"Petersberger Klimadialog": Dürre Zeiten für das Klima

"Petersberger Klimadialog" : Dürre Zeiten für das Klima

Berlin (RPO). Angesichts der Schrecken der Atom-Katastrophe in Fukushima scheint die Bedrohung durch den Klimawandel aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Rekorde beim Treibhausgasausstoß, die Warnung vor einem dramatischen Anstieg des Meeresspiegels - derlei Drohkulissen schrecken derzeit kaum jemanden wirklich auf. Nun will die Bundesregierung mit dem Petersberger Klimadialog für etwas neuen Schwung sorgen.

Seit der Industrialisierung ist es weltweit durchschnittlich um 0,74 Grad wärmer geworden. Der 2007 veröffentlichte IPCC-Bericht lässt keinen Zweifel daran, dass der Mensch das Klima auf der Erde verändert. Polkappen und Gletscher schmelzen und schon jetzt steigt der Meeresspiegel stärker als jemals zuvor in den letzten 2000 Jahren, konstatierte ein internationales Forscherteam zuletzt in einer US-Fachzeitschrift. Stürme und Fluten nehmen zu, Wüsten breiten sich aus.

CO2-Ausstoß so hoch wie nie

Seit Jahren wird auf internationalen Konferenzen darum gerungen, den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase zu drosseln. Noch allerdings steigen sie. Die Internationale Energie-Agentur meldete für das vergangene Jahr einen weltweiten Treibhausgasausstoß von 30,6 Gigatonnen. Mehr CO2 wurde noch nie in die Luft geblasen.

Die Experten der IEA gehen davon aus, dass sich die CO2-Emissionen bis 2020 auf einem Niveau von 32 Gigatonnen einpendeln müssen, um eine Erderwärmung von mehr als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu verhindern. Diese Marke gilt unter Wissenschaftlern als entscheidend, um die Folgen des Klimawandels noch einigermaßen beherrschen zu können. Jeder Deutsche trägt mit rund elf Tonnen Kohlendioxid im Jahr zum globalen Treibhausgasausstoß bei.

Kaum Fortschritte auf Verhandlungsebene

In einem knappen halben Jahr findet im südafrikanischen Durban die nächste Klimakonferenz statt. Unterhändler aus 194 Staaten treffen sich dann wie in jedem Jahr, um nach Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel zu suchen. Die Zeit drängt. Ende 2012 endet die erste und bisher einzige Vertragsperiode des Kyoto-Protokolls, das 37 Industriestaaten dazu verpflichtet, ihre Treibhausgase bis 2012 um rund fünf Prozent zu drosseln.

Noch vor der Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 war das Ziel klar: Das Kyoto-Protokoll soll ersetzt werden durch ein neues Abkommen alle Staaten einbezogen werden - also auch die, die nicht Teil der Kyoto-Vereinbarungen sind. Dazu gehören die großen Schwellenländer wie Indien und China, aber auch die USA, die das Protokoll nicht ratifiziert haben.

Nach der Pleite in Kopenhagen sind die Chancen hierfür aber spürbar gesunken. Auf der letzten Klimakonferenz im mexikanischen Cancún bekannten sich die Teilnehmer zwar zum Zwei-Grad-Ziel und verpflichteten sich auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen, der große Wurf lässt aber weiter auf sich warten. Auch die jüngste Verhandlungsrunde in Bonn brachte kaum Fortschritte.

Bundesregierung lädt zu Klimadialog

Gelingt es nicht, eine Nachfolgelösung für das Kyoto-Protokoll zu finden, existiert es zwar weiter - allerdings ohne jegliche Vorgaben. Es würde zu einem Körper ohne Inhalt.

Es ist keine einfache Lage, in der Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) erneut zum Petersberger Dialog einlädt, der im vergangenen Jahr erstmals auf dem Petersberg bei Bonn stattfand. Dementsprechend düster äußerte sich der Minister kurz vor Beginn des Treffens. "Man kann nicht vorher wissen, welchen Beitrag eine solche Konferenz leisten kann", sagte der CDU-Politiker über den Petersberger Dialog. Und er fügte an: Ein Durchbruch sei auch in Durban nicht zu erwarten.

Der Klimawandel hingegen geht weiter. Die Initiatoren der Website Climate Action Tracker gehen derzeit davon aus, dass die globale Durchschnittstemperatur um 3,2 Grad steigen wird. Im besten Fall könnten es 2,6 Grad sein, im schlimmsten 4,0.

(apd/felt)
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