele Produkte zum Abfüllen in eigene Stoffbeutel, Dosen oder Gläser.
  • Produkte mit Refill-Option aussuchen: Ob Duschgel, Badspray oder Body-Cream – für viele Produkte gibt es umweltfreundlichere Refills. Sie sind zudem meist auch preiswerter.
  • Feste Seife benutzen: Statt zum Duschgel oder zur Pumpseife kann man auf feste Seife umsteigen, denn die gibt es oft unverpackt zu kaufen.

67 Prozent der beim Einkauf entstehenden Emissionen entstehen in Zusammenhang mit unserer Ernährung. Ein Fünftel aller klimaschädlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland ist nach Informationen des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) auf diese zurückzuführen. Das Hauptproblem sind tierische Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch oder Käse. Den Fleisch – vor allem Rindfleischkonsum zu reduzieren, verbessert automatisch die Klimabilanz. Das hat auch Sieglar in ihrer Challenge in den Fokus genommen. Aus einem fleischlosen Monat wurde eine beinahe fleischlose Ernährung.

Das Obst und Gemüse für den Wochenbedarf bezieht Sieglar zum Beispiel über eine Bio-Kiste. Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen beinhalten solche Kisten, die inzwischen deutschlandweit von Direktvermarktern oder Landwirten angeboten werden, regionale und saisonale Produkte. Sie sind in ihrer Klimabilanz nachhaltiger, weil beispielsweise lange Transportwege entfallen und sie unverpackt vertrieben werden.

Darauf sollte man beim Einkauf von Nahrungsmitteln achten:

  • Wenig verarbeitete Nahrungsmittel kaufen: Je weniger ein Nahrungsmittel weiterverarbeitet ist, desto besser für die Klimabilanz. Denn für die Weiterverarbeitung sind Energie und Transportaufwand nötig. Meist sind sie zudem zusätzlich verpackt.
  • Kurze Wege statt weite Transporte: Um Nahrungsmittel unabhängig vom heimisch-saisonalen Angebot anbieten zu können, werden sie aus anderen Ländern über lange Transportwege nach Deutschland gebracht. „Allein beim mehr als 9.000 Kilometer langen Flugtransport von Südafrika nach Deutschland werden pro Kilo Erdbeeren rund 18.000 Gramm Treibhausgase freigesetzt“, informiert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Kommen die Erdbeeren hingegen in der Saison aus der Region werden bei einem Transportweg von 100 Kilometern hingegen nur 370 Gramm Treibhausgase pro Kilo Obst verursacht.
  • Bio-Lebensmittel sind insgesamt weniger belastend: Bio-Bauern verzichten laut der Verbraucherzentrale auf energieintensiv erzeugte chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel und verwenden bei der Produktion ihrer Produkte nur ein Drittel an fossiler Energie. Beim Ökolandbau bildet sich zudem mehr Humus in der Erde. Dadurch wird Kohlenstoff im Boden gebunden. Das hilft dem Klima auf dieselbe Art, wie es auch Wälder und Moore tun.

Nachhaltiger Konsum betrifft auch den Einkauf von Bekleidung: Von Socken, die uns in der Waschmaschine verloren gehen oder von Shirts, die wir gleich in drei Farben kaufen, weil sie ein Schnäppchen sind. „Ich habe früher wahllos gekauft “, sagt Sieglar. Heute überlegt sie, ob sie das neue Kleidungsstück wirklich tragen wird.

In der EU landen laut Greenpeace jedes Jahr 1,5 bis zwei Millionen Tonnen ungewollte Kleidung auf dem Müll. Ihre nötige Entsorgung nimmt also Einfluss auf das Klima. Lange davor aber schon ihre Produktion, die Ressourcen wie Energie, Wasser, Rohstoffe und Arbeitskraft verbraucht. Textilien werden unter umweltschädlichen wie auch sozial unverträglichen Bedingungen hergestellt. Baumwollkleidung wird beispielsweise unter Einsatz chemischer Pestizide und Dünger produziert. Oft kommen umweltschädliche Färbetechniken zum Einsatz. Kleidung aus Synthetikmaterialien ist meist nicht biologisch abbaubar. Beim Waschen gelangen außerdem feinst Mikroplastikpartikel in den Wasserkreislauf. Was also tun?

So kauft man klimabewusst Klamotten:

  • Second-Hand: Auch bei Bekleidung darf „recycelt“ werden. Inzwischen gibt es Second-Hand-Klamotten lange nicht mehr nur auf Flohmärkten. Manche Läden haben sich sogar auf nur kurz getragene Designer-Ware spezialisiert. Der Vorteil: Sie schonen nicht nur das Portemonnaie, sondern beinhalten – weil schon mehrfach gewaschen - meist keine chemischen und potenziell giftigen Farbrückstände oder Substanzen aus der Textilveredelung. Besonders bei Kinderbekleidung lohnt sich der Gebrauchtkauf, denn der Nachwuchs wächst oft schneller als man gucken kann. Viele Teile sind darum – auch wenn gebraucht gekauft – absolut neuwertig.
  • Bewusst kaufen: Allein von 2000 bis 2015 hat sich laut Greenpeace die Zahl der Kleidungskäufe weltweit von 50 auf 100 Milliarden Kleidungsstücke verdoppelt. Bis 2030 soll sich der Bedarf nach Hochrechnungen nochmals verdoppeln. Es tut dem eigenen Geldbeutel wie der Umwelt gut, wenn Kleidung nicht kurz getragen und dann weggeworfen wird.
  • Auf Gütesigel achten: Natürliche Stoffe tragen das Kürzel „kbA“, sind also aus kontrolliert biologischem Anbau. Siegel wie „Fairtrade“ oder „Fair Wear“ kennzeichnen Kleidung aus fairem Handel und fairen Arbeitsbedingungen. Beim Kauf von Synthetikbekleidung zeigen Siegel wie „bluesign“ oder „Oeko-Tex-Standard 100“, dass recycelte Materialien verwendet wurden.