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Analyse: Als Wirtschaftsgipfel kann Kopenhagen Erfolg haben

Analyse : Als Wirtschaftsgipfel kann Kopenhagen Erfolg haben

Düsseldorf (RPO). Der Auftakt des Klimagipfels verlief wie erwartet: viele Delegierte, große Worte - wenig Neues. Das wichtige Thema wird nicht mehr sachlich diskutiert und droht deshalb zu scheitern. Eine Analyse.

Große Worte hat es zum Auftakt der Klimagipfel immer gegeben. "Das ist unsere Chance", sagte Konferenz-Präsidentin Connie Hedegaard am Montag zu Beginn des 12-tägigen Expertentreffens - dabei vermied die zukünftige EU-Kommissarin den Begriff "letzte Chance". Der dänische Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen wurde schon konkreter: Das angestrebte Abkommen werde "alle Bereiche des Lebens betreffen", sagte er und wird Recht behalten. Die Konferenz beschrieb er mutig als "Hoffnungsträgerin der Menschheit". Die Umweltaktivisten haben die dänische Hauptsadt bereits in Hopenhagen umbenannt - in Anspielung auf Hope, das englische Wort für Hoffnung.

Der erste Tag auf der Suche nach einem weltumfassenden Kompromiss ist ein Spiegelbild der bisherigen Diskussion. Die Mehrheitsgruppe, die Experten die an den beginnenden Klimawandel glauben, versucht ihr Thema teilweise hollywoodreif zu inszenieren. Emotionalisieren nennt man das. Kinder müssen vor die Kamera und für die Zukunft der Erde bitten. Die Frage nach der Ursache des Klimawandels ist längst zum Glaubenskrieg mutiert.

Skeptiker wittern eine Verschwörung

Das Lager der Skeptiker begreift sich als die wahren Aufklärer. Es wittert Verschwörung, spätestens seit etliche E-Mails von britischen Klimaforschern veröffentlicht wurden, in dem es um Veränderung von gemessenen Werten geht. Der Versuch der Manipulation, bei dessen Interpretation gern vergessen wird, dass das fragliche Institut in England nur eines von vielen Klimaforschungseinrichtungen weltweit ist. Die Diskussion läuft schon lange nicht mehr sachlich, sondern mit dem Vorsatz unbedingt Recht zu haben. Wie streitende Kindergartenkinder.

Damit droht eine Expertenzunft ihr Renommee zu verspielen. Noch vor vier Jahren waren die Aussagen klar und eindeutig. Damals sagten die Experten, der Menschheit bleibt noch zehn Jahre für eine angemessene Reaktion. Diese Zeit läuft ab. Im international entstandenen Dokument konnte jeder die Veränderungen verfolgen. Seitdem die Klimaforschung diese Transparenz aufgegeben hat, wachsen Verschwörungstheorien. Insbesondere in Deutschland. Wo es in anderen Ländern wissenschaftliche Blogs zum Thema gibt, bleiben die deutschen Klimaforscher stumm.

Hollywood zeigt Klimawandel als Apokalypse

Die Diskussion um den Klimawandel wird oft von einer falschen Perspektive geführt. Es geht weniger um ein Endzeitszenario in der fernen Zukunft, sondern um einen Anpassungsprozess, der längst begonnen hat. Das Thema Treibhausgase wird nicht zur Existenz bestimmenden Frage für die Spezies Mensch. Klimawandel bedeutet nicht die Apokalypse nach der Lesart Hollywoods.

Anders als Dinosaurier sind wir durchaus anpassungsfähig - schon deshalb konnte die Menschheit ihre zentrale Position auf dem Planeten behaupten. Das Problem: Die Bewohner von reicheren Staaten haben im "Survival of the fittest" bessere Möglichkeiten als die Menschen in den Entwicklungsländern. Die Menschen in den ärmeren Ländern geht es so wie manche Spezies in den Ozeanen: Sie werden durch Umweltgifte bedroht für deren Existenz sie keine Verantwortung tragen.

Der Klimawandel beginnt in unseren Alltag vorzudringen. In Australien werden die Dürreperioden länger, in Europa die Sommer heißer und die Waldbrände häufiger, in Afrika geht der Kampf gegen die Wüste verloren. Dafür freut sich die Handelsschifffahrt über eine längere eisfreie Periode im Polarmeer. In Deutschland kann die Kanalisation die Wassermassen der vermehrten Starkregenereignisse nicht fassen - und die Ingenieure wissen, dass die Rohrsysteme die Überflutungen vermeiden würden, niemand bezahlen kann. Wir haben uns schnell daran gewöhnt, Versicherungen ändern ihre Tarife, die Feuerwehr schiebt Überstunden - Anpassung gelungen, aber Klimarettung ist etwas anderes.

Wirtschaftsgipfel statt Umweltschützertreffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Recht, dass die Klimakonferenz keine Umweltschützertreffen ist, sondern der wichtigste Wirtschaftsgipfel der letzten Jahre. Im Thema Klimaschutz ist Merkel nicht nur als promovierte Physikerin Expertin, sie hat auch das jetzt auslaufende Kyoto-Abkommen ausgehandelt.

Das Beispiel Kyoto zeigt übrigens, was Papiere und Abkommen wert sind. Vermutlich wird es Europa nicht schaffen, seine damals erklärten Ziele zu erreichen. Der deutsche Erfolg resultiert im wesentlichen aus dem Untergang der emissionsträchtigen DDR-Industrie. Da wirkt es kaum glaubhaft, in Kopenhagen ein noch ein größeres Paket für die Reduzierung der Treibhausgase zu schnüren. Die amtlichen Erklärungen der Regierungschef erinnern doch fatal an das Versagen der Regierenden beim Kampf gegen Hunger. Bis 2015 soll die Zahl der Hungernden halbiert werden - dabei passiert viel zu wenig wie der jüngste Ernährungsgipfel gezeigt hat. Eine Katastrophe.

Dabei ist der Hungertod für die Verantwortlichen doch viel greifbarer als die Szenarien über mögliche Klimafolgen. Allerdings lässt sich mit Maßnahmen für den Klimaschutz wenigstens Geld verdienen, anders als mit dem Export von Lebensmitteln. So wird der große Umweltgipfel in Kopenhagen nur dann erfolgreich sein können, wenn die Verantwortlichen die Aufgabe als Innovations- und Wirtschaftsgipfel verstehen, so wie Angela Merkel es beschreibt. Ein weltweites Förderprogramm für neue Technologien. Nicht zufällig versprechen und fordern gerade die Nationen große Klimapakete, die über Knowhow in alternativer Energie verfügen.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik der Weltklimagipfel