Düsseldorf: Kate Moss – Model und Muse

Düsseldorf : Kate Moss – Model und Muse

Seit 25 Jahren präsentiert sie Mode und inspiriert große Fotografen. Zum Jubiläum erscheint ein Fotoband – ein Tagebuch in Bildern.

Als das blasse, dürre Mädchen auf einem Flughafen entdeckt wurde und bereits mit 14 zu modeln begann, sah es nicht nach einer großen Karriere aus. Kate Moss, aufgewachsen im Londoner Arbeiterviertel Croydon, mit den ungewöhnlichen Maßen (1,70 Meter) und den unperfekten – wie sie selber sagt "schrecklichen" Zähne – war das Straßenkind der 1990er Jahre. Sie war der Gegentyp zu den damals dominanten Supermodel-Amazonen Cindy Crawford, Claudia Schiffer oder Linda Evangelista, die glatt und schön die Luxus-Welt verkörperten.

Als das Magazin "The Face" 1990 Kate Moss mit Indianerfedern auf dem Kopf auf dem Titel druckte, war das eine Revolution. Von der Modebranche wurde sie als Teenie für den angesagten "Heroin-Chic" ausgebeutet und später beinahe fallen gelassen, als ihre persönliche Vorliebe für Kokain publik wurde. Heute mischt sie mit ihren 38 immer noch ganz oben mit. Stets ist sie aus der Reihe gefallen und zählt gerade deswegen zu den einflussreichsten Figuren der Branche.

Lange hat eine der inzwischen reichsten Frauen Englands geschwiegen, keine Interviews gegeben. Ins Gespräch kam sie ohnehin von selbst, durch ihren Lebenswandel, ihre Liebhaber und deren Lebenswandel (Johnny Depp, Pete Doherty und all die anderen Ex).

Im 25. Jahr ihrer Karriere gibt sich das Model auskunftsfreudig und hat in dem von ihr zusammengestellten Bildband sogar ein Vorwort verfasst und ihr Lebensmotto preisgegeben: "Ich liebe Rollenspiele und Verkleiden, ich kann keinem Abenteuer widerstehen – und sehe zu, dass es auch Spaß macht. Ich weiß noch, dass meine Mutter sagte, man könnte im Leben nicht immer Spaß haben, und meine Antwort von damals gilt für mich bis heute: aber wieso denn nicht?" Unglamourös bezeichnet sie sich als "willige Mitarbeiterin" ihrer Fotografen, die "niemals Erwartungen enttäuschen will" – etwa, wenn es darum geht, gemeinsam jene Mode-Kunstfiguren zu entwickeln, bei deren Anblick mancher die Luft anhält. Sie erzählt, dass sie viele Jahre wegen ihrer Oberweite weinte, die sie anfangs nur widerwillig zeigte. Heute fühlt sie sich stark, wenn sie für die Kamera die Hüllen fallen lässt. Nacktheit beschreibt sie als etwas, "das dein Selbstbewusstsein stärkt".

Dieses Buch ist ein Tagebuch in Bildern. Anrührend das Foto des damals noch unbekannten Mädchens mit Sommersprossen und geflochtenem Haar. Der Rückblick mit lauter Lieblingsbildern ist nicht chronologisch, sondern wirkt, als ob Kate Moss einfach die Schubladen ausgeschüttet hätte. Fotos über Fotos, die keine Erklärung neben sich dulden (knappe Infos finden sich im Anhang) und vor allem eines zeigen: Wie und warum Moss zum Superstar wurde. Sie ist die Muse ihrer Fotografen. Darunter so namhafte Leute wie Peter Lindbergh, Bruce Weber, Mario Testino oder Herb Ritts. Trotzdem hat sie eines geschafft: Sie ist ihrem wilden Wesen treu geblieben.

(RP)