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Klimagipfel-Blog: Mit Germanwatch in Kopenhagen: Die schlaflose Zeit hat begonnen

Klimagipfel-Blog: Mit Germanwatch in Kopenhagen : Die schlaflose Zeit hat begonnen

Kopenhagen (RPO). Die Konferenz beginnt - für Germanwatch zwei Wochen voller Arbeit, Gespräche und wenig Schlaf. Ein Rückblick auf die ersten Stunden.

Kopenhagen Klimagipfel, Tag 1: Mehr als 10.000 Personen fanden sich schon am Vormittag im Bella Center ein, dem Austragungsort der wohl größten Umweltkonferenz aller Zeiten. Wenn man lange Wartezeiten an den Check Points umgehen will, muss man früh aufstehen: Für Germanwatch beginnen die Tage im Konferenzzentrum um 8 Uhr, zwei Stunden bevor die Verhandlungen starten.

Wir finden uns nun jeden Morgen in unserem "Mobilen Büro" (siehe Foto) zusammen, um das Tagesprogramm durchzusprechen und das Team zu koordinieren.

Es kursieren mehrere Szenarien

Auf was müssen wir uns in den nächsten Tagen einstellen? Wie stehen die Chancen für einen guten Ausgang der Klimaverhandlungen? Im Moment kursieren dafür mehrere Szenarien.

Eines davon könnte bedeuten, dass sich die Staaten am Ende der 14 Tage nicht auf einen Verhandlungstext einigen können und die Verhandlungen deswegen scheitern. Oder am Ende der Verhandlungen einigen sich die Staaten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, Regierungschefs präsentieren ein Papier unter viel Blitzlichtgewitter, aber die notwendigen Anforderungen, um unter einer 2 Grad Erwärmung zu bleiben, würden weit verfehlt. Damit wären unsere Erwartungen nicht erfüllt.

Möglich wäre auch, dass die Delegationen in Kopenhagen alle Eckpunkte für ein rechtlich verbindliches Abkommen beschließen, das wenigstens einigermaßen ambitioniert ist.

Welcher Ausgang ist nun unserer Meinung nach am wahrscheinlichsten?

Wir glauben, dass ein komplettes Scheitern der Verhandlungen immer unwahrscheinlicher wird. Über 120 Regierungschefs haben sich für das Finale der Verhandlungen angemeldet, und die werden nicht ohne Ergebnis nach Hause fahren wollen. Top-Politiker wie Obama hätten nicht ihre Teilnahme zugesagt, wenn sie nicht zuversichtlich wären, dass sie eine Einigung in Kopenhagen erzielen können.

Dies birgt jedoch eine Gefahr: Die Staatschefs könnten bestrebt sein, ein Abkommen - mit welchen Inhalten auch immer - zu verabschieden: Schöne Fassade und wenig Substanz.

Bei einer solchen Lösung würden Reduzierungspapiere beschlossen, die sich auf dem Papier schön anhören. Zusätzlich würde man jedoch viele Schlupflöcher einbauen, so dass die tatsächlichen CO2-Reduzierungen nicht so hoch wären, wie sie schienen. So käme die Welt nie auf einen. Pfad, der die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad begrenzt.

Für uns als Nicht-Regierungs-Organisation ist es nun wichtig, mit den Delegierten aus den Schlüsselländern in Kontakt zu treten, die Befürworter zu bestärken und die Blockierer wie Kanada und die Ölstaaten, unter Druck zu setzen. Viele von uns haben sich bereits mit Delegierten aus vielen Ländern, darunter Deutschland, China und den Cook Inseln ausgetauscht. Zum Glück haben wir es nach einem langen Tag aber auch noch rechtzeitig zur Willkommensfeier im Rathaus von Kopenhagen geschafft, wo wir weiterhin gute Gespräche führen konnten - aber endlich auch mal Zeit hatten, um etwas zu essen.

(Germanwatch)