Geldern: Katholisch im Alltag

Geldern : Katholisch im Alltag

Die Fuchs-Noltes sind Mitglieder einer katholischen Kirchengemeinde mit 20 000 Gläubigen in Geldern. Zu ihrem Alltag gehören feste Zeiten, um sich an Gott zu erinnern. Auch der Gottesdienstbesuch am Wochenende zählt dazu.

Die dampfende Kartoffelsuppe steht auf dem Tisch. Bevor Familie Fuchs-Nolte zu den Löffeln greift, fassen sich Mutter Kerstin, Vater Jürgen und die Töchter Anna (8) und Inga (10) an den Händen. "Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, oh Gott, von Dir, wir danken Dir dafür. Amen", sagen die vier im Chor. Das Brot wird herumgereicht. Gebetet wird vor allen warmen Mahlzeiten. Dabei liegt der Gottesdienst in St. Maria Magdalena erst wenige Minuten zurück.

Linksrheinisch ist die Gelderner Gemeinde mit 20 000 Gläubigen die größte des Bistums Münster. Das Gotteshaus liegt nur wenige Schritte vom Zuhause der Familie entfernt. Der Kirchturm ist gut sichtbar.

Bevor Kaplan Christian Olding, Pastoralreferentin Monika Eyll-Naton und die Messdiener an diesem Abend aus dem Nebenraum, der Sakristei treten, nutzen viele Gläubige die Zeit für ein stilles Gebet. Die achtjährige Inga nimmt zwischen ihrem Vater Jürgen und Mutter Kerstin Platz. Viele Gottesdienstbesucher bekreuzigen sich beim Hereinkommen, andere machen einen Knicks vor dem großen Kruzifix, das über dem Altar hängt. Das Kruzifix, der gekreuzigte Sohn Gottes, ist Erinnerung, Dreh- und Angelpunkt des Christentums. Im Gottesdienst hält Monika Eyll-Naton die Predigt. "Christsein ist eine Berufung. Wir sind im Namen des Herrn unterwegs", sagt die Pastoralreferentin im weißen Talar. "Ob in Ehe, Familie oder am Arbeitsplatz - überall soll spürbar sein: Dieser Mensch hat Gemeinschaft mit Christus." Für die Familie Fuchs-Nolte ist der Gottesdienst an jedem Wochenende fest eingeplant.

Das war nicht immer so. "Es gab einen Lebensabschnitt, da sind wir nur zu Weihnachten oder zu Hochzeiten in die Kirche gegangen", sagt Kerstin Nolte. Geändert hat sich das mit der Geburt ihrer Tochter Anna. "Für uns war das so eine Freude", sagt die 48-Jährige.

Ausgerechnet an Weihnachten haben sie und ihr Ehemann angefangen, wieder regelmäßig in die Kirche zu gehen. Sie war mit Inga schwanger, und die Kirche war proppenvoll. "Es ist schön, mit so vielen Gläubigen zusammen zu feiern", sagt Kerstin Nolte. Sie hat aber auch Verständnis für diejenigen, die nicht jede Woche kommen. Ihr ist es immer noch lieber, wenn Menschen einen lockeren Kontakt zur Kirche haben, als gar keinen. In ihrem Fall sei es ein Prozess der Reife gewesen, der sie in die Kirche zurückgebracht habe.

Kerstin Nolte hat katholische Wurzeln. Während ihr Mann sich einfach als Christ bezeichnet, sieht sie sich als Katholikin. Sie glaubt an Jesus Christus als Gottes Sohn, und sie mag die festgelegten Gottesdienstformen der Kirche. Ihre Tochter Inga lernt derzeit den Ablauf eines katholischen Gottesdienstes im Kommunionunterricht kennen - mit allen Bedeutungen und Ritualen, zum Beispiel, wann man in der Kirche sitzen und wann stehen muss.

Kerstin Fuchs unterrichtet die Kinder gemeinsam mit anderen Müttern. "Füreinander da sein, weil nur so Gemeinschaft funktioniert", das möchte sie dem Nachwuchs mitgeben. "Wir erfahren etwas über die Kommunion, über Jesus, über Gott und machen ein paar Spiele, wenn wir uns treffen", erzählt Tochter Inga.

Über der Tür des Zimmers, das sich das Mädchen mit seiner Schwester Anna teilt, hängt ein Holzkreuz. "Gut, dass wir einander haben", steht dort in blauen Buchstaben. Vor dem Zubettgehen betet ihre Mutter für sie. "Gott möge dich beschützen, und die Schutzengel mögen fleißig sein", so endet das Gebet. Anna und Inga finden das gut. "Dann kann man auch gut einschlafen", sagt Anna.

Manchmal fährt die Familie auch nach Kevelaer, in den bekannten Wallfahrtsort. "Wir zünden dort eine Kerze an, um an die Verstorbenen zu denken oder für Dinge, die wir uns in der Zukunft erhoffen", sagt der Familienvater. "Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Mathearbeit ist das nicht der Fall, eher bei den großen Dingen", ergänzt seine Frau.

Sie zündet zum Beispiel eine Kerze an, wenn sie weiß, dass im Freundeskreis eine Operation stattfindet. "Weil ich die Kerze anzünde, wird sich die Diagnose nicht ändern, aber ich hoffe, dass ein Stückchen Kraft ankommt", sagt sie. Auch im Alltag sei der Glaube da, manchmal ganz plötzlich. "Es gibt Tage, an denen ich mich beim Autofahren bekreuzige, weil etwas hätte danebengehen können", berichtet Jürgen Fuchs-Nolte, der selbstständiger Versicherungsmakler ist.

Klar gebe es Menschen, die damit nichts anfangen können, sagt seine Frau Kerstin. Ihr Mann stimmt dem zu. "Jeder Mensch soll seine Freiheit haben, ob er in die Kirche geht oder nicht. Was den Glauben angeht, kann sich keiner erlauben zu sagen, welche Religion die bessere ist", meint der 52-Jährige. Glaube ist für ihn die Wahrnehmung von Wärme und Sicherheit, das Vertrauen, dass der Gottessohn, der zu uns heruntergesandt wurde, immer da ist.

(bimo)