Rätsel des Alltags: Jeder kennt Westfalen - gibt es auch Ostfalen?

Rätsel des Alltags: Jeder kennt Westfalen - gibt es auch Ostfalen?

Dortmund (RP). Jeder kennt Westfalen. Gibt es auch ein einfaches 'Falen' oder 'Nord-, Süd- oder Ostfalen'? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie "Rätsel des Alltags" nach.

Neben Westfalen spricht man heute durchaus auch noch von Ostfalen, allerdings nicht in der breiten Öffentlichkeit. In letzter Zeit gibt es aber Bestrebungen, dieses Manko zu beheben. So haben die drei Landkreise Bördekreis, Helmstedt und Ohrekreis den Verein "Deuregio Ostfalen" gebildet.

Hier wird versucht, die ostfälische Sprache mit Schreibwettbewerben und im Unterricht zu stützen und zu bewahren. Darüber hinaus existiert ein "Ostfälisches Institut" oder etwa der "Technologiepark Ostfalen" in Magdeburg.

"Auch für den Dialektforscher ist Ostfälisch geläufig", berichtet Jürgen Udolph, Professor am Institut für Slavistik der Universität Leipzig. Generell gesagt, lässt sich "das Niederdeutsche in west- und ostniederdeutsche Dialekte unterteilen. Zu den westniederdeutschen Dialekten gehören das Niederfränkische und das Niedersächsische mit dem Westfälischen, Ostfälischen und Nordniedersächsischen".

Zu Ostfalen zählt man das Gebiet um Braunschweig, also Wolfenbüttel, Goslar, Peine, und Gifhorn, auch um Halberstadt, Hildesheim und Teile der Region Hannover. Der Raum Braunschweig/Wolfenbüttel wird in einigen Mundartbeschreibungen als "kernostfälisch" bezeichnet.

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Die Einteilung in "Westfalen" und "Ostfalen" geht auf Sachsen zurück. Im 10. Jahrhundert bestand das Stammesherzogtum aus den Teilbereichen Engern, Westfalen, Ostfalen und Nordalbingien. Unter Ostfalen verstand man den Raum zwischen Elbe, Weser, Saale und Unstrut. Im Gegensatz zur Bezeichnung Westfalen verloren sich die Namen Engern und Ostfalen bei der Auflösung des alten Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180, so Jürgen Udolph.

Der Bestandteil "-falen" enthält ein germanisches Wort, das man im altschwedischen fala (= Ebene) findet, sowie in den schwedischen Ortsnamen Falbygden oder Falun und in Norddeutschen wie Velsete, Fallstedt oder Vahlbruch.

Die Landschaften Westfalen und Ostfalen sind also nach ihrer Lage in der Ebene - im Gegensatz zu den südlich davon liegenden deutschen Mittelgebirgen - benannt. "Da für germanisch 'f-' und '-a-' im Slavischen 'p-' und '-o-' zu erwarten sind, ist der Name 'Polen‘ eine Entsprechung zu '-falen‘, was durch die ebenfalls flache Lage des osteuropäischen Landes bestätigt wird.

(alfa)
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