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Düsseldorf: Katzen sind zu gute Jäger

Düsseldorf : Katzen sind zu gute Jäger

US-Wissenschaftler haben das Jagdverhalten der Vierbeiner erforscht. Demnach greifen Katzen massiv in ihre Umwelt ein.

Selbst ihre Halter sind des Öfteren entsetzt, wenn die Katze zerrupfte Vögel anschleppt oder gefangenen Mäusen beim Todeskampf zuschaut. Doch dann tröstet man sich damit, dass der wohlstandsgepäppelte Stubentiger ja nur selten Jagderfolge verzeichnet. Allenfalls kranke, schwache und lebensuntaugliche Tiere, so die Hoffnung, würden ihm zum Opfer fallen. Doch eine aktuelle Studie aus den USA zeigt das Gegenteil.

Dabei ist kein anderes Haustier derart beliebt: In deutschen Haushalten leben etwa 12,9 Millionen Katzen. Damit rangieren sie weit vor den Hunden, die gerade mal auf knapp acht Millionen kommen. Doch während diese oft an der Leine geführt werden oder aufs Wort des Herrchens hören, lässt man Hauskatzen zu gerne frei walten. Was allerdings auch bedeutet, dass sie ungehemmt jagen können. Und das hat - wie man jüngst am Wildlife-Center of Virginia ermitteln konnte - einen enormen Einfluss auf das Leben in der freien Natur.

In dem US-amerikanischen Wildtier-Zentrum von Waynesboro behandelt man schon seit 1982 verletzte Säugetiere und Vögel. Es sind jedes Jahr mehr als 2000, und viele von ihnen sterben. Ein Team um den dortigen Veterinärmediziner Dave McRuer hat nun näher untersucht, weswegen eigentlich die Tiere eingeliefert werden. Dabei hat man sich aus einem Datenpool von knapp 21.000 Patientenakten bedienen können, die im letzten Jahrzehnt angelegt wurden. Die Untersuchung kann man also durchaus als repräsentativ bezeichnen.

Es stellte sich heraus, dass jedes siebte der schwerverletzten Tiere auf das Konto von Katzen ging. Sie stellten damit den zweithäufigsten Grund für das Einliefern von Kleinsäugern wie Feldmäusen, Backenhörnchen und Fledermäusen und den vierthäufigsten Grund für die Behandlung von Staren, Tauben, Spatzen und anderen Vögeln. Besonders schwer wiegt aber, dass offenbar die meisten Attacken tödlich endeten. Rund 80 Prozent der durch Katzen verletzten Vögel starben, obwohl man ihnen am Wildlife-Center noch zu helfen versuchte.

Was außerdem auffiel: wie breit aufgestellt die Katzen in ihrer Beuteauswahl sind. "Insgesamt haben wir über 83 Tierarten unter ihren Opfern gefunden", sagt McRuer. Unter ihnen waren sogar Falken, Murmeltiere, Skunks und Waschbären, denen man eigentlich eine größere Wehrhaftigkeit zugetraut hätte. Allerdings werden hier insbesondere die Jungtiere attackiert, während bei Vögeln eher die Eltern als die Küken auf dem Bejagungsplan der Katzen stehen. Eine Vorliebe für kranke und lebensuntaugliche Tiere wird von den Forschern nicht erwähnt.

Die US-Studie ist natürlich Wasser auf die Mühlen von Wildtierschützern, die seit jeher fordern, Katzen nicht außer Haus zu lassen und streunende Exemplare sogar zu bejagen. Rückendeckung bekommen sie von aktuellen Zahlen aus den USA, wo neben 77 Millionen Hauskatzen mindestens die gleiche Anzahl verwilderter Exemplare durch die Wälder stromern. In Deutschland dürfte dies jedoch anders sein, weil man hier mehr auf seine Hauskatzen aufpasst und sie öfter sterilisieren oder auch kastrieren lässt, was im letzteren Fall nicht nur die Fortpflanzungsquote, sondern auch das Jagdrevier verkleinert.

Zusätzlich sollte man Katzen ein buntes Halsband umlegen, wie Wissenschaftler der St.-Lawrence-University im Bundesstaat New York unlängst herausfanden. Denn das wirkt auf Vögel - im Unterschied zu den kleinen Glöckchen, die den Katzen gerne umgehängt werden - wie ein Alarmsignal.

Die beste Aufschreckwirkung haben ein knalliges Rot und die Farben des Regenbogens.

(RP)