Harvard-Studie enthüllt So gesund sind Sneaker wirklich

Düsseldorf · Die „Sneaker“-Ausstellung in Düsseldorf wirft auch eine alte Frage auf: Wie gesund sind diese Schuhe eigentlich? Experten haben eine klare Meinung.

 Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual. Doch wie gesund sind Sneaker wirklich?

Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual. Doch wie gesund sind Sneaker wirklich?

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Die Leute lieben sie, weil sie gut aussehen und bequem sind. Aber was sagt die Medizin?

Sind Sneaker überhaupt gut für die Füße?

Diese Frage wird in der Schulmedizin kontrovers beantwortet. Es gibt Orthopäden, die Sneaker bedenklich finden. Andere sehen weniger Probleme. Wer ein Paar Laufschuhe kauft, muss immer auch den Untergrund der Laufstrecke bedenken; wichtig sind zudem der Grad der Fitness und die Intensität und Häufigkeit des Laufens. Geht es aber um Arbeitsschuhe, ist der Kauf meistens schnell erledigt: Dann soll der Schuh rutschfest sein und abwaschbar, bequem und auch ansehnlich. Modische Aspekte spielen eine wichtige Rolle.

Wo lauern Gefahren?

Etwa bei häufigem Tragen auf glatten Boden. Das kann Fersenschmerzen und den gefürchteten „Fersensporn“ fördern. Zwar ist es sinnvoll, Sneaker zum Beispiel im Wald gelegentlich zu tragen – oder, wenn man auf grobem, großem Kopfsteinpflaster geht oder läuft. Der Faszien-Experte Robert Schleip sagt: „Auf unebenen Untergrund hat man auch in Schuhen mit weicher Sohle eine dynamisch-wechselnde, gesunde Stimulation beim Gehen und Abrollen. Das Problem mit Sneaker auf glattem Boden ist, dass der Fuß dann kaum stimuliert wird. Das erhöht das Verletzungsrisiko enorm.“ Schleip warnt: „Wenn der Fuß nicht stimuliert wird, verkürzen sich die Faszien, sie verkleben und verfilzen – es kommt zu einer Fibrotisierung, zu einem ungerichteten Wuchern von Kollagen-Typ-1-Fasern.“ Wenn es zu einer Entzündung kommt, nennt man das Plantarfasziitis.

Bis zu zehn von 100 Menschen erkranken im Laufe des Lebens an einer Plantarfasziitis. Bei Erwachsenen ist sie eine der häufigsten Ursachen für Fuß- und Fersenschmerzen. Diese Entzündung tritt besonders oft bei 45- bis 65-Jährigen auf. Läuferinnen und Läufer entwickeln häufiger und in jüngerem Alter eine Plantarfasziitis als andere Menschen.

NRW Forum zeigt große Sneaker-Schau
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Foto: NRW-Forum/Anne Orthen

Was sagt die Forschung?

Daniel Lieberman von der Abteilung für Evolutionsbiologie an der amerikanischen Harvard University fand mit seinem Team heraus: Sneaker und Laufschuhe, die häufig eine Art Stoßdämpfer und eine dicke Polsterung in der Sohle haben, seien nicht so vorteilhaft wie gedacht. Im Gegenteil, sie machten die Füße für Verletzungen sogar anfälliger.

Liebermans Team untersuchte in seiner Studie die Auswirkungen des Laufens und Gehens in Sneakern und bei Barfuß-Fortbewegung. Dafür verglich er den Laufstil von 73 Läufern aus den USA und aus Kenia. Die Forscher kamen dabei zu dem Schluss, dass Schuhe unseren Füßen tatsächlich langfristig mehr schaden als helfen. Sie entdeckten, dass die Mehrheit der Barfußläufer mit dem Vor- oder Mittelfuß auf dem Boden aufkam. Bei diesem Vor- und Mittelfußlauf wird der gesamte Bewegungsapparat beim Bodenkontakt weniger belastet. Das Gegenteil sahen die Forscher aber bei den Testpersonen, die Sneaker trugen – sie traten beim Gehen und beim Laufen zuerst mit der Ferse auf. Der Aufprall und das Abrollen über die Ferse belastete die Füße aber wesentlich mehr, auch in gedämpften Laufschuhen.

Lieberman erklärte in seinem Interview: „Wer in Schuhen geht, dessen Füße drücken gegen einen festen Bodenersatz, der dafür sorgt, dass die Muskeln in den Füßen weniger arbeiten müssen, als wenn man barfuß wäre.” Bei einer schlecht trainierten Fußmuskulatur steige das Verletzungsrisiko, und Fußprobleme wie Plattfüße können auftreten.

Wie wichtig ist der Wechsel der Schuhe?

Sehr wichtig. Wer immer nur einen Typ Schuhe trägt, der fördert einseitige Abläufe. Häufiger Wechsel hingegen fördert die Muskulatur und die Gangsicherheit. Und er verhindert Schweißfüße.

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